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Corona-Langzeitfolgen: Gesundheitsexperte mit eindringlicher Warnung – „Dramatisch unterschätzt“

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Von: Josefine Lenz

Corona: Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnt vor den Langzeitfolgen nach einer Corona-Infektion. Sie würden aktuell „dramatisch unterschätzt“ werden:

Die Corona-Krise dauert nun schon fast ein Jahr in Deutschland an. Laut Angaben des Robert Koch-Instituts haben sich bislang über 2,2 Millionen Menschen mit dem Virus infiziert. Seit dem 27. Dezember werden die ersten Menschen in Deutschland gegen Corona geimpft, dafür stehen mittlerweile die Impfstoffe von BioNTech und Pfizer sowie Moderna und AstraZeneca zur Verfügung. Während die Corona-Infektion Symptome wie Fieber, Geschmack- und Geruchsverlust verursacht, kann eine Impfung gegen Covid-19 unter anderem Schmerzen und Schwindel hervorrufen.

KrankheitCoronavirus, Covid-19, SarS-Cov-2
ÜbertragungTröpfcheninfektion
SymptomeFieber, Husten, Geschmacks-, Geruchsverlust, Schnupfen

Corona-Langzeitfolgen – Das sind die häufigsten Symptome

Doch wie sieht es eigentlich mit den Langzeitfolgen einer Corona-Infektion aus? Forscher haben herausgefunden, dass Corona auch einige Symptome nach einer akuten Erkrankung mit sich zieht. So klagen Betroffene häufig über diese Langzeit-Symptome:

Laut einer Studie aus den USA zählen Müdigkeit, Erschöpfung und Konzentrationsprobleme ebenfalls zu den „Long Covid“-Symptomen. Die Forscher haben außerdem herausgefunden, dass die Symptome noch ein halbes Jahr nach einer Corona-Infektion nachweisbar sind. Zudem spielt das Alter eine Rolle: 10 Prozent der Corona-Infizierten zwischen 18 und 49 Jahren leiden unter Spätfolgen. Bei Erkrankten über 70 Jahren ist jeder fünfte von „Long Covid“ betroffen.

Wichtig hierbei: Da das Coronavirus erst seit kurzer Zeit existiert, können noch keine eindeutigen Aussagen über die Langzeitfolgen getroffen worden. Das Themenfeld ist einfach noch zu neu.

Corona-Langzeitfolgen: Gesundheitsexperte Karl Lauterbach – „Dramatisch Unterschätzt“

Trotzdem macht SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach auf die drohenden Gefahren einer Corona-Infektion aufmerksam. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur sagt er, dass die Bedeutung der „Long-Covid“-Folgen „dramatisch unterschätzt wird. Noch nach Monaten können betroffene Patienten an mindestens einem Symptom leiden. „Es stellt sich immer stärker heraus, dass Covid-19 eine Erkrankung des gesamten Gefäß- und Immunsystems ist“, betont Lauterbach.

Karl Lauterbach
Karl Lauterbach warnt vor Langzeitfolgen einer Corona-Infektion © Kay Nietfeld/dpa

Der 57-Jährige bezieht sich dabei auf eine Studie aus China. Demnach können bis zur Hälfte der zuvor in Kliniken behandelten Patienten von „Long-Covid“ betroffen sein. „Es ist ein Fehler zu glauben, dass nur die Alten sterben und die Jungen selbst nicht gefährdet sind.“

Corona-Langzeitfolgen: Chefärztin nennt weitere Symtpome – Haarausfall, Abgeschlagenheit

Auch die Chefärztin der Median-Klinik in Heiligendamm, Jördis Frommhold, weist ebenfalls auf die Auswirkungen der Corona-Langzeitfolgen hin. Sie befürchtet, dass die erkrankten Menschen aus dem Blick der Öffentlichkeit und Politik geraten. „Das kann sich zu einem volkswirtschaftlichen Problem entwickeln.“ Denn viele dieser Patienten standen zuvor mit beiden Beinen fest im Leben und der Arbeitswelt. Die Median-Klinik ist auf die Rehabilitation von Covid-19-Patienten spezialisiert.

Frommhold erklärt erneut, dass chronische Müdigkeit und Abgeschlagenheit zu den Langzeitfolgen einer Corona-Erkrankung gehören. Es könnten sich zudem psychosomatisch bedingte Krankheiten entwickeln. „Die Patienten waren dynamisch und
leistungsstark. Obwohl sie als genesen gelten, sind sie nicht arbeitsfähig und nicht in ihr bisheriges Leben integriert.“

Zu den medizinischen Hintergründen der Long-Covid-Erkrankung sei wenig bekannt, berichtete Frommhold. „Wir haben die Vermutung, dass es sich um eine Autoimmunreaktion handeln könnte.“ Es gebe bereits den Nachweis, dass nach einer Covid-19-Erkrankung Autoantikörper gegen die Haarwurzeln gebildet werden, was zum typischen Long-Covid-Haarausfall führt. Auch im Liquor, dem Gehirnwasser, seien schon Antikörper gefunden worden.

„Patienten mit der Long-Covid-Problematik können behandelt werden“, betont Frommhold. Es sei aber fraglich, ob die frühere Leistungsfähigkeit zu 100 Prozent erreicht werden kann. Inzwischen gebe es Selbsthilfegruppen und Anlaufstellen an einigen Unikliniken. (dpa/jol)

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