So soll der Unterricht aussehen

Corona-Plan der Kultusminister erntet Kritik: „Versprechen sind unrealistisch“

Ab dem 4. Mai startet in Baden-Württemberg die Schule wieder – zumindest teilweise. Für die neuen Pläne ernten die Kultusminister Kritik. 

  • Wegen der Corona-Krise sind alle Schulen im Land geschlossen worden.
  • Ab dem 4. Mai werden die Schulen in Baden-Württemberg wieder schrittweise geöffnet.
  • Die Kultusminister wollen, dass alle Schüler vor den Sommerferien zumindest tageweise die Schule besuchen können.
  • Die Bildungsgewerkschaft GEW kritisiert die Pläne.
  • So soll der Unterricht in Zeiten der Corona-Pandemie aussehen: 

Update vom 7. Mai: Baden-Württemberg will in den nächsten Tagen weitere Schritte in Richtung Normalität gehen. Nach der Corona-Konferenz mit der Bundeskanzlerin und den Ministerpräsidenten der Länder am Mittwoch können auch Eltern ein wenig aufatmen – denn die Landesregierung hat angekündigt, Schulen und Kitas weiter zu öffnen. Dazu hat Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann nun einen Fahrplan für die weitere Öffnung des Schul- und Kitabetriebs in Baden-Württemberg vorgestellt. 

Update vom 28. April, 18:30 Uhr: Die Bildungsgewerkschaft GEW kritisiert die Pläne der Kultusminister, dass alle Schüler bis zu den Sommerferien die Schule noch einmal besuchen sollen. Matthias Schneider, GEW-Geschäftsführer in Baden-Württemberg, schreibt auf Twitter, dass die Pläne unrealistisch seien. „Viele Lehrkräfte gehören zu Risikogruppen und dürfen nicht in die Schulen. Zwei Drittel der Lehrer*innen können nicht gleichzeitig Abschlussprüfungen, Unterricht in zu vollen Klassenzimmern und Lernen zu Hause organisieren“, erklärt Schneider. 

Für ihn müsse an erster Stelle die Sicherheit der Schüler und Lehrer stehen, weshalb man jetzt erstmal mit kleinen Gruppen beginnen müsse. Erst dann könne man sehen, wie es funktioniert. Matthias Schneider betont zudem, dass in den nächsten Wochen enorme Probleme auf Berufsschulen zukämen. Dort kämen bis zu 40 Prozent der Schüler zurück, um ihre Abschlussprüfung zu machen. 

Baden-Württemberg: Kultusminister beschließen allmähliche Rückkehr

Update vom 28. April, 15:20 Uhr: Trotz Corona-Krise sollen alle Schüler vor den Sommerferien zumindest tageweise die Schule besuchen können. Das schlagen die Kultusminister der Länder den Ministerpräsidenten und Kanzlerin Angela Merkel in ihrem am Dienstag beschlossenen Konzept vor. „Jede Schülerin und jeder Schüler soll bis zu dem Beginn der Sommerferien tage- oder wochenweise die Schule besuchen können", heißt es in dem Papier der Kultusministerkonferenz (KMK), über das Bund und Länder am Donnerstag (30. April) beraten sollen. 

Einen regulären Schulbetrieb für die rund elf Millionen Schüler in Deutschland wird es vor den Sommerferien laut den Ministern aber nicht geben. Nach dem jetzigen Stand sei dies aufgrund des Abstandsgebots von mindestens 1,50 Meter nicht möglich, hieß es in dem „Rahmenkonzept“. Ein Mix aus Präsenzunterricht und Lernen daheim solle ausgebaut, digitales Lehren und Lernen weiterentwickelt werden. Die Länderminister betonen, dass Infektions-und Gesundheitsschutz „höchste Priorität“ haben. Diese seien „Maßgabe für alle weiteren Schritte“. Mit den vorgelegten Eckpunkten – darunter strenge Hygieneregeln und Abstandsgebote – sei eine allmähliche Rückkehr zu einem „geordneten Schulbetrieb“ möglich. Eine Pflicht, in den Schulen einen Nase-Mund-Schutz zu tragen, ist in dem Beschlusspapier nicht vorgesehen. In Baden-Württemberg beginnen die Sommerferien am 30. Juli, in Rheinland-Pfalz und Hessen bereits am 6. Juli. 

Baden-Württemberg: So sieht der neue Corona-Plan für Schulen aus

Update vom 24. April: Wie wird der Unterricht künftig aussehen? Wie können die Schüler die Pausen verbringen? Und auf was muss jetzt besonders geachtet werden? Das Kultusministerium Baden-Württemberg veröffentlicht die Hygienehinweise für Schulen. Die wichtigsten Punkte auf einen Blick:

  • Abstandsgebot: Es müssen immer 1,50 Meter Abstand gehalten werden. Das bedeutet, dass Tische in den Klassenräumen weiter auseinander geschoben werden und dass keine Gruppenarbeiten stattfinden können. Falls körperliche Nähe nicht zu vermeiden ist, ist eine Maske erforderlich. Es ist darauf zu achten, dass nicht alle Schüler gleichzeitig über die Gänge zu den Klassenzimmern und in die Schulhöfe gelangen. Für räumliche Trennungen kann dies zum Beispiel durch Abstandsmarkierungen auf dem Boden oder an den Wänden erfolgen.
  • Händehygiene: Durch Händewaschen und Desinfektionsmittel (wenn Hände waschen nicht möglich), wenn beispielsweise Türgriffe, Treppengeländer und Masken angefasst werden und vor und nach dem Essen.
  • Husten- und Niesetikette beachten, Händeschütteln und Umarmungen müssen unterlassen werden
  • Masken: Während des Unterrichts muss keine Maske getragen werden, außer Schüler und Lehrkräfte möchten einen Mundschutz tragen. Wenn Schüler den ÖPNV nutzen, müssen sie eine Maske tragen. 
  • Bei Krankheitsanzeichen auf jeden Fall zu Hausse bleiben
  • Sportunterricht fällt aus (ausgenommen davon sind die fachpraktische Abiturprüfung und der Sportunterricht in der Kursstufe)
  • Regelmäßig und richtig Lüften 
  • Reinigung: Das Gebäude muss richtig gereinigt werden, beispielsweise sollen Handkontaktflächen besonders gründlich und in stark frequentierten Bereichen mindestens täglich geputzt werden
  • Pausen: Die Toiletten müssen von einer Lehrkraft in den Pausen kontrolliert werden, damit nicht zu viele Schüler auf einmal die Räume benutzen. Die Abstandsregeln müssen eingehalten werden (dies gilt auch in den Mensen).
  • Konferenzen: Video- und Telefonkonferenzen sind vorzuziehen. Besprechungen müssen auf das absolut notwendige Maß begrenzt werden. 
  • Meldepflicht: Wenn der Verdacht einer Corona-Erkrankung besteht, muss dies sofort der Schule gemeldet werden. 

Baden-Württemberg: Wenn die Schule wieder startet – alle wichtigen Infos für Schüler und Eltern 

Meldung vom 20. April: Wie von der Bundesregierung beschlossen, beginnt auch in Baden-Württemberg am 4. Mai wieder die Schule. Die letzten Wochen haben für die Schüler aus Home-Schooling, Online-Unterricht oder kompletter Langeweile bestanden. Nun geht es zurück an die Pulte. Doch in Zeiten der Covid-19-Pandemie und mit den aktuellen Corona-Maßnahmen kann es nicht so weitergehen, wie es vor dem Shutdown aufgehört hat. Daher hat das Kultusministerium Baden-Württemberg auf ihrer Internetseite Regeln für den Rest des Schuljahres veröffentlicht, die an der aktuellen Corona-Verordnung angelehnt sind. 

Schule in Baden-Württemberg: Wer darf wieder zurück?

Der stufenweise Einstieg der Schulen in den Präsenzunterricht beginnt mit Schülerinnen und Schülern aller allgemein bildenden Schulen, bei denen in diesem oder im nächsten Jahr die Abschlussprüfungen anstehen, sowie mit den Schülerinnen und Schülern der Prüfungsklassen der beruflichen Schulen“, heißt es vom Kultusministerium. Ab dem 4. Mai müssen also wieder die Kursstufe der allgemein bildenden Gymnasien und entsprechender Gemeinschaftsschulen, die Klassenstufen 9 und 10 der Haupt-, Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschule zurück in die Schule. 

Damit gehen wir erste, kleine Schritte zu mehr schulischer Normalität. Dabei müssen wir uns aber auf das Wesentliche konzentrieren. Klar ist, dass der Infektionsschutz immer Vorrang haben muss und der Unterricht auch nach dem 4. Mai bis Schuljahresende nur stark eingeschränkt erfolgen wird“, erklärt Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann.

Ab sofort findest Du alle News und aktuelle Zahlen zum Coronavirus in Baden-Württemberg in unserem neuen News-Ticker.

Schule in Baden-Württemberg: Risikogruppen müssen zu Hause bleiben

Doch nicht alle Lehrer und Schüler dieser Stufen können einfach wieder zur Schule gehen. Einige befinden sich noch in häuslicher Quarantäne, sind mit Sars-CoV-2 infiziert oder gehören zu einer Risikogruppe. Das Kultusministerium geht davon aus, dass ein Viertel der Lehrkräfte zu dieser Gruppe gehört! Dazu gehören alle Lehrkräfte, die über 60. Jahre alt oder schwanger sind sowie Personen mit relevanten Vorerkrankungen. Sie könnten sich jedoch selbst entscheiden, ob sie am Unterricht teilnehmen wollen. 

Doch auch die Lehrkörper, die nicht vor einer Klasse unterrichten können, müssen arbeiten. Sie werden für Fernlernangebote und sonstige schulische Aufgaben eingesetzt. Bei Schülerinnen und Schülern mit relevanten Vorerkrankungen entscheiden die Erziehungsberechtigten über die Teilnahme am Unterricht. 

Schule in Baden-Württemberg: Klassenarbeiten und Versetzung

Prüfungsklassen konzentrieren sich ausschließlich auf die Vorbereitung der Abschlussprüfungen, es werden in dieser Zeit keine Klassenarbeiten geschrieben. Und auch bei den Klassen des nächsten Prüfungsjahrgangs geht es nicht darum, möglichst schnell Klassenarbeiten nachzuholen, das ist ausdrücklich nicht das Ziel der Wiederaufnahme des Unterrichts in den Schulen“, betont Susanne Eisenmann. Falls die verbleibende Unterrichtszeit es aber zulasse und es pädagogisch sinnvoll sei, könnten noch Klassenarbeiten geschrieben werden. 

Zudem kündigt Eisenmann an, dass „alle Schülerinnen und Schüler grundsätzlich ins nächste Schuljahr versetzt“ würden! Keinem Schüler dürfe durch die aktuelle Situation ein Nachteil entstehen. Wie diese Regelung aber genau umgesetzt wird, werde noch einmal gesondert erklärt. 

Schule in Baden-Württemberg: Schüler sollen zu Hause und im Schulgebäude lernen

Das Kultusministerium hält es für nötig, sowohl zu Hause, als auch im Schulgebäude zu lernen. Vor allem die Prüfungsvorbereitung müsse im Klassenraum stattfinden. Schüler, die noch nicht zurück dürfen, sollen erstmal über Online-Angebote und Aufgaben der Lehrer lernen. Dafür sollen die Schulen „gezielt Präsenzangebote“ anbieten. Denn nicht jeder habe zu Hause einen Computer oder Laptop, um daran zu arbeiten. 

Damit nicht alle Lernenden auf einmal im Gebäude sitzen, empfiehlt das Ministerium zudem, die Schüler zu entzerren. Dafür sollen Klassen auf verschiedene Räume verteilt und Stoßzeiten zum Unterrichtsbeginn vermieden werden. Das Ministerium sei außerdem mit Stadt- und Landkreisen im Gespräch, damit mehr Busse und Bahnen für den Schulweg eingesetzt werden.

Übrigens: Weil zwar Schulen nach und nach wieder öffnen, Kitas aber geschlossen bleiben, hat die Landesregierung jetzt die Kinder-Notbetreuung ausgeweitet

Schule in Baden-Württemberg: Schüler sollen Hygienemaßnahmen einhalten

Für den Schulbetrieb ist es unerlässlich, dass die Hygienevorgaben zum Infektionsschutz eingehalten werden“, sagt Susanne Eisenmann. Dazu gehört, dass die Schüler über Hygienevorschriften aufgeklärt und gegebenenfalls angeleitet werden müssen. Unterricht und Prüfungen müssen zudem so organisiert werden, dass die die Hygienemaßnahmen und der Mindestabstand eingehalten werden. Auch der Zutritt zur Schule und auf die Toiletten müssen geregelt werden. Das Tragen einer Maske ist allerdings keine Pflicht – wenn auch empfohlen.

Von der Lockerung der Corona-Maßnahmen noch nicht betroffen sind derzeit Kindergärten und Grundschulen. Die meisten Kinder müssen (noch) zuhause bleiben. Dabei legen aktuelle Untersuchungen nahe, dass gerade Kinder unter zehn Jahren gegen das Coronavirus quasi immun sind. Die Uniklinik Heidelberg will diesem wichtigen Thema jetzt in einer landesweiten Studie nachgehen. Erste Ergebnisse werden bereits Anfang Mai erwartet.

dh

Quelle: Mannheim24

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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