Wohnst du schon oder wartest du noch?!

Der andere Erlebniseinkauf: Chaos bei Ikea in Walldorf

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Samstag ist für viele Menschen Einkaufstag. Da geht's mit der ganzen Familie auch schon mal ins Möbelhaus. Ein Einkaufserlebnis der anderen Art teilte unsere Redaktion mit zig Kunden von Ikea Walldorf in dieser Woche ...

"Wohnt du noch oder lebst du schon?!" Dieser bekannte Ikea-Slogan könnte in der Walldorfer Filiale des schwedischen Einrichtungshauses in "Wohnst du schon oder wartest du noch?!" umgetextet werden.

Was war passiert?

Zusätzliche Schreibtische, drei Barhocker für die Küche und weitere Anschaffungen für das Büro von MANNHEIM24/HEIDELBERG24 sollten her. Der schnellste Weg führte zu Ikea nach Walldorf.

Obwohl das Parkhaus dort renoviert wird, fanden wir schnell einen Parkplatz. Drinnen war's für einen Donnerstagnachmittag gut gefüllt.

Da wir vorab schon alles, was wir kaufen wollten, mit Namen, Größe und Farbe aufgelistet hatten, suchten wir einen freien Servicemitarbeiter zum Bestellen.

Nach einer merkwürdigen Begegnung mit einem gestresst wirkenden Mitarbeiter wurden wir sehr freundlich und zuvorkommend bedient - nur leider waren weder die gewünschten Schreibtische, das Sofa und ein Beistelltisch nicht auf Lager. Die Bestellung wurde aufgenommen mit dem Hinweis, dass wir umgehend benachrichtigt werden, sobald die Ware eingetroffen ist. Nur wann das sein wird, sei schwer zu sagen.

In weiteren Gesprächsverläufen fallen die Worte "Zulieferschwierigkeiten", "mögliche Bevorzugung anderer Filialen", auch äußert ein aufgebrachter Kunde vor uns in einer Schlange, dass "dies nicht das erste Mal ist, dass die Ware nicht vorrätig da ist, ob man das denn nicht besser steuern könne".

Nichtsdestotrotz: Die drei Barhocker und eine Abschirmung für einen Schreibtisch hatten wir! Magere Ausbeute zwar, aber nach zwei Stunden immerhin etwas.

Auf zum Bezahlen. Ikea wirbt mit den Vorteilen, die zum Beispiel die Family-Karte und die Business-Karte mit sich bringen. In unserem Fall waren sie aber auch mit etwas anderem verbunden: mit Wartezeit und interessanten Begegnungen. Denn nicht alle Ikea-Mitarbeiter scheinen mit den Abläufen der Karten vertraut zu sein. Erst der vierte hinzugezogene Kollege wusste zu helfen.

Na also: Um 16 Uhr verlassen wir das Einrichtungshaus Richtung Warenausgabe. Zwei Positionen. Zwei Abholnummern. Ganz einfach. Ganz fix. Von wegen.

In der Warenausgabe herrschte Chaos pur.

Im Warteraum saßen junge Familien mit ihren Kindern, die sich in der Krabbelecke die Zeit vertrieben. Immer mal wieder blinkten neue Ziffern auf der Tafel auf, immer mal wieder verließen Kunden mit "ihrer Beute" die Halle. Andere verstauten die ersten Waren, kehrten zurück, um auf weitere Einkäufe zu warten.

Doch: Die Schlange wurde länger und länger, die Menschen ungeduldiger und ungeduldiger, die emsigen Lagerarbeiter wuselten und wuselten. Wägen mit Waren stauten sich im vorderen Wartebereich und warteten wiederum auf ihre Abholer.

Irgendwann hieß es, die Anzeigetafel für die Abholnummern funktioniere nicht. Alle müssten sich anstellen. Die Kunden würden der Reihe nach bedient.

Zum Ladenschluss um 20 Uhr stand die Schlange der Wartenden noch bis auf dem Parkplatz hinaus. Wir mit. Auf der Anzeigetafel stand zumindest schon mal eine unserer Abholnummern. Aber weiter warten?

"Das dauert noch, mindestens a Stund' und länger", winkte ein Mann entnervt ab. Er war, wie einige andere, zwischenzeitlich nach Hause gefahren und wiedergekommen, um nicht die ganze Zeit warten zu müssen.

Die Option, die Waren am nächsten Morgen abzuholen, wurde verwehrt. "Die gehen dann zurück ins Lager", verdeutlichte ein Ikea-Mitarbeiter auf Anfrage. Auch verständlich: Denn der Bereich, in dem die Wägen mit den abholbereiten Waren stand, war übervoll.

Manche Kunden waren nämlich irgendwann entnervt gegangen und ließen ihre Waren zurückgehen. Das Geld wird ja zurückgebucht.

Wir gingen übrigens dann auch. Ohne unsere Waren.

MANNHEIM24/HEIDELBERG24 hakte bei Ikea Deutschland nach, konfrontierte die Pressestelle mit den Vorkommnissen in Walldorf.

Konkret ging unsere Redaktion dabei unter anderem auch auf die Personalentwicklung ein, da unter den Mitarbeitern vor Ort herauszuhören war, dass es dahingehend Einsparungen gab. "Das ist eine Kausalkette", murmelte ein Mitarbeiter in diesem Zusammenhang.

Weniger Mitarbeiter für die gleiche oder sogar mehr Arbeit: Da bleibt der Servicegedanke und damit auch der Kunde schon mal auf der Strecke ...

Ikea Deutschland antwortete schnell, bedauerte die Vorkommnisse: "Wir haben Ihre Beschwerde an die Kollegen vor Ort weitergegeben mit der Bitte, sich mit Ihnen wegen einer guten Lösung für Ihren Einkauf in Verbindung zu setzen – so, wie wir das für jeden Kunden tun würden. Darüber hinaus werden wir die von Ihnen geforderten Detailinformationen über unsere Arbeitsorganisation jedoch nicht geben ", wirbt der Absender "um Verständnis".

„Wo jeder Tag beginnt und zu Ende geht“ – das ist der Titel des neuen Ikea-Kataloges, der ab Montag, 25. August, an die deutschen Haushalte versandt wird. Nach dem Besuch in Walldorf für uns ein zutreffender Slogan ...

Wenn der neue Katalog komme, gehe es richtig rund, rechnen Ikea-Mitarbeiter in Walldorf wieder mit einem Ansturm, den jeder neue Katalog mit sich bringt.

Nur ob die Kunden dann auch soviel Verständnis zeigen, wenn die gewünschten Waren nicht da sind oder die Warteschlange an der Warenausgabe Nerven kostet?

Eine sehr freundliche Ikea-Mitarbeiterin hat sich übrigens am Freitag in der Redaktion gemeldet und sich für alle Unannehmlichkeiten entschuldigt und bot Hilfe an.

Doch: SIE MUSS SICH NICHT ENTSCHULDIGEN!

Sie macht nur ihre Arbeit und die sicher sehr gut. Für die Rahmenbedingungen, die das Unternehmen schafft, kann sie nichts. Sie gehört zu denen, die darunter leiden müssen.

Ach ja: Die Barhocker haben wir dann in der Ikea-Filiale Sandhofen geholt - dort gab's diese direkt zum Einpacken im Regallager. Und das ganz ohne Wartezeiten.

kb

Quelle: Mannheim24

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