Landesweite Untersuchung 

Coronavirus: Sind Kinder immun? Mysteriöser Fall stellt Forscher vor Rätsel

Heidelberg - Ein mysteriöser Fall aus Island beschäftigt aktuell die Wissenschaft. Sind Kinder gegen das Coronavirus immun?

  • Bundesweit werden strenge Maßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus gelockert.
  • Kitas und Grundschulen bleiben für die meisten Kinder aber weiter geschlossen.
  • Eine Studie der Uniklinik Heidelberg soll klären, ob Kinder unter zehn Jahren „immun“ gegen Covid-19 sind.  

Derzeit beschäftigt ein Fall aus Frankreich Forscher und viele Eltern: Ein neunjähriges Mädchen hatte sich mit dem Coronavirus angesteckt, ohne Symptome zu entwickeln. Nach einem positiven Corona-Test wurden auch alle 172 Menschen getestet, mit der das Mädchen während der zweiwöchigen Inkubationsphase Kontakt hatte - immerhin hatte es an drei Skikursen teilgenommen: Bei allen 172 Personen verlief der Test negativ

Jetzt stellen sich Forscher auf der ganzen Welt die Frage: Sind Kinder unter zehn Jahren „immun“ gegen das Coronavirus? Zu diesem Ergebnis, das vielen Eltern von Kita- und Grundschulkindern Hoffnung machen dürfte, kam vor wenigen Tagen eine breit angelegte Untersuchung aus Island. Knapp 13.000 Personen wurden in der isländischen Hauptstadt Reykjavik auf Corona getestet. Das Ergebnis: 0,6 Prozent der Frauen und 0,9 Prozent der Männer waren positiv. Allerdings hatte sich kein Kind unter zehn Jahren mit dem Virus infiziert. 

Kinder und Eltern für Corona-Studie gesucht (Symbolfoto).

Bereits zuvor wiesen andere Analysen darauf hin, dass Kinder einen relativ geringen Einfluss auf das Infektionsgeschehen haben. Laut der EU-Gesundheitsbehörde ECDC machen Kinder unter 10 Jahren nur knapp ein Prozent der Covid-19-Fälle aus, die Altersgruppe 10-19 Jahre lediglich vier Prozent.

Uniklinik Heidelberg will untersuchen, ob Kinder gegen Corona „immun“ sind

Unter Federführung der Uniklinik Heidelberg soll eine Studie jetzt herausfinden, inwiefern Kinder in Baden-Württemberg vom neuartigen Coronavirus betroffen sind und ob sie das Virus verbreiten. Aktuelle Untersuchungen aus China legten indes nahe, dass Kinder genau wie Erwachsene an Covid-19 erkranken und das Virus auch übertragen können, erklärt Prof. Georg Hoffmann. Der Chef der Heidelberger Kinderklinik koordiniert die landesweite Untersuchung, bei der ab Mittwoch (22. April) auch an den Unikliniken Tübingen, Freiburg und Ulm rund 2.000 Haushalte getestet werden sollen. Im Interview mit HEIDELBERG24 erzählt Hoffmann auch von der überraschenden Resonanz auf die Studie

An der Uniklinik wird eine Corona-Studie mit Kindern durchgeführt (Archivbild).

Bei der Studie werden jeweils ein Kind im Alter zwischen eins und zehn Jahre und ein Elternteil untersucht. Voraussetzung: Die Probanden dürfen nicht bereits positiv auf Corona getestet worden sein. Bei der rund 15-minütigen Untersuchung wird ein Nasenabstrich genommen, um eine akute Infektion mit Sars-CoV-2 nachzuweisen. Zudem soll eine Blutentnahme klären, ob die Testperson bereits eine Coronavirus-Infektion hinter sich hat. Die wäre über Antikörper im Blut nachzuweisen.

Auch interessant: In Kupferzell, einem der sogenannten Corona-Hotspots in Baden-Württemberg, sollen rund 2.000 der knapp 6.000 Einwohner befragt und getestet werden. Der Ort ist einer von vier Schwerpunkten der Studie „Corona Monitoring lokal“ des Robert-Koch-Instituts (RKI).

Corona-Studie in Heidelberg: Besonders Kinder aus Notfall-Betreuung gesucht!

Für die die Untersuchungen sucht das Uniklinikum freiwillige Testpersonen in der gesamten Metropolregion Rhein-Neckar. Besonders Kinder, die in den vergangenen Wochen in der Notbetreuung waren, wären „ideale“ Probanden, da sie im Gegensatz zu den meisten ihrer Altersgenossen viele Kontakte zu anderen Kindern hatten.

Ab sofort werde man von 9 bis 20 Uhr Kinder und Eltern testen - auch am Wochenende, so das Uniklinikum. Mit ersten Ergebnissen wird Anfang Mai gerechnet. Wer an der Studie teilnehmen möchte, kann sich über ☎ 06221/5632122 oder per Mail an Iris.Schelletter@med.uni-heidelberg.de anmelden. Potentielle Probanden bekommen daraufhin einen Fragebogen zugeschickt.

An der Uniklinik in Heidelberg blieb der große Ansturm bisher aus. Seit März stehen hier ein Großteil der Intensivbetten leer, weshalb die Krankenhausleitung in eine „neue Normalität“ schreiten will. Bei Kindern verläuft eine Coronavirusinfektion oft symptomfrei. Jetzt wollen Forscher an der Universitätsmedizin Mannheim herausfinden, wie viele Kinder infiziert sind. Dabei bekommen sie prominente Unterstützung von Deutschlands bekanntestem Virologen, Christian Drosten.

Seit zwei Monaten sind die Schulen in Baden-Württemberg geschlossen. Sowohl Eltern als auch Kinder leiden sehr darunter. Jetzt fordert eine Elterninitiative aus Heidelberg die Öffnung aller Schulen und Kitas – und dafür gehen sie auf die Barrikaden und demonstrieren am Uniplatz.

Ab Mitte Juni soll es in Heidelberg wieder für alle Kinder eine Nachmittagsbetreuung geben. Eltern und Kinder freuen sich – ganz im Gegensatz zu den Erziehern, die zur Risikogruppe gehören und jetzt um ihre Gesundheit bangen.

rmx

Quelle: Mannheim24

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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