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Corona-Impfung: Spahn überrascht mit neuem Plan – Sind bis Sommer fast alle geimpft?

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Von: Josefine Lenz

Jens Spahn will die Impfstrategie in Deutschland beschleunigen, sodass bis zum Sommer 60 Millionen Menschen einen Wirkstoff erhalten. Gleichzeitig spricht er sich für Lockerungen für Geimpfte aus:

Zunächst gehen die Corona-Impfungen in Deutschland nur schleppend an. Da jetzt größere Mengen an Vakzinen zur Verfügung stehen, erhalten immer mehr Menschen die begehrte Impfung gegen das Coronavirus. Wenn es nach Gesundheitsminister Jens Spahn geht, soll sich die Zahl der Geimpften im April sogar verdoppeln. Gleichzeitig spricht er sich für Lockerungen für Geimpfte aus. Unterstützung erhält der 40-Jährige dabei von Gesundheitsexperte Karl Lauterbach.

GesundheitsministerJens Spahn
Alter16. Mai 1980 (Alter 40 Jahre)
ParteiCDU

Corona: Jens Spahn fordert neue Strategie – Abstand zwichen Erst- und Zweitimpfung verlängern

Bis zum Mai sollen 20 Prozent der Deutschen gegen Corona geimpft worden sein. Das kündigt Jens Spahn am Oster-Wochenende an. Im ersten Quartal des neuen Jahres erhielten bereits zehn Prozent der Menschen eine Spritze gegen Covid-19. „Wir werden die nächsten zehn Prozent jetzt in einem Monat schaffen können angesichts der zu erwartenden Lieferungen“, so Spahn. Der Gesundheitsminister will außerdem die Impfgeschwindigkeit beschleunigen, in dem er möglichst schnell vielen Menschen eine Erstimpfung geben will. Dafür soll der Abstand zwischen der Erst- und Zweitimpfung von sechs auf zwölf Wochen verlängert werden. Außerdem sollen Corona-Impfstoffe, die bislang für die Zweitimpfungen vorgesehen waren, direkt verabreicht werden.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat die Vorgabe für die Abstände zwischen der Erst-und Zweitimpfung bereits am 1. April angepasst. Laut ARD steht in einem Beschlusspapier: „Die Gabe der zweiten Impfstoffdosis soll für die mRNA-Impfstoffe nach sechs Wochen und für den AstraZeneca-Impfstoff nach zwölf Wochen erfolgen, da dadurch sowohl eine sehr gute individuelle Schutzwirkung als auch ein größerer Effekt der Impfung auf Bevölkerungsebene zu erzielen ist.“

Eine Ausdehnung des Impf-Zeitraums wird auch vom Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, befürwortet. „Selbst wenn der Impfabstand etwas länger als sechs Wochen ist, retten wir dadurch möglicherweise mehr Menschenleben als wir schwere Erkrankungen riskieren“, sagt Watzl.

Corona-Impfung: Karl Lauterbach unterstützt neue Strategie – Bald 60 Millionen Menschen gespritzt?

Karl Lauterbach, Gesundheitsexperte der SPD, hält diesen Vorschlag ebenfalls für eine gute Idee. Würde man den Abstand der Impfungen verlängern, könnten bis Juli über 60 Millionen Menschen in Deutschland gegen Corona erstgeimpft werden und so gegen schwere Krankheitsverläufe geschützt sein. „Wenn wir jetzt unsere Strategie wechseln und auf möglichst viele Erstimpfungen ausrichten, wird kein vierter Lockdown mehr nötig sein“, so Lauterbach gegenüber der „Augsburger Zeitung“. Der Gesundheitsexperte stützt sich auf Modellrechnungen und Erfahrungen aus anderen Ländern.

Man könne durch eine neue Impfstrategie demnach „weit über 10.000“ Todesfälle verhindern. Gleichzeitig sei „der Schutz der mRNA-Impfstoffe auch zwischen der sechsten und der zwölften Woche nach der Impfung so stark ausgeprägt ist, dass bei einer Corona-Infektion das Risiko schwerer Verläufe mit Klinikaufenthalten oder tödlichem Ausgang extrem gering ist.“

Corona: Gesundheitsminister fordert Lockerungen für Geimpfte

Jens Spahn betont, dass durch seinen Vorschlag die dritte Welle nicht verhindert werden könne, da diese bereits im vollen Gange sei – aber man könne sie durchbrechen. Wichtig sei, dass man trotzdem auf Kontakte verzichtet sowie Hygiene- und Abstandregeln beachtet. Allerdings hält der Gesundheitsminister Lockerungen für Geimpfte trotzdem für möglich. So soll für Corona-Geimpfte keine Quarantäne- und Testpflicht mehr gelten. „Wer vollständig geimpft wurde, kann beim Reisen oder beim Einkaufen wie jemand behandelt werden, der ein negatives Testergebnis hat. Das ist eine wichtige Erkenntnis und erleichtert den Alltag enorm“, so Spahn. Die EU plant derweil einen „grünen Impfpass“, der sowohl Impfungen als auch Tests sowie Erkrankungen festhalten und an alle EU-Bürger verschickt werden soll.

Karl Lauterbach unterstützt auch dieses Vorhaben, wie die ARD berichtet. Es sei erwiesen, dass sich Geimpfte nur noch selten anstecken und wahrscheinlich nicht mehr ansteckend für andere sind, so der SPD-Politiker. „Allerdings sollte das jeweils nur nach der zweiten Impfung gelten“, so Lauterbach.

In einem Bericht des Robert-Koch-Institutes heißt es außerdem: „Nach gegenwärtigem Kenntnisstand ist das Risiko einer Virusübertragung durch Personen, die vollständig geimpft wurden, spätestens zum Zeitpunkt ab dem 15. Tag nach Gabe der zweiten Impfdosis geringer als bei Vorliegen eines negativen Antigen-Schnelltests bei symptomlosen infizierten Personen.“ Studien aus Israel haben ähnliches erwiesen.

Doch trotz der möglichen Lockerungen müssen andere Regeln wie Abstand und Maskenpflicht weiterhin eingehalten werden. Was mit Personen passiert, die nach einer Corona-Erkrankung Antikörper in sich tragen, ist unklar. Auch ist nicht sicher, wann mögliche Lockerungen in Kraft treten können. Jens Spahn kündigt aber gegenüber der „Bild am Sonntag“ an, dass diese zum Tragen kommen, wenn die dritte Welle gebrochen sei. Kritik gibt es bereits von der AfD-Fraktion, hier wird von einer Impfpflicht durch die Hintertür gesprochen. (jol)

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