Sind die Kleinen in Gefahr?

Dubioser WhatsApp-Kettenbrief warnt vor Kinder-Masken – Arzt klärt auf

Coronavirus - Kurz vor der Einführung der Maskenpflicht kursiert ein dubioser WhatsApp-Kettenbrief. Dieser rät Eltern davon ab, ihren Kindern Masken anzuziehen.

  • In der Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie etabliert Baden-Württemberg ab dem 27. April die Maskenpflicht.
  • Kurz nach der Ankündigung der Maskenpflicht kursiert ein WhatsApp-Kettenbrief, der Eltern beunruhigt.
  • Wissenschaftler haben den Inhalt des Kettenbriefs längst widerlegt.
Als wäre die aktuelle Lage nicht schon schlimm genug, werden auch immer wieder Falschmeldungen oder Gerüchte in den sozialen Medien verbreitet, die ahnungslose Bürger in Angst und Schrecken versetzen. So ist in den vergangenen Tagen ein WhatsApp-Kettenbrief viral gegangen, in dem Eltern gewarnt werden, ihren Kindern Masken anzuziehen. 

So erklärt der Verfasser in pseudowissenschaftlicher Manier, dass Kinder den „CO2 Ausstoß selber unter der Maske nicht kontrollieren“ können und so Gefahr laufen, an einer Atemlähmung zu versterben. Längst wurden die Aussagen des Kettenbriefs von Kinderärzten widerlegt und als Hysterie befunden.

Coronavirus: WhatsApp-Kettenbrief verängstigt Eltern vor Einführung der Maskenpflicht

Im Interview mit BILD erklärt Kinderarzt Michael Achenbach: „Ich denke, man kann da in der Regel komplett Entwarnung geben. Gerade die selbstgenähten Masken sind ja so konzipiert, dass der Stoff vor Nase und Mund sitzt und davor schützen soll, dass beim Husten oder Niesen die Tröpfchen beziehungsweise das Aerosol nach außen dringen oder auch andersherum nicht in die Atemwege gelangen.“ Des Weiteren erklärt Dr. Achenbach, dass die Luft über die Seiten eingeatmet wird.

Dieser dubiose WhatsApp-Kettenbrief verbreitet die Falschmeldung, die viele Eltern besorgt.

Masken für Kinder: Arzt gibt nach WhatsApp-Kettenbrief Entwarnung

Im Wortlaut des WhatsApp-Kettenbriefs heißt es konkret: „Sie merken nicht wenn sie zu wenig Luft bekommen. Das Co2 sammelt sich darunter und ihre kleine Lunge atmet alles wieder ein was zu Atemlähmung führt.“ Abgesehen von der dubiosen Kommasetzung sind auch die Informationen darin schlichtweg falsch. Laut Kinder- und Jugendarzt Achenbach könne es zu keinem CO2-Stau hinter der Maske kommen, da Kinder (und Erwachsene) mit ihrer Atmung für einen kontinuierlichen Austausch sorgen, „sodass die Gefahr eines CO2-Staus unter der Maske ausgeschlossen werden kann. Schließlich ist es Stoff und kein luftundurchlässiges Plastik.“ Allerdings fügt Dr. Achenbach noch an, dass er komplett geschlossene Masken (z.B. Staubschutzmasken aus dem Baumarkt) nicht unbedingt für Kinder empfiehlt.

Dubioser WhatsApp-Kettenbrief warnt Eltern vor Kinder-Masken

Der Verfasser des Kettenbriefs hat seinen Zeitpunkt bewusst gewählt. Ab nächster Woche (27. April) gilt in Baden-Württemberg die sogenannte Maskenpflicht. Ab dann gilt es, sowohl im öffentlichen Personennahverkehr als auch beim Einkaufen eine Maske zu tragen. Dabei gelten nicht nur medizinische Masken, die in der Pflege und im Krankenhaus immer noch Mangelware sind. Auch selbstgenähte Masken, Einwegmasken oder Stoffmasken gelten als ausreichender Atemschutz.

Wie das Robert-Koch-Institut erklärt, schützt man beim Tragen eines Mundschutzes andere Menschen. Das Coronavirus verbreitet sich nämlich über eine Tröpfcheninfektion und eine Schutzmaske hält Tröpfchen, die beim Reden, Husten oder Niesen entstehen, zurück.

Die Coronavirus-Pandemie stellt viele Menschen vor nicht-alltägliche Situationen und Probleme. Da Atemschutzmasken schon seit Beginn der Corona-Krise Mangelware sind und sich nicht jeder eine eigene Maske nähen kann, fragen sich jetzt viele Menschen, wie sie die Anforderungen der Maskenpflicht nachkommen sollen. Glücklicherweise gibt es in Heidelberg, Mannheim, Ludwigshafen und Region einige Orte, wo man sich kostengünstig Masken schneidern lassen kann. Vor einem anderen Problem stehen Brautpaare, denn sie müssen sich jetzt entscheiden, ob sie sich trauen (lassen) oder erst mal auf die Post-Corona-Zeit warten wollen.

An der Uniklinik in Heidelberg blieb der große Ansturm bisher aus. Seit März stehen hier ein Großteil der Intensivbetten leer, weshalb die Krankenhausleitung in eine „neue Normalität“ schreiten will.

Seit zwei Monaten sind die Schulen in Baden-Württemberg geschlossen. Sowohl Eltern als auch Kinder leiden sehr darunter. Jetzt fordert eine Elterninitiative aus Heidelberg die Öffnung aller Schulen und Kitas – und dafür gehen sie auf die Barrikaden und demonstrieren am Uniplatz. Ab Mitte Juni soll es in Heidelberg wieder für alle Kinder eine Nachmittagsbetreuung geben. Eltern und Kinder freuen sich – ganz im Gegensatz zu den Erziehern, die zur Risikogruppe gehören und jetzt um ihre Gesundheit bangen.

mw

Quelle: Mannheim24

Rubriklistenbild: © Felix Kästle/dpa

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