Auf Pressekonferenz in Berlin

Corona-Impfstoff: So soll er verteilt werden – der Masterplan der Experten

Corona hält weiterhin Deutschland in Atem. Während die Bürger auf einen Impfstoff warten, arbeiten mehrere Organisationen an einem Plan zur Verteilung.

Seit März wütet das Coronavirus in Deutschland und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Stattdessen gibt es – wie erwartet – in den Wintermonaten eine zweite Welle, die mit einem erneuten Lockdown verbunden ist. In Unternehmen wie Biontech aus Mainz oder CureVac aus Tübingen wird unterdessen mit Hochdruck an einem Impfstoff gearbeitet, der eine Rückkehr zu einem normalen gesellschaftlichen Leben ermöglicht. Doch bis dieser der breiten Masse zur Verfügung gestellt werden kann, müssen bestimmte Personengruppe vorrangig behandelt werden. Bei einer Pressekonferenz in Berlin äußern sich Vertreter zu den bisherigen Plänen der Verteilung.

Corona-Impfstoff: Rollende Zulassung soll Verfahren beschleunigen

Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Thomas Mertens, Vorsitzende der ständigen Impfkommission und Gerald Haug, Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, stellen sich am Montagmorgen (9. November) den Fragen von Journalisten. Dabei geht es um die geplante Verteilung des Corona-Impfstoffes, der aller Wahrscheinlichkeit nach im ersten Quartal 2021 auf den Markt kommen könnte.

Gerald Haug, Alena Buyx und Thomas Mertens erklären, wie der Impfstoff verteilt werden soll.

Die Impfstoffe in Deutschland befinden sich derzeit in Phase 3. Das bedeutet, dass aktuell zehntausende freiwillige im Land die Wirkung in ihrem Alltag testen. Damit der Impfstoff schneller – aber nicht unsicherer – zugelassen werden kann, sei eine „rollende Zulassung“ erlaubt worden. Dadurch können klinische Prüfungen fortlaufend eingereicht und bewertet werden. Normalerweise müssten erst alle Ergebnisse gesammelt und dann als ganzes abgegeben werden – was allerdings Jahre dauern kann.

Corona-Impfstoff: Diese Gruppen sollen zuerst geimpft werden

Da aber die Menge der Impfdosen anfangs zu gering für die über 83 Millionen Bewohner des Landes ist, brauche es eine Priorisierung. Diese müsse, laut Alena Buyx, ethisch, rechtlich, verfassungskonform sowie transparent sein. Zudem müsse die Impfung auf der freiwilligen Zustimmung beruhen, da „eine allgemeine Impfpflicht“ ausgeschlossen sei. Dabei betont Prof. Buyx, dass zuerst die Personen geimpft werden sollen, deren Zustand oder Beruf ein erhöhtes Risiko darstellen.

Dazu zählen laut Alena Buyx schwer kranke Menschen in Pflegeheimen und Tagespflegestellen sowie das dortige Personal, außerdem noch Pflegekräfte in Krankenhäusern. An vorderster Stelle der Priorisierung stünden zudem Berufsgruppen, die für das Gemeinwesen wichtig sind – also Mitarbeiter der Gesundheitsämter, Polizisten, Feuerwehrleute, Lehrer und Erzieher. Doch auch Obdachlose und Asylbewerber in engen Unterkünften sollen zu den ersten gehören, die eine Impfung erhalten. Schwangere und Kinder werden erst später geimpft werden können, da die Forschung für diese noch nicht weit genug sei.

Corona-Impfstoff: Bedenken wegen des Datenschutzes

Wir sehen derzeit erste Lichter am Ende des Tunnels der Pandemie“, sagt Prof. Gerald Haug und blickt optimistisch auf das Jahr 2021. Wichtig dafür sei aber, dass sich 70 Prozent der Bevölkerung impfen lassen. Nach einer durchgeführten Studie würden sich derzeit aber nur 50 bis 60 Prozent der Deutschen einer solchen Behandlung unterziehen. Daher sei es wichtig, eine barrierefreie Aufklärung zu leisten und Impfängste ernst zu nehmen. „Wenn sich alle am Riemen reißen, werden wir bis Sommer 2021 das Virus hinter uns lassen“, verkündet der 52-Jährige.

Bedenken gibt es auf der Pressekonferenz in Berlin wegen des Datenschutzes. Denn Dr. Thomas Mertens erklärt, dass eine zentrale Impfdatenbank unerlässlich sei, um die Impfquoten und den Effekt zu messen. Nur mit einer lückenlosen Dokumentation darüber, wer welchen Stoff wann erhalten hat, könnte Signale frühzeitig bemerkt werden. Eine solche Datenbank mit Namen und anderen wichtigen Informationen könnte allerdings Hacker anziehen. Der Virologe erklärt allerdings, dass die Daten auch pseudonomysiert werden können.

Corona-Impfstoff: 60 Impfzentren in Deutschland geplant

Für die Verteilung des Impfstoffes sind etwa 60 Impfzentren in Deutschland geplant. Diese werden zeitgleich mit mobilen Teams in Pflegeheimen die Stoffe verabreichen. Die Priorisierung sollte dann bundeseinheitlich von der Politik festgelegt werden. Wie viele Menschen zu Beginn immunisiert werden können, hänge laut Dr. Mertens von der Menge des Impfstoffes und der Ärzte sowie der Logistik ab. „Feinere Angaben sollten bis Ende des Jahres stehen“, sagt der 70-Jährige.

Ein weiterer Zweifel besteht darin, ob bei der Priorisierung des Landes womöglich zwischen Privat- und Kassenpatienten ein Unterschied gemacht werden könnte. Diese räumt Alena Buyx allerdings sofort aus der Welt: „Der Versicherungsschutz darf keine Auswirkungen auf die Priorisierung haben.“ Außerhalb der Zentren soll keine Impfung möglich sein. Denn den Hausärzten solle nicht die Last auferlegt werden, zu bestimmen, wer die Impfung am nötigsten braucht. Doch auch wenn die Impfungen ein Erfolg werden, mahnt Gerald Haug, dass die derzeitigen Corona-Maßnahmen noch eine Weile aufrecht erhalten werden müssen. (dh)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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