Inzidenz-Werte entscheidend

Corona-Lockdown: Merkels neuer Öffnungsplan – was sich für Gastro, Sport, Kontakt ändert

Nach neun Stunden Corona-Konferenz stellt Kanzlerin Angela Merkel die neuen Beschlüsse vor. Der Lockdown wird zwar verlängert, aber einige Lockerungen sind trotzdem möglich:

Wie bestreiten wir mit möglichst viel Sicherheit den Weg aus der Corona-Krise? Diese Frage stellen sich am Mittwoch (4. März) Bund und Länder während eines weiteren Corona-Gipfels. Dieser hat es in sich, immerhin ging es um mögliche Öffnungsschritte und damit die Existenzsicherung tausender Menschen in Deutschland. Kanzlerin Angela Merkel und die 16 Ministerpräsidenten diskutieren über neun Stunden über neue Lockerungen. Kurz vor Mitternacht tritt Merkel dann schließlich vor die Presse und verkündet die neuen Corona-Beschlüsse, wie HEIDELBERG24* berichtet.

LandDeutschland
Einwohner 83,02 Millionen
KanzlerinAngela Merkel (CDU)

Corona-Gipfel mit Merkel: Öffnungsplan für Deutschland – wann was aufmachen darf

Bund und Länder einigen sich darauf den Lockdown in Deutschland zu verlängern. Dieser gilt nun bis zum 28. März – also eine Woche vor Ostern. Es gibt aber auch einige Lockerungen, die allerdings an die 7-Tage-Inzidenzen gekoppelt sind. Die Politiker verständigen sich darauf, sich dabei mehr an den Wert von 50 statt 35 zu konzentrieren. Fest steht auch: Führen die Lockerungen wieder zu einem Anstieg der Coronavirus-Infektionszahlen, dann müssen die Maßnahmen sofort wieder beendet und Verschärfungen angewandt werden. Das sind die Öffnungsschritte:

Die Corona-Öffnungsstrategie zeigt, welche Bereiche wann wieder öffnen können.

Impfkampagne: Angela Merkel macht deutlich, dass die Impfkampagne beschleunigt werden solle. „Wir glauben, dass wir hier noch Steigerungspotenzial haben“, sagt sie. In haus- und fachärztlichen Praxen soll deshalb ab Ende März/Anfang April ebenfalls gegen das Coronavirus geimpft werden.

Kostenlose Schnelltests: In der nächsten Woche soll jedem Bürger einmal pro Woche ein kostenloser Schnelltest zur Verfügung stehen. Die Kosten will der Bund übernehmen. Bund und Länder erwarten zudem, dass auch Unternehmen als gesamtgesellschaftlichen Beitrag ihren in Präsenz Beschäftigten pro Woche das Angebot von mindestens einem
kostenlosen Schnelltest machen. In einigen Supermärkten, Discountern und Drogerien werden auch Schnelltests angeboten, allerdings kosten diese zwischen fünf und zehn Euro.

Kontaktbeschränkung: Ab Montag (8. März) soll die Kontaktsperre etwas gelockert werden. Dann werden private Treffen zwischen zwei Haushalten, aber mit maximal mit fünf Personen, erlaubt sein. In Regionen mit einer 7-Tage-Inzidenz von unter 35 sind Treffen zwischen drei Hausständen, aber maximal mit zehn Personen, erlaubt. Kinder bis 14 Jahre sind jeweils ausgenommen.

Buchhandlungen, Blumengeschäfte und Gartenmärkte dürfen wieder öffnen. Voraussetzung ist ein Hygienekonzept sowie eine Kundenbegrenzung.

Fahrschulen und Flugschulen dürfen ebenfalls wieder unter Auflagen aufmachen.

Weitere Öffnungen: Auch Regionen mit einer Inzidenz von 100 können mit eingeschränkten Öffnungen rechnen. Neben Terminshopping-Angeboten im Einzelhandel können dann Museen, Galerien, Zoos, botanische Gärten und Gedenkstätten für Besucher mit Terminbuchung öffnen.

Sport: Individualsport alleine oder zu zweit sowie Sport in Gruppen von bis zu zehn Kindern bis 14 Jahren im Außenbereich sollen bei einer 100-Inzidenz auch wieder möglich sein. Bei einem Wert von unter 50 werden die Auflagen abgeschwächt, damit auch wieder kontaktfreier Sport in kleinen Gruppen im Freien möglich ist.

Corona-Gipfel mit Merkel: Gastro, Freizeit, Kultur – Öffnungen noch im März?

Bund und Länder haben sich im Corona-Gipfel* darauf geeinigt, die nächsten Öffnungsschritte dann vorzunehmen, wenn sich die 7-Tage-Inzidenzen innerhalb von 14 Tagen nicht verschlechtern. Dann sollen Außengastronomie, Kinos, Theater, Konzert- und Opernhäuser wieder öffnen dürfen. Auch kontaktfreier Sport im Innenbereich sowie Kontaktsport im Außenbereich sei dann wieder möglich.

Im nächsten Schritt sind weitere Sportmöglichkeiten und Freizeitveranstaltungen dran. Auch hier gilt: Bis zu einer 100er Inzidenz soll es höhere Auflagen wie tagesaktuelle Tests oder einen Buchungszwang geben, die bei einer Sieben-Tage-Inzidenz bis 50 Neuinfektionen wegfallen.

Nach Corona-Gipfel mit Merkel: „Anders sein als der Frühling vor einem Jahr“

Corona-Gipfel: Angela Merkel verkündet Lockerungen – knüpft diese aber an Bedingungen.

Bund und Länder erkennen zwar an, dass es bei Bürgern und Wirtschaft den starken Wunsch nach Lockerungen gibt. Sie verwiesen jedoch auf die nach wie vor hohe Zahl der Neuinfektionen und auf das Vordringen der als besonders ansteckend geltenden Virusvarianten. Deutschland habe Stärke gezeigt in seiner Reaktion auf die zweite Welle der Pandemie, sagt Merkel nach den Beratungen. „Und jetzt liegt die Aufgabe der Politik darin, die nächsten Schritte klug zu gehen. Es sollen Schritte der Öffnung sein und gleichzeitig Schritte, die uns in der Pandemie nicht zurückwerfen dürfen.“ In Europa gebe es viele Beispiele für eine „dramatische dritte Welle“, so die Kanzlerin. „Diese Gefahr, da dürfen wir uns nichts vormachen, besteht auch für uns.“
Merkel betont aber: „Der Frühling 2021 wird anders sein als der Frühling vor einem Jahr.“ Inzwischen habe man bei der Bekämpfung der Pandemie zwei starke Helfer: die Impfstoffe und die erweiterten Testmöglichkeiten.

Nach Corona-Gipfel mit Merkel: Harte Kritik gegen Öffnungsplan – „Lockerungswirrwarr“

Von der Opposition sowie von kommunaler Ebene kam deutliche Kritik an den Beschlüssen*. Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner reagiert enttäuscht auf die Beschlüsse. „Für die Bundesregierung bleibt offenbar der Lockdown das einzig denkbare Rezept. Dabei wäre mit innovativen Konzepten mehr gesellschaftliches und wirtschaftliches Leben möglich“, sagt er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch äußert sich in den Funke-Blättern: „Corona-Irrgarten statt klaren
Stufenplan: Die Entscheidungen bei der Pandemiebekämpfung sind nur schwer nachvollziehbar. Heute haben wir ein Inzidenz- und
Lockerungswirrwarr erlebt, der die Bürgerinnen und Bürger verunsichern wird.“

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund nennt die Beschlüsse zu den Corona-Tests zu unkonkret. „Die Organisation liegt bei den Ländern und Kommunen. Wie sich die Eigentests in das System einfügen sollen, wie der Nachweis dokumentiert wird, wie lange er gewisse Zugänge ermöglichen soll, wird leider noch nicht beantwortet“, sagt Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der „Rheinischen Post“. *HEIDELBERG24, bw24 und echo24 sind Angebote von IPPEN MEDIA (dpa/jol)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld

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