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Corona in BW: Kliniken fordern Impfpflicht für alle – und Vorrang bei Novavax

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Von: Marten Kopf

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Baden-Württemberg - Die Impfpflicht für Beschäftigte im Gesundheitswesen könnte die schwierige Personalsituation an den Kliniken noch verschärfen. Sie fordern deshalb eine allgemeine Impfpflicht.

Die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht gegen das Coronavirus hängt aktuell noch in der Schwebe. Voraussichtlich im März werden die Abgeordneten des Bundestags darüber entscheiden – Ausgang zumindest nicht so gewiss, wie die Regierungsparteien sich das wünschen würden. Die Einführung einer einrichtungsbezogenen Impfpflicht für medizinisches Personal und Pflegekräfte dagegen steht fest – die nämlich wird bundesweit ab dem 16. März gelten.

BundeslandBaden-Württemberg
LandeshauptstadtStuttgart
Einwohnerzahl11.103.043 (Stand: 31. Dezember 2020)
Fläche35.751,46 km²
MinisterpräsidentWinfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen)

Warum nicht sofort ist simpel: Sie sieht vor, dass Beschäftigte in Einrichtungen wie Arztpraxen, Kliniken und Pflegeheimen bis zum 15. März nachweisen müssen, dass sie geimpft oder genesen sind. Doch impfen braucht Zeit und nicht alle haben bereits einen (vollständigen) Impfschutz. Die Frist für die einrichtungsbezogene, dann ab dem 16. März geltende Impfpflicht sei gewählt worden, um allen nicht geimpften Personen aus diesem Bereich ausreichend Zeit zu geben, sich vollständig impfen zu lassen, so sagt es das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg.

Neue Hoffnung Novavax: Impfskeptiker für Immunisierung gewinnen

Damit sollen Patienten und Pflegebedürftige besser vor einer Corona-Infektion geschützt werden. Doch Kliniken befürchten infolgedessen eine Abwanderung von Personal in andere Branchen wegen der immer noch vielerorts vorhandenen Skepsis gegenüber den aktuellen mRNA- und Vektor-Impfstoffen. Das gelte besonders für IT-Fachleute, Elektriker und Verwaltungsangestellte. „Das würde die Krankenhäuser unter erheblichen Stress setzen“, sagt etwa Matthias Einwag, Hauptgeschäftsführer der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG), am Montag (7. Januar) gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Die Lösung für dieses Problem aber könnte der erst kürzlich zugelassene Totimpfstoff Novavax bringen, wenn man ihn denn zuerst an das Personal von Kliniken und Pflegeheimen verteile, sagt Einwag. „Mit dieser neuen Technologie könnten
etliche Impfskeptiker für eine Immunisierung gewonnen werden.“ Er schätze, dass man drei Viertel der zehn Prozent Ungeimpften im Gesundheitswesen mit dem Impfstoff dazu bewegen könne, sich immunisieren zu lassen. Das für die Beschaffung zuständige Sozialministerium müsse die neue Vakzine ab 21. Februar mit Vorrang an Kliniken und Pflegeeinrichtungen verteilen. Novavax allerdings soll, so jedenfalls der Plan des baden-württembergischen Gesundheitsministeriums, vorerst nur für Erstimpfungen zum Einsatz kommen.

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Diskussion um Impfpflicht: Keine Diskriminierung der Gesundheitsberufe

Darüber hinaus fordert die BWKG die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht. Werde die einrichtungsbezogene in eine allgemeine Impfpflicht eingebettet, könne ein Aderlass im Gesundheitssektor vermieden werden. „Die Bundespolitik hat uns ergänzend zur einrichtungsbezogenen Impfpflicht eine allgemeine Impfpflicht versprochen, was wir immer gefordert haben.“ Wenn die Politik jetzt nicht die Kraft dazu aufbringe, werde das zu zusätzlichen Personalausfällen in den Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern führen. Außerdem könne eine generelle obligatorische Impfung das Argument einer Diskriminierung der Gesundheitsberufe entkräften. „Es ist schon schwierig zu erklären, warum Personal geimpft sein muss, aber Besucher sowie Patienten und Bewohner in Kliniken beziehungsweise Pflegeeinrichtungen nicht“, sagt Einwag. (mko/dpa)

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