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CureVac: Wo bleibt der neue Impfstoff „Made in Baden-Württemberg“?

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Von: Sylvia Niestroj-Haß

Die Entwicklung des neuartigen mRNA-Impfstoffes von CureVac befindet sich bereits „auf der Zielgeraden“. Ziel des Unternehmens: Im Sommer die Impfung zu ermöglichen.

Anfang März verkündet der Tübinger Impfstoffentwickler CureVac eine Zusammenarbeit mit dem Schweizer Pharmakonzern Novartis. Damit hat das deutsche Unternehmen nun neben anderen großen Pharmaproduzenten wie Bayer und GlaxoSmithKline einen weiteren wichtigen Partner an seiner Seite. Die große Hoffnung des Unternehmens liegt bei einer Zulassung des Impfstoffes bis Ende Mai/Anfang Juni. Laut CuraVec-Entwickler Ingmar Hoerr befindet sich das Unternehmen nun „auf der Zielgeraden“.

Im letzten Sommer erhielt das Tübinger Impfstoffunternehmen von den deutschen und den belgischen Zulassungsbehörden „grünes Licht“ für die Entwicklung des neuen Impfstoffes. Bereits im Februar ist die CureVac- Impfstoffentwicklung abgeschlossen. Allerdings: Andere Firmen wie BioNTech und Moderna haben in dieser Zeit bereits ihre Coronavirus-Impfstoffe zugelassen bekommen und weltweit verteilt.

Kampf gegen Corona: CureVac als weiterer deutscher mRNA-Impfstoff

Neben Biontech und Moderna soll im Sommer mit dem neuartigen CVnCoV ein weiterer Impfstoff auf der Basis der mRNA-Technologie zugelassen werden. Die Corona-Impfstoffe gehören zu den modernsten Entwicklungen auf dem Gebiet der Impfungen gegen das neuartige Coronavirus. Von ihrer Entwicklung versprechen sich Wissenschaftler in Zukunft auch Erfolge bei der Bekämpfung weiterer Krankheiten wie Krebs, Alzheimer oder Diabetes.

CureVac: Was macht die Corona-Impfung aus?

Das Prinzip von Impfungen besteht in der Injektion eines lebendigen, aber inaktiven Krankheitserregers, woraufhin eine Immunreaktion des Körpers erfolgt. Der mRNa-Impfstoff hingegen enthält eine Information des Coronavirus, ein sogenanntes messengerRNA. Daraus ergibt sich eine Art Gebrauchsanweisung für die menschlichen Zellen, ein spezielles Protein oder Antigen zu produzieren, welches dann eine Immunantwort des Körpers auslöst.

Damit sich die mRNA nicht zu schnell im Körper zersetzt, braucht es eine Fetthülle als schützende Verpackung. Nach der Impfung gelangt also die mRNA, also die Information über den Coronavirus, in die menschliche Zelle. Mithilfe dieser „Baupläne“ werden im Plasma der menschlichen Zelle nun die für den Körper ungefährlichen Spike-Proteine hergestellt. Daraufhin erfolgt eine Immunreaktion des Körpers: Der Körper erkennt die Spike-Proteine als Fremdkörper. Damit kennt der Körper nun das Aussehen der Spike-Proteine des Coronavirus und kann bei einer Infektion nun das Virus mit einer solchen Immunantwort direkt unschädlich machen. Genau auf diesem Prinzip beruhen also die Corona-Impfungen der Hersteller Biontech, Moderna und CureVac.

Corona-Impfung: CureVac – sicherer als AstraZeneca?

Nach den jüngsten Vorfällen im Zusammenhang mit der AstraZeneca-Impfung gegen das Coronavirus sind viele Menschen verunsichert und fürchten sich vor einer Impfung mit dem Impfstoff AstraZeneca. Nach Dänemark haben nun auch Norwegen, die Niederlande und Deutschland die Impfung mit dem britischen AstraZeneca-Impfstoff pausiert. Die Europäische Arzneimittel Behörde EMA wird in den nächsten Tagen über eine weitere Zulassung des Impfstoffes entscheiden. Sind die Sorgen der Menschen berechtigt? Was unterscheidet den CureVac-Impfstoff von AstraZeneca?

Bei AstraZeneca handelt es sich um eine sogenannte Vektorimpfung – wie bei vielen anderen klassischen Impfungen auch, wird direkt ein Virus als Transportmittel gespritzt, der sogenannte „Vektor“. Dieser ist für den menschlichen Körper ungefährlich. Der Unterschied ist also, dass diesmal kein Bauplan, sondern die DNA eines Proteins eingesetzt wird. Im Zellkern wird der Vektor dann vom Körper empfangen und in eine messengerRNA übertragen. Danach passiert das gleiche wie im Fall einer mRNA-Impfung: Das Immunsystem bildet eine Immunantwort auf die Spike-Proteine und kann sich so in Zukunft bei einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen.

Prinzipiell funktionieren also beide Impfstoffe einfach nur auf verschiedene Arten, wollen aber das gleiche bewirken: Eine Immunreaktion auf das Coronavirus. Trotzdem ist laut aktuellen Statistiken die Wirksamkeit der AstraZeneca-Impfung niedriger als die der Biontech-Impfung. Auch wird vermehrt von Nebenwirkungen berichtet. Wissenschaftlern zufolge müsse man jedoch vorsichtig dabei sein, die Nebenwirkungen in direkte Verbindung mit der Impfung zu setzen – sehr wahrscheinlich hängen die geschilderten Fälle von Blutgerinnseln in Folge einer Impfung mit dem AstraZeneca-Wirkstoff auch mit einer Vorerkrankung der geimpften Personen zusammen. Fakt ist jedoch: Die Tatsache, dass die Wirkstoffe der mRNA-Impfung relativ schnell wieder abgebaut werden, macht die mRNA-Impfstoffe wahrscheinlich sicherer, so Ingmar Hoerr, der Entwickler des CureVac-Impfstoffes. So könne man garantiert wissen, dass der Impfstoff nach der Impfung auch wieder aus dem Körper weg sei. Darüber berichtet der Deutschlandfunk.

CureVac: Zulassung bis Sommer geplant. „Wir sind auf der Zielgeraden“

Wie Ingmar Hoerr dem Deutschlandfunk vor Kurzem bestätigte, befindet sich das Unternehmen auf der Zielgeraden, was die Zulassung des CureVac-Impfstoffes angeht. Bis zum Sommer sollen damit mit allen Impfstoffen zusammen genügend Kapazitäten vorhanden sein, um allen Impfwilligen eine Corona-Impfung zu ermöglichen. Bis Ende 2021 sollen 50 Millionen Impfdosen und im Jahr 2022 ganze 200 Millionen Impfdosen alleine von dem Schweizer Pharmakonzern Novartis produziert werden; Bayer rechnet mit 160 Millionen Impfdosen für das kommende Jahr.

Impfung gegen das Corona-Virus: Wichtig ist eine globale Impfstrategie

Die Möglichkeit, alle Menschen mit Impfstoff zu versorgen, macht uns schließlich immer stärker im Kampf gegen die Pandemie. Jedoch ist es hierbei nicht nur wichtig, dass sich konkret in Deutschland oder in der westlichen Welt so viele Menschen wie möglich gegen das Coronavirus impfen, sondern eben auch in denjenigen Ländern, aus welchen die Mutationen kommen, betont der CureVac-Entwickler Ingmar Hoerr in seinem Interview mit dem Deutschlandfunk. Nur so könne man neue Mutationen verhindern, die schlussendlich nämlich auch nach Deutschland kämen – und kann so den Kreislauf durchbrechen. (snh)

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