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Corona-Regeln: 2G, 3G oder „Tag der Freiheit“ – spaltet Impfung die Nation?

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Von: Daniel Hagen

In Hamburg tritt bald das 2G-Modell in Kraft. Ist es auf ganz Deutschland anwendbar?
In Hamburg tritt bald das 2G-Modell in Kraft. Ist es auf ganz Deutschland anwendbar? © Fotomontage MANNHEIM24

In Hamburg tritt bald das 2G-Modell in Kraft. Das bedeutet, dass sich Bars, Clubs und Restaurants entscheiden können, Ungeimpfte auszuschließen. Wäre das auch in ganz Deutschland möglich?

„Ungeimpfte müssen leider draußen bleiben“, könnte es bald in zahlreichen Bars, Clubs, Restaurants und anderen Einrichtungen in Hamburg heißen. Denn dort tritt ab Samstag (28. August) das sogenannte 2G-Modell in Kraft. Dann können Veranstalter entscheiden, ob sie nur noch Geimpfte und Genesene einlassen, die dann weitgehend von den Corona-Einschränkungen befreit sind, oder ob sie weiter das 3G-Modell nutzen wollen. Dieses bezieht Getestete und damit Ungeimpfte ein, unterliegt aber den bisherigen Corona-Einschränkungen. Könnte ein solches Modell die Lösung für Deutschland sein oder führt sie zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft?

Seit Monaten herrscht eine spürbare Spaltung im Land. Es herrscht der Kampf Geimpfte gegen Ungeimpfte. Dabei ist nicht jeder, der nicht geimpft ist, gleich ein Querdenker oder Verschwörungsideologe. So gibt es auch Personen, wie Testprobanden bei CureVac, die aufgrund der fehlenden Zulassung als ungeimpft gelten – die also nichts dafür können. Diese leiden dann besonders unter einem 2G-Modell und büßen für Menschen, die an Verschwörungsmythen glauben.

Corona-Regeln: In Hamburg tritt 2G-Modell in Kraft

Denn wer unbedingt eine Impfung in Deutschland haben möchte, kann diese mittlerweile ganz schnell erhalten. Doch trotzdem steigt die Inzidenz im ganzen Land wieder an. Interessant ist dabei jedoch eine Meldung, die die Hamburger Gesundheitsbehörde vor kurzem veröffentlicht hat. Darin ist die 7-Tage-Inzidenz des Bundeslandes in Ungeimpfte und Geimpfte aufgeteilt worden. Das Ergebnis fällt laut der Morgenpost eindeutig aus. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung liegt die Inzidenz der Geimpften bei 3,36 und bei den Ungeimpften bei 78,12!

„2G Modell in Hamburg ist eine Lösung für ganz Deutschland. Für Geimpfte und Genesene kommt Normalität zurück. Restaurants und Veranstalter können volle Kapazität nutzen. Ungeimpfte haben eine so hohe Inzidenz, dass mit ihnen volle Kapazität unmöglich ist“, schreibt daher auch Karl Lauterbach. Wird es also in Zukunft darauf hinauslaufen, dass manche Orte der Republik für Ungeimpfte tabu sind? Und könnte man das dann nicht als „Impfzwang durch die Hintertür“ betrachten, vor dem Querdenker schon so lange warnen?

Corona-Regeln: Laut Deutschem Ethikrat keine Impfpflicht

Wenn es nach dem Deutschen Ethikrat geht, ist dem nicht so. „Eine Pflicht ist etwas, dem man sich nicht entziehen kann“, erklärt die Ethikrat-Vorsitzende Alena Buyx dem Hörfunksender NDR Info. Stattdessen werde „Druck aufgebaut, um es attraktiver zu machen, sich und andere zu schützen.“ Buyx sagt, aus ethischer Sicht sei das 3G-Modell besser, weil es mehr Teilhabe biete. Wenn sich die Situation aber weiter verschlechtern würde, sei 2G ethisch vertretbar – wenn damit maßvoll umgegangen werde. Zuvor solle man aber alles andere ausgeschöpft haben.

Das 2G-Modell ist demnach also moralisch vertretbar und könnte wirklich wieder ein einigermaßen normales Leben ermöglichen – zumindest für 59,5 Prozent der Bundesbürger. Das ist der Anteil der Menschen die aktuell (26. August) vollständigen Impfschutz genießen. Für Ungeimpfte und Ungenesene würde es dann allerdings schwer. Die bisher entstanden Kluft könnte sogar noch weiter auseinandergehen, wenn zwei Personen zum Beispiel nicht mal mehr zusammen in ein Restaurant gehen könnte – weil einer ein Vakzin in sich hat und der andere nicht.

Corona-Regeln: FDP-Politiker will alle Regeln ab 3. Oktober abschaffen

Ein ganz anderes Konzept könnte sich der nordrhein-westfälische Vize-Ministerpräsident und Familienminister Joachim Stamp vorstellen. Dieser möchte lieber an einem Tag alle Corona-Beschränkungen aufheben – so wie in Großbritannien. Dafür könnte sich der FDP-Politiker auch einen symbolträchtigen Tag vorstellen. „Daher könnte der Tag der Deutschen Einheit, der 3. Oktober, dieses Jahr auch ‚Tag der Freiheit und Eigenverantwortung‘ werden: Alle Beschränkungen werden aufgehoben, alle sind für sich selbst verantwortlich“, sagt Stamp Ende Juli bei einem Interview mit Bild am Sonntag. Wie gut die Eigenverantwortung klappt, zeigen aktuell wieder steigende Corona-Zahlen und Inzidenzen. Vor allem in Nordrhein-Westfalen, wo derzeit eine Inzidenz von 122,4 herrscht – viel höher als in jedem anderen Bundesland! (dpa/dh)

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