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Corona-Mutation: Angela Merkel will ernst machen – „Uns ist das Ding entglitten“

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Von: Robin Eichelsheimer

Bundeskanzlerin Angela Merkel beklagt mangelndes Tempo im Kampf gegen das Coronavirus – und soll nun noch strengere Maßnahmen in Erwägung ziehen. Beim Weltwirtschaftsforum findet sie klare Worte:

Am 27. Januar 2020 wurde in Deutschland der erste Corona-Fall nachgewiesen. Ein Jahr nach Ausbruch der Corona-Pandemie hält das Virus nicht nur das Land, sondern die gesamte Welt weiter in Atem. In Deutschland haben sich mittlerweile über zwei Millionen Menschen mit dem gefährlichen SARS-CoV-2-Erreger angesteckt, der Lockdown wurde infolge des weiterhin äußerst dynamischen Infektionsgeschehens im Land bis zum 14. Februar verlängert.

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist mit dem Kampf gegen die Pandemie in den vergangenen zwölf Monaten nicht vollends zufrieden und beklagt mangelndes Tempo bei der Bekämpfung des Coronavirus: „Die Schnelligkeit unseres Handelns lässt sehr zu wünschen übrig“, sagte sie am Dienstag beim Online-Treffen des Weltwirtschaftsforums.

Merkel zog insgesamt eine kritische Bilanz. Zwar habe man sehr auf den Gemeinsinn und den Einsatz der Deutschen bauen können und die soliden Finanzen seien ein gutes Fundament, doch beim Thema überbordender Bürokratie und bei der Digitalisierung habe man nachzuarbeiten. Merkel beklagte die mangelnde Vernetzung der Gesundheitsämter, der Verwaltung und des Bildungssystems.

Gleichzeitig beschwor sie die enge weltweite Zusammenarbeit als zentral im Kampf gegen die Pandemie. „Es ist die Stunde des
Multilateralismus“, sagte Merkel. Sie mahnte, „dass ein Abschottungsansatz uns nicht helfen wird, die Probleme zu lösen“.

Corona-Mutation: Merkel erwägt neue Maßnahmen – bald kein Flugverkehr mehr?

In einer nicht-öffentlichen Videokonferenz mit Fraktionschefs der Union soll Angela Merkel zudem neue Corona-Maßnahmen ins Gespräch gebracht haben. „Uns ist das Ding entglitten. Wir müssen noch strenger werden, sonst sind wir in 14 Tagen wieder da, wo wir waren“, wird die Bundeskanzlerin laut BILD von Teilnehmern zitiert.

Konkret soll Merkel im Rahmen der Konferenz Einschränkungen des Flugverkehrs in den Ring geworfen haben. Dabei müsse man „den Flugverkehr so ausdünnen, dass man nirgendwo mehr hinkommt“, wird die Kanzlerin zitiert.

Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Weg zur Bundespressekonferenz.
Bundeskanzlerin Angela Merkel soll in einer internen Schalte gewarnt haben: „Uns ist das Ding entglitten.“ © Stefan Zeitz/imago images

Innenminister Horst Seehofer sagte laut BILD, die rasante Verbreitung von Virusmutationen erfordere die Prüfung „drastischer Maßnahmen“ wie deutlich schärfere Grenzkontrollen, besonders an den Grenzen zu Hochrisikogebieten, „aber auch die Reduzierung des Flugverkehrs nach Deutschland auf nahezu Null, so wie Israel das derzeit auch macht.

Sorge vor Corona-Mutationen aus Großbritannien und Südafrika

In Israel zeichnet die britische Coronavirus-Mutation für einen Großteil der Neuinfektionen verantwortlich. Um das Einschleppen weiterer Mutationen zu verhindern, hat die Regierung entschieden, den internationalen Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv vorerst bis Monatsende nahezu komplett zu schließen. Ausnahmen gelten in nur wenigen Fällen, etwa bei Frachttransporten oder Flügen zu medizinischen Behandlungen.

In Deutschland gibt es bislang keine staatlichen Eingriffe in den Flugverkehr – der grenzüberschreitende Reiseverkehr ist aber aufgrund von Testpflichten und Quarantäneregeln für Einreisende aus Corona-Risikogebieten eingeschränkt.

Die Menschen, die in Deutschland harte Einschränkungen akzeptieren, erwarten von uns, dass wir sie bestmöglich vor einer Explosion der Infektionszahlen schützen“, so Innenminister Seehofer laut BILD. Zu konkreten Planungen für neue Einreise-Regelungen wollte er sich am Dienstag zunächst aber nicht äußern. Es bleibt also unklar, unter welchen Voraussetzungen härtere Maßnahmen beschlossen werden könnten. (dpa/rob)

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