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Kita-Alarm in BW: Wegen Erzieher-Mangel ist Kinderbetreuung gefährdet

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Von: Peter Kiefer

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Der Personalmangel in Kitas im Südwesten spitzt sich weiter zu! Auf einen Erzieher folgen fünf bis sieben Kinder – festgelegt ist eine Quote von 1:3. Eine Studie zeigt die Dramatik:

Viele Kitas in Baden-Württemberg verzeichnen einen enormen Fachkräftemangel. Bei einem Drittel aller Kitas ist an mindestens vier von zehn Arbeitstagen nicht einmal die Minimalbesetzung vorhanden, so eine Studie des Verbands Bildung und Erziehung (VBE). Dadurch können Erzieher ihrer Aufsichtspflicht in Kitas nicht ausreichend nachkommen, was vor allem im frühkindlichen Bereich von äußerster Wichtigkeit ist.

Erziehermangel in Baden-Württemberg: Neue Stellen für Kitas, aber es fehlt weiterhin an Personal

Für eine Kinderbetreuung in angemessener Qualität in Kitas werden knapp 80.000 Stellen mehr benötigt – das ist doppelt so viel Personal wie zurzeit in den Einrichtungen vorhanden ist. Fachkräfte, die sich laut Empfehlung um drei Kinder kümmern sollen, müssen sich in der Realität mit sechs, sieben, acht oder mehr Kindern beschäftigen. Da fällt oft ein Aufgabenbereich hinten runter und die Kinder sind nicht angemessen betreut.

Die Zahl der Geburten in Baden-Württemberg ist seit 2007 um mehr als 16 Prozent gestiegen, die Zahl der Kita-Kinder hat in diesem Zeitraum um 20 Prozent zugenommen. Heute werden dreimal so viele Kinder betreut und das pädagogische Personal hat sich seitdem mehr als verdoppelt. Trotzdem reicht die Anzahl der Fachkräfte bei weitem nicht aus, da die Kinderbetreuung in den letzten Jahren massiv ausgebaut wurde und die Kinder auch länger am Tag in die Einrichtungen gehen. Doch nicht nur in den Kitas herrscht Personalmangel, sondern auch an deutschen Schulen herrscht Alarmstimmung.

Erziehermangel in Baden-Württemberg: Situation wird unattraktiver und es fehlt an Bewerbern

Das Personalproblem in Kitas soll mit einer Verlängerung des Corona-Notsystems behoben werden. Hier werden weiterhin die Gruppengrößen und der Mindestpersonalschlüssel erhöht. Doch wo kein Personal, da auch keine Erhöhung des Mindestpersonalschlüssels und auch dies schafft keine attraktiven Aussichten auf die Ausübung dieses Berufs. Durch die großen Gruppen und das hohe Arbeitspensum können Erzieher nicht mehr individuell die Kinder betreuen und sind oft ausgebrannt. Ein Zustand, der auf Dauer so nicht funktionieren kann.

Durch den massiven Handlungsdruck, da viele Betreuungsbedarfe nicht gedeckt sind, möchte das Kultusministerium Baden-Württemberg das Problem gemeinsam mit Gewerkschaften und Kommunen angehen. Das Land möchte Werbung schaffen, mit der auf die Ausbildung aufmerksam gemacht wird, es sollen mehr Plätze für praxisintegrierte Ausbildung entstehen und es sollen bessere Aufstiegsmöglichkeiten und Möglichkeiten zum Direkteinstieg geschaffen werden.

Erziehermangel in Baden-Württemberg: Für GEW ist es noch zu wenig

Für die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg sind diese Maßnahmen jedoch noch zu wenig: Sie verlangt von der Landesregierung und den Kitaträgern eine eigene Kampagne für mehr Qualität in den Kitas. Ebenfalls soll in nicht pädagogisches Personal investiert werden, welches die Erzieher von den nicht pädagogischen Aufgaben entlasten soll – Verwaltungsarbeit, Küchenarbeiten oder Ähnliches.

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Der Beruf des Erziehers muss auf jeden Fall attraktiver gestaltet werden, um dem Personalmangel entgegen wirken zu können. Den vor allem bei der Arbeit im frühkindlichen Bereich ist es von besonderer Wichtigkeit, sich um die individuellen Bedürfnisse der Kinder zu kümmern und sich ausreichend mit ihnen zu beschäftigen, da Kinder in dieser Phase ihres Lebens ein Sozialverständnis entwickeln und gefördert werden müssen. (rah)

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