Unternehmen aus Mainz vermeldet Durchbruch

Corona-Impfstoff von BioNTech: „90 Prozent Schutz“ – doch wer wird zuerst geimpft?

Corona-Impfstoff von BioNTech: Mit vielversprechenden Nachrichten macht das Mainzer Pharmaunternehmen Hoffnung im Kampf gegen die Pandemie. Wann die Impfung zur Verfügung stehen soll:

Mainz - Das Pharmaunternehmen BioNTech mit Sitz in der Hauptstadt von Rheinland-Pfalz und der US-Pharmakonzern Pfizer haben am Montag als erste westliche Hersteller vielversprechende Ergebnisse einer entscheidenden Studie zum Corona-Impfsstoff veröffentlicht. Diese Nachricht könnte einen Durchbruch im Kampf gegen das Coronavirus bedeuten: Ihr Impfstoff biete einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor der Krankheit Covid-19, erklärten die beiden Unternehmen. Schwere Nebenwirkungen seien nicht festgestellt worden.

UnternehmenBioNTech SE
Gründung2008
HauptsitzMainz
CEO Ugur Sahin

Corona-Impfstoff von BioNTech: Effektive Impfung rückt näher – Antrag für Zulassung schon nächste Woche

BioNTech und Pfizer wollen nach eigenen Angaben voraussichtlich bereits nächste Woche die Zulassung des Corona-Impfstoffs bei der US-Arzneimittelbehörde FDA beantragen. Ein effektiver Corona-Impfstoff in Europa und den USA rückt damit in greifbare Nähe. Bundesgesundheitsminister Jena Spahn sagte, er gehe von einer parallelen Beantragung der Zulassung bei FDA und der europäischen Arzneimittelbehörde EMA aus.

Für Corona-Impfstoffe gilt wegen der besonderen Dringlichkeit im Kampf gegen die Pandemie ein beschleunigter Zulassungsprozess. Bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA können Impfstoff-Hersteller schon vor dem kompletten Antrag zur Zulassung einzelne Teile zu Qualität, Unbedenklichkeit und Wirksamkeit eines Präparats einreichen.

Corona-Impfstoff von BioNTech: So soll der Wirkstoff der Impfung funktionieren

BioNTech hatte den Impfstoff BNT162b2 im Projekt „Lightspeed“ (Lichtgeschwindigkeit) seit Mitte Januar entwickelt. Das BioNTech-Präparat BNT162b2 ist ein sogenannter RNA-Impfstoff, der auf einem bislang völlig neuen Mechanismus basiert. Er enthält genetische Informationen des Erregers, aus denen der Körper ein Viruseiweiß herstellt – in diesem Fall das Oberflächenprotein, mit dessen Hilfe das Virus in Zellen eindringt. Ziel der Impfung ist es, den Körper zur Bildung von Antikörpern gegen dieses Protein anzuregen, um die Viren abzufangen, bevor sie in die Zellen eindringen und sich vermehren.

Corona-Impfstoff von BioNTech: 43.500 Menschen erhielten Impfung während Studie

Die für eine Zulassung entscheidende Phase-3-Studie zum Corona-Impfstoff von BioNTech und Pfizer begann ab Ende Juli in verschiedenen Ländern. Bis Montag haben mehr als 43.500 Menschen mindestens eine der beiden Impfungen bekommen, die im Abstand von drei Wochen verabreicht werden. Ein Impfschutz wird nach Angaben der Hersteller eine Woche nach der zweiten Injektion erreicht. 

Das Pharmaunternehmen BioNTech in Mainz (Archivfoto)

BioNTech und Pfizer rechnen damit, noch in diesem Jahr weltweit bis zu 50 Millionen Impfstoff-Dosen bereitzustellen, im kommenden Jahr kalkulieren sie mit bis zu 1,3 Milliarden Dosen. Die EU-Kommission verhandelt bereits seit einiger Zeit mit BioNTech und Pfizer über einen Rahmenvertrag zur Lieferung des Impfstoffs an alle EU-Staaten. Mediziner zeigten sich überrascht von den Forschungsergebnissen von BioNTech und Pfizer, Finanzanalysten sprachen von einem möglichen Durchbruch im Kampf gegen die Corona-Pandemie. An der Börse schossen die Aktien der beiden Unternehmen hoch.

Corona-Impfstoff: So soll er in Deutschland verteilt werden – der Plan der Regierung

Schon im ersten Quartal 2021 könnte ein Corona-Impfstoff auf den Markt kommen. Doch wie wird er dann in der Bevölkerung von Deutschland verteilt? Dazu äußerten sich am Montag (9. November) Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Thomas Mertens, Vorsitzende der ständigen Impfkommission und Gerald Haug, Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Die Experten sprachen in Berlin über die geplante Verteilung des Impfstoffs – und welche Gruppen zuerst eine Impfung erhalten sollen. Es brauche eine Priorisierung, so die Experten – denn die Menge der Impfdosen sei anfangs zu gering für die gesamte Bevölkerung von Deutschland. Diese müsse, laut Alena Buyx, ethisch, rechtlich, verfassungskonform sowie transparent sein. Zudem müsse die Impfung auf der freiwilligen Zustimmung beruhen, da „eine allgemeine Impfpflicht“ ausgeschlossen sei.

Corona-Impfung: Wer wird zuerst geimpft?

Bei der Pressekonferenz am Montag betonte Prof. Alena Buyx, dass zuerst die Personen geimpft werden sollen, deren Zustand oder Beruf ein erhöhtes Risiko darstellen. Dazu zählen laut Buyx schwer kranke Menschen in Pflegeheimen und Tagespflegestellen sowie das dortige Personal, außerdem noch Pflegekräfte in Krankenhäusern. An vorderster Stelle der Priorisierung stünden zudem Berufsgruppen, die für das Gemeinwesen wichtig sind – also Mitarbeiter der Gesundheitsämter, Polizisten, Feuerwehrleute, Lehrer und Erzieher. Doch auch Obdachlose und Asylbewerber in engen Unterkünften sollen zu den ersten gehören, die eine Impfung erhalten. Schwangere und Kinder werden erst später geimpft werden können, da die Forschung für diese noch nicht weit genug sei.

Corona-Impfstoff von BioNTech: Noch viele Fragen zu Impfung und Nebenwirkungen offen

Die Freude über die vielversprechenden Zwischenergebnisse bei der Erprobung des Corona-Impfstoffs von BioNTech und Pfizer ist groß. Doch zu den Informationen, die bislang nur aus einer kurzen Mitteilung der beiden Hersteller stammen, sind noch eine Reihe wichtiger Fragen offen. „Ich hoffe, dass die Daten möglichst bald veröffentlicht werden, damit man sich ein genaueres Bild machen kann“, sagte Stephan Becker, Leiter des Instituts für Virologie an der Universität Marburg, der Deutschen Presse-Agentur. Insgesamt spricht er aber von „einem sehr erfreulichen Ergebnis“.

Leif-Erik Sander, Leiter der Forschungsgruppe Infektionsimmunologie und Impfstoffforschung an der Berliner Charité, betonte, auch zu möglichen Nebenwirkungen lasse sich noch nicht all zu viel sagen. Zwar hätten sich nach Angaben der Unternehmen keine sicherheitsrelevanten Nebenwirkungen gezeigt. Sander verweist aber darauf, „dass der Beobachtungszeitraum für relevante Impfnebenwirkungen noch zu kurz ist“. Unklar sei auch, ob der Impfstoff in verschiedenen Gruppen – insbesondere Risikogruppen wie älteren Menschen – gleichermaßen effizient wirkt. Ebenso fehlten Angaben dazu, wie sehr die Impfung vor schweren Verläufen von Covid-19 schütze. „Zudem muss sich zeigen, wie lange der Impfschutz anhält.“ Sollte sich die hohe Wirksamkeit von mehr als 90 Prozent bestätigen, „wäre dies eine unerwartet hohe Impfeffizienz“, so Sander. Viele routinemäßig eingesetzte Impfstoffe wie etwa gegen Influenza erreichten keine so hohen Werte. (kab/dpa) 

Rubriklistenbild: © HEIDELBERG24 / dpa/Karl-Josef Hildenbrand

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