Experten stehen Rede und Antwort

Corona-Mutation: Das musst Du über die neue Virus-Variante wissen

Eine neue Variante des Coronavirus ist aufgetaucht und sie weitet sich in Großbritannien rasant aus! Was bislang bekannt ist – alle Infos zur Mutation im Überblick

Ab dem 27. Dezember sollen die flächendeckenden Impfungen auch in Deutschland starten. Da kommt die Nachricht über die Corona-Mutation zur Unzeit. Vergangene Woche hat Großbritanniens Ministerpräsident Boris Johnson Alarm geschlagen: Nach ersten Erkenntnissen der Behörden ist die Mutation deutlich ansteckender als die bisher bekannte Form des Coronavirus. Zugleich geben die Experten aber auch Entwarnung: Demnach gebe es keine Hinweise darauf, dass die Variante schwerere Krankheitsverläufe auslöse oder mit einer höheren Sterblichkeitsrate einhergeht. Dennoch verunsichern die Berichte über die neue Coronavirus-Variante viele Menschen – zumal die Grenzen nach Großbritannien dicht gemacht werden. HEIDELBERG24 fasst alle wichtigen Fragen und Antworten zum Thema Corona-Mutation zusammen:

Coronavirus: Ist die Mutation tatsächlich ansteckender?

Für Christian Drosten, Virologe von der Berliner Charité, könnte die Verbreitung der Mutation lediglich Zufall sein. Die neue Variante muss nicht zwingend mit einer höheren Ansteckungsrate einhergehen, schreibt der Corona-Experte auf Twitter.

Die Mutationen verschafften dem Virus nicht unbedingt einen Vorteil, auch wenn das möglich sei. Das verstärkte Auftreten der neuen Corona-Variante kann demnach auch auf ein Superspreading-Event in Großbritannien zurückgehen.

Demgegenüber gehen britische Wissenschaftler derzeit davon aus, dass die kürzlich entdeckte Variante des Virus um bis zu 70 Prozent ansteckender als die bisher bekannte Form.

Corona: Ist nach überstandener Erkrankung eine erneute Ansteckung mit der Mutation möglich?

Medienberichten zufolge ist in Israel ein Mann nach einer erneuten Corona-Infektion verstorben. Der 74-jährige soll sich nach überstandener Corona-Erkrankung im Zuge der zweiten Welle mit einer mutierten Variante abermals infiziert haben.

Gegenüber BILD erklärt Internist und Notfallmediziner Dr. Thomas Aßmann, dass solche Fälle jedoch extrem selten sind. Für den Mediziner ist die naheliegendste Erklärung für diesen Sonderfall, dass der Mann zu wenige Antikörper gebildet hat.

Corona-Mutation: Sind die neuen Impfstoffe wirkungslos?

Kurz vor dem anvisierten Beginn von Covid-19-Impfungen in Deutschland bricht also die Nachricht von einer neuen Coronavirus-Variante über die Menschen herein. Jetzt drängt sich die Frage auf: Kann es sein, dass die Impfung gar nicht wirkt?

Die Wirksamkeit des Corona-Impfstoffes wird durch die gefährliche Mutation des Virus nach Expertenansicht vermutlich nicht entscheidend beeinträchtigt. „Ich sehe da derzeit keinen Grund für Alarm“, sagt Richard Neher vom Biozentrum der Universität Basel gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Auch Andreas Bergthaler von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (CeMM) in Wien hält die derzeitige Entwicklung nicht für „wahnsinnig alarmierend“. Dass Mutationen auftauchen, sei nicht ungewöhnlich. Derzeit wisse man aber nicht, ob die beobachteten Veränderungen die Eigenschaften des Erregers überhaupt entscheidend verändern.

Mit Blick auf die Wirksamkeit der Impfung betonen die Experten, dass der Corona-Impfstoff eine Immunreaktion gegen gleich mehrere Virusmerkmale erzeugt. Veränderungen einzelner Merkmale würden deshalb nicht dazu führen, dass das Immunsystem den Erreger nicht mehr erkenne, sagte Neher.

Im Klartext bedeutet das: Einzelne Mutationen reichen nicht aus, um der Immunabwehr zu entgehen. Dennoch empfehlen die Experten, die weitere Entwicklung genau zu beobachten. Denn mit jeder neuen Mutation werden die Veränderungen am Virus umfangreicher.

Coronavirus: Was passiert wenn der Impfstoff gegen die Mutation unwirksam ist?

Mit Blick auf die jährlichen Grippe-Impfungen müssen Impfstoffe immer wieder an aktuell auftretende Virusvarianten angepasst werden. Auch hier mutieren die Viren jede Saison aufs Neue. Sollte ein Impfstoff, wie beispielsweise von der Firma BioNTech, gegen die neue Variante keine Wirkung erzielen, gibt es aber eine schnelle Lösung.

EMA-Direktorin warnte trotz der erfolgtem Impfzulassung aber davor, dass der Wendepunkt der Corona-Pandemie noch nicht erreicht sei. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) rechnet damit, dass der Impfstoff auch gegen die neu aufgetretene Coronavirus-Variante wirksam ist. „Zu diesem Zeitpunkt gibt es keinen Beweis für die Annahme, dass der Impfstoff nicht gegen die neue Variante wirken könnte“, sagt EMA-Direktorin Emer Cooke in Amsterdam. Darüber müssten aber noch mehr Informationen gesammelt werden.

Sollte sich der Impfstoff dennoch als unwirksam erweisen, muss das Vakzin angepasst werden. Bei den neuartigen mRNA-Impfstoffen geht eine Anpassung an Mutationen vergleichsweise einfach. Diese Impfstoffe enthalten keine vollständigen Viren, sondern nur eine genetische Information, eine Bauanleitung für ein Virus-Protein. Diese Bauanleitung lässt sich relativ schnell an einen neuartigen Erreger anpassen.

Die Plattform des bisherigen Impfstoffs würde bei einer Weiterentwicklung nicht angetastet, erläutert die medizinische Geschäftsführerin und BioNTech-Mitgründerin Özlem Türeci gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Nach eigenen Angaben wäre BioNTech binnen sechs Wochen in der Lage, auch ein Präparat gegen die in Großbritannien aufgetauchte Mutation des Virus herzustellen.

Um die Entstehung weiterer Mutationen und somit einen stätigen Wettlauf gegen Corona vorzubeugen, gibt es nur eine Lösung: Die Bevölkerung muss zügig durchgeimpft werden.

Corona-Mutation: Was sind die Folgen für den Reiseverkehr?

Derzeit rüstet sich Europa mit Flugverboten und Grenzschließungen gegen die neue Variante des Coronavirus. Deutschland stoppt Flüge aus Großbritannien weitgehend. Landungen aus dem Land sind ab Sonntag-Mitternacht (21. Dezember) untersagt. Ausgenommen sind demnach etwa reine Frachtflüge.

Nach der Entdeckung einer hoch ansteckenden Variante des Coronavirus in Großbritannien haben die Behörden die Sicherheitsvorkehrungen am Stuttgarter Flughafen erhöht. (21. Dezember 2020).

Gleiches gilt auch für Südafrika, wo die Corona-Mutation ebenfalls aufgetreten ist. Für beide Länder solle am Montag (21. Dezember) noch eine Verordnung erlassen werden, kündigte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in der ARD an.

Das Bundesinnenministerium hat die Bundespolizei vor der Grenzschließung angewiesen, Reisende aus Großbritannien und Südafrika sofort systematisch zu kontrollieren.

Corona: Kommt der mutierte Virus nach Deutschland?

Unterdessen vermeldet die BILD am Montagvormittag (21. Dezember), dass es in Hannover, Stuttgart, Dortmund und Berlin erste Fälle der Corona-Mutation geben soll. Insgesamt seien 10 Menschen, die mit einem Flugzeug aus Großbritannien nach Deutschland reisten, infiziert.

Bereits am Vorabend hat SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach im „Bild“-Talk eindringlich vor einem schnellen Vordringen der neuen Coronavirus-Variante nach Deutschland gewarnt:

Wenn es jetzt käme, wo wir mitten in der zweiten Welle sind, wo wir so hohe Fallzahlen haben, wäre das eine Katastrophe

Karl Lauterbach (SPD), Politiker, Mediziner und Gesundheitsökonom

Die Wahrscheinlichkeit, dass die neue, angeblich deutlich ansteckendere Corona-Variante über kurz oder lang nach Deutschland komme, beziffert Lauterbach auf 100 Prozent. Damit sollte er nach jetzigem Stand recht behalten. (dpa/esk)

Rubriklistenbild: © Andreas Rosar/dpa

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