Rekordwert

Corona-Krise: Viele Betriebe bauen Stellen ab – diese Branche trifft‘s am schlimmsten

In der Corona-Krise müssen viele Menschen in Kurzarbeit. Doch scheinbar reicht das einigen Betrieben nicht und sie streichen sogar stellen. Diese Bundesländer und Branchen trifft es am schlimmsten:

  • Die Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht die Werte für Kurzarbeit in der Corona-Krise.
  • Über 10 Millionen Menschen in Deutschland haben Kurzarbeit angemeldet.
  • Auch die Arbeitslosenquote steigt an.
  • Diese Bundesländer und Branchen trifft es am schlimmsten:

Update vom 11. Mai: Ausgerechnet die beiden Musterschüler in Sachen Arbeitslosigkeit können von der Corona-Krise am härtesten getroffen werden. In Baden-Württemberg und Bayern hat laut einer am Montag veröffentlichten Umfrage des Ifo-Instituts rund ein Fünftel der Unternehmen beschlossen, Jobs abzubauen. „Von nun an schlägt die Krise auf den deutschen Arbeitsmarkt durch", sagt Klaus Wohlrabe vom Ifo-Institut. 

Zwischen den Branchen gibt es dabei riesige Unterschiede beim Jobabbau: von gar nicht bis großflächig. Konkret geben 22 Prozent der befragten Betriebe in Baden-Württemberg und 20 Prozent in Bayern an, einen Beschäftigungsabbau bereits beschlossen zu haben. Dahinter folgen die Region "Nordwest-Deutschland" aus Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen und Niedersachsen sowie Nordrhein-Westfalen mit jeweils 18 Prozent. Hessen kommt auf 16 Prozent. In den in der Umfrage zu "Nordost-Deutschland" zusammengefassten Ländern Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sprechen 14 Prozent von einem beschlossenen Beschäftigungsabbau. Ebenso in den als "Mitteldeutschland" zusammengefassten Ländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Am glimpflichsten können Rheinland-Pfalz und Saarland davonkommen: In den zusammengefassten Antworten nennen 11 Prozent der Befragten einen Beschäftigungsabbau als Reaktion auf die Krise. 

Nach Branchen betrachtet unterscheiden sich die Antworten sogar noch stärker. So gibt es viele Bereiche, in denen nur ein kleiner Teil der Betriebe mit dem Abbau von Jobs reagiert. Bei den Herstellern pharmazeutischer Erzeugnisse ist Beschäftigungsabbau kein Thema, ebenso bei Spielhallen, Wettbüros und in der Lotterie. Auch die Immobilienbranche mit zwei Prozent der Betriebe und das Baugewerbe mit drei Prozent sind kaum betroffen, ebenso die chemische Industrie sowie Rechtsanwälte, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer mit je fünf Prozent der Befragten. Ebenfalls eher glimpflich kommen die Finanz- und die IT-Branche davon. In der Gastronomie dagegen steht bei 58 Prozent der befragten Betriebe Beschäftigungsabbau auf der Tagesordnung. Auch bei Leiharbeitsfirmen sind es mit 57 Prozent mehr als die Hälfte, im Bereich Beherbergung 50 und in der Herstellung von Lederwaren und Schuhen 48 Prozent. Ebenfalls hart getroffen ist die Reisebranche mit 43 Prozent sowie die Autoindustrie mit 39 Prozent.

„Schwerste Rezession der Nachkriegszeit“ – So viele Menschen sind wegen Corona in Kurzarbeit

Meldung vom 30. April: Mit diesem Rekordwert haben selbst Experten nicht gerechnet. Am Donnerstag (30. April) gibt die Bundesagentur für Arbeit die Zahlen für Kurzarbeit und Arbeitslosenquote bekannt – und diese lassen wohl jeden etwas aufschrecken. In der Corona-Krise haben bis zum 26. April 10,1 Millionen Menschen in Deutschland Kurzarbeit angemeldet. Damit sind alle Prognosen von Volkswirten bei weitem übertroffen. Experten haben geschätzt, dass zwischen drei und sieben Millionen Menschen Kurzarbeit beantragen. 

Der bisherige Kurzarbeit-Rekordwert der Bundesagentur für Arbeit lag bei 1,44 Millionen Menschen. Dieser Wert stammte aus dem Mai 2009. Im gesamten Krisenjahr waren damals 3,3 Millionen Menschen in Kurzarbeit. Die Kurzarbeit dient dazu, Arbeitnehmer mit staatlicher Hilfe im Job zu belassen und Entlassungen zu vermeiden. 

Corona-Krise: Rekordwert für Kurzarbeit – auch Arbeitslosenquote steigt an

Aber nicht nur der extrem hohe Wert für Kurzarbeit lässt Experten aufhorchen. Auch die Zahl der Arbeitslosen steigt in Deutschland saisonuntypisch an. Im April sind 308.000 Menschen mehr arbeitslos als noch im März und 415.000 mehr als im April 2019. Insgesamt sind in Deutschland 2,644 Millionen Menschen arbeitslos. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 5,8 Prozent. Diese steigt im Vergleich zum März um 0,7 Punkte und im Vergleich zum April des Vorjahres um 0,9 Punkte.

Bundesagentur gibt Arbeitsmarktstatistik für April 2020 bekannt

Kurzarbeit und Arbeitslosenquote: Corona-Krise bringt Deutschland „zur schwersten Rezession“ 

 „Die Corona-Krise dürfte in Deutschland zur schwersten Rezession der Nachkriegszeit führen", sagt der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur, Detlef Scheele.„Dadurch gerät auch der Arbeitsmarkt stark unter Druck." Die Arbeitslosigkeit sei erstmals in der Nachkriegszeit in einem April gestiegen. Normalerweise sinkt die Arbeitslosigkeit in dieser Jahreszeit wegen der Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt. 

Die Nachfrage nach Arbeitskräften sei parallel zum Anstieg der Arbeitslosigkeit und zum noch nie da gewesenen Niveau bei der Kurzarbeit regelrecht eingebrochen. Im April 2020 waren nur noch 626 000 unbesetzte Stellen bei den Arbeitsagenturen gemeldet, 169 000 weniger als noch vor einem Jahr. Saisonbereinigt sei die Zahl der offenen Stellen um 66 000 nach unten gegangen.

jol/dpa

Quelle: Mannheim24

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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