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Corona in Rhein-Neckar: Droht Klinik-Kollaps? So viele Intensivbetten sind noch frei

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Von: Peter Kiefer

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Mannheim/Heidelberg – Das medizinische Personal in den Intensivstationen leistet Übermenschliches wegen Corona. So alarmierend ist die Lage in unseren Kliniken:

Die Corona-Situation wird immer alarmierender – leider auch in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Längst ist im Ländle die strenge Alarmstufe II ausgerufen. Von 2.232 Intensivbetten in BW sind laut DIVI-Intensivregister derzeit 2.006 belegt. Darunter sind 622 Corona-Patienten, von denen 334 invasiv beatmet werden (Stand 29. November, 13:15 Uhr). Kaum mehr Entspannung in RLP: Dort sind 831 von 989 Intensivbetten belegt – 153 mit Covid-19-Erkrankten (73 invasiv beatmet).

Doch wie sieht die Corona-Lage an den großen Kliniken in der Rhein-Neckar-Region aus? Arbeiten die Intensivstationen samt unermüdlich um Menschenleben kämpfendem Personal längst am Limit? Wie ist die aktuelle Bettenbelegung?

MANNHEIM24 hat mal nachgefragt, wobei man natürlich bei den folgenden Zahlen stets berücksichtigen muss, dass es täglich zu Entlassungen und Neuaufnahmen kommen kann.

Heidelberg und Rhein-Neckar-Kreis: Über 100 Corona-Patienten auf Intensivstationen

Im Rhein-Neckar-Kreis inklusive Heidelberg werden insgesamt 108 Covid-Patienten stationär versorgt (Stand 23. November). Davon müssen 33 Männer und Frauen beatmet werden. Am Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD) werden 44 Patienten stationär behandelt, wovon 24 beatmet werden.

Auf Anfrage von MANNHEIM24 ordnet Klinik-Sprecherin Dr. Friederike Fellenberg die Hospitalisierungszahlen ein: „Die Hospitalisierungszahl pro 100.000 Einwohner im Rhein-Neckar-Kreis inklusive Heidelbergs liegt Stand 23. November bei 15,25. Vergangene Woche (16. November) lag dieser Wert bei 8,89/100.000 Einwohner, im Dezember 2020 (Höhepunkt der 2. Welle) lag dieser Wert bei 36/100.000 Einwohner. Die Zahl der intensivmedizinischen Behandlungen beträgt 5,23/100.000 Einwohner im Vergleich zu 3,39/100.000 Einwohner in der Vorwoche. Im Dezember des Vorjahres lag dieser Wert bei 10,5/100.000 Einwohner.“

Uniklinik Heidelberg: Erste Eingriffe müssen verschoben werden

Das Universitätsklinikum Heidelberg beobachtet und bewertet die pandemische Lage kontinuierlich gemeinsam mit den Partner-Kliniken in Stadt und Rhein-Neckar-Kreis. Die Kliniken passen das Elektivprogramm entsprechend der epidemiologischen Situation und den Vorgaben der Landesregierung an. Derzeit werden am UKHD vermehrt Eingriffe, die nicht unbedingt sofort erfolgen müssen, verschoben, um genügend Intensivbettenkapazität für Covid-Patienten zur Verfügung zu stellen. Die Entscheidung darüber, welche Eingriffe verschoben werden, erfolgt nach medizinischer Notwendigkeit auf Fachebene.

Am Uniklinikum Heidelberg wurde bei der Sequenzierung von Tests aus dem Rhein-Neckar-Kreis eine Corona-Mutation festgestellt. (Symbolfoto)
Die Universitätsklinik Heidelberg. (Symbolfoto) © Uwe Anspach/dpa

Die Verteilung von Covid-Patienten in der Region erfolgt über die Covid-19-Koordinierungsstelle unter Leitung des Universitätsklinikums. Die zentrale Anlaufstelle bietet in Echtzeit den Überblick, wo im Rhein-Neckar-Kreis und der Stadt Heidelberg welche Kapazitäten vorhanden sind und in welchem Krankenhaus der Patient schnell und bestmöglich versorgt werden kann. So können Kliniken, die im Krisenfall an die Belastungsgrenze kommen, effizient entlastet werden.

Heißt: Die Versorgung von Nicht-Covid-Patienten und Notfällen ist dank der kontinuierlichen Kooperation der Partner-Kliniken aktuell gewährleistet. Bewährte Hygienekonzepte in den Kliniken tragen dazu bei, dass ambulante und stationäre Patienten sicher und verlässlich behandelt werden.

Mannheim: 28 der 33 Corona-Patienten müssen beatmet werden

In ganz Mannheim sind aktuell (Stand 29. November, 13:15 Uhr) 33 Corona-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung – davon werden 28 invasiv beatmet. Von den insgesamt 93 Betten sind 84 belegt. Der Anteil der Covid-19-Patienten an der Gesamtzahl der Intensivbetten beträgt 35,48 Prozent.

Am Universitätsklinikum Mannheim (UMM) liegen 57 Covid-Patient*innen auf einer Isolierstation und 23 auf Intensivstationen (Stand 24. November). „Als an Corona erkrankte Patient*innen gelten dabei nur solche, bei denen eine Infektion durch einen positiven PCR-Test nachgewiesen wurde und somit keine ‚Verdachtsfälle‘“, so eine Rathaus-Sprecherin.

Uniklinikum Mannheim: Drei normale Stationen für Corona-Patienten reserviert

Das Uniklinikum hat gerade eine zweite Intensivstation aus der normalen Patientenversorgung herausgenommen und für die Versorgung von Covid-19-Intensivpatienten bereitgestellt. Wie bereits in vorherigen Corona-Wellen müssen daher erneut nicht-dringliche Operationen verschoben werden, da die für Corona-Patienten vorgehaltenen Intensivkapazitäten nicht mehr für Patienten nach einer Operation zur Verfügung stehen.

Das Gelände des Universitätsklinikums Mannheim aus der Vogelperspektive.
Das Gelände des Universitätsklinikums Mannheim aus der Vogelperspektive. © MANNHEIM24/Peter Kiefer

Außerdem sind derzeit zwei Normalstationen für Corona-Patienten reserviert, eine dritte Station wird aktuell vorbereitet. Am sogenannten „Kleeblatt-Verfahren“, bei dem Patienten in angrenzende Bundesländer verlegt werden, musste sich das UMM noch nicht beteiligen.

GRN Gesundheitszentren: Bislang kein Corona-Toter unter 50 Jahren

In den vier Häusern der GRN Gesundheitszentren Rhein-Neckar in Sinsheim, Schwetzingen, Eberbach und Weinheim sind von 48 verfügbaren Betten auf den Isolierstationen der GRN-Kliniken 39 Betten mit bestätigten und sieben Betten mit Corona-Verdachtsfällen belegt. Auf den Intensivstationen sind sechs von insgesamt 36 Betten mit bestätigten Covid-Fällen belegt – vier Patienten davon werden beatmet. (Stand 26. November)

Corona Intensivstation
Die Lage in den Krankenhäusern von Baden-Württemberg ist kritisch. (Symbolfoto) © Bodo Schackow/dpa

Spannende Zahlen gibt es bezüglich der Altersstruktur: Insgesamt sind rund 25 Prozent der behandelten Covid-Patienten auf den Isolier- und der Intensivstationen der GRN-Kliniken jünger als 50 Jahre, entsprechend sind rund 75 Prozent älter als 50 Jahre. In den GRN-Kliniken verstorben ist in der Altersgruppe unter 50 niemand. Eine statistische Trennung hinsichtlich des Impfstatus gibt es nicht, da dieser bei der Behandlung der Patienten keinen Unterschied macht. 

Arbeiten die GRN-Kliniken schon am Limit? „Wir müssen aktuell keine Patienten in andere Bundesländer verlegen, auch sind wir noch nicht in einer Triage-Situation. Ich persönlich denke, dass es in naher Zukunft auch nicht dazu kommt“, erklärt Prof. Dr. Christoph Eisenbach, Chefarzt der Gastroenterologie und Diabetologie in Weinheim. (pek)

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