Mangelhafter Mund-Nasen-Schutz

Corona in Baden-Württemberg: Wer zahlt für Millionen mangelhafte FFP2-Masken?

Baden-Württemberg - Schulen, Krankenhäuser und sogar Pflegeheime; Millionen unbrauchbare FFP2-Masken hat das Land an besagte Institutionen verteilt – wer kommt nun für den Schaden auf?

Im Dezember vergangenen Jahres hat die Landesregierung in Baden-Württemberg angekündigt, Millionen FFP2-Masken zum Schutz gegen das Coronavirus kostenlos zu verteilen. Die Aktion wird damals von vielen Gesundheits-Experten begrüßt, doch bereits einige Wochen später macht sich Ernüchterung breit – Anfang Februar gesteht das Sozialministerium ein, dass nicht alle der Schutzmasken den Anforderungen genügen und rund 3,5 Millionen FFP2-Masken aus dem Landesvorrat zum Teil sogar mangelhaft seien. Prompt wird eine Rückrufaktion gestartet. Nach Kritik an der Qualität der FFP2-Masken hat das Ministerium schließlich umfangreiche Tests des kompletten Lagerbestandes durchführen lassen – nun liegt das Ergebnis vor.

MaskentypEinfacher Mund-Nasen-SchutzFFP2/FFP3 ohne VentilFFP2/FFP3mit VentilSelbstgemachte Maske aus Baumwolle Schal oder Tuch
Eigenschutzneinjaja etwas etwas
Fremdschutzjajaneinjaetwas

FFP2-Masken in Baden-Württemberg: Millionenfach mangelhafter Mund-Nasen-Schutz

Nach der Prüfung von Schutzmasken aus Lagerbeständen des Landes Baden-Württemberg rechnet das Sozialministerium damit, dass rund sieben Millionen Masken ausgetauscht werden müssen. „Darin sind aber auch Masken enthalten von nicht getesteten Chargen, bei denen wir nur vermuten, dass sie auch mangelhaft sein könnten“, erklärt eine Sprecherin am Freitag (26. Februar).

Ganze 17 Maskentypen haben die Tests nicht bestanden, unter ihnen sowohl deutsche als auch ausländische Hersteller. Mal sollen die Masken zu durchlässig gewesen sein, mal sind unterschiedliche Maskentypen in einer Verpackung.

Selbstverständlich wurden alle Einrichtungen unmittelbar nach Bekanntwerden der Prüfergebnisse informiert und darauf hingewiesen, die Masken nicht mehr zu verwenden“, erklärt das Ministerium gegenüber der dpa.

Feuerwehr verteilt über 300.000 FFP2-Masken an Alten- und Pflegeheime (28. Dezember 2020).

Erst kurz vor Jahreswechsel hat beispielsweise die Feuerwehr 312.000 FFP2-Masken an Alten- und Pflegeheime in Mannheim verteilt.

FFP2-Masken in Baden-Württemberg: Fehlerhafte Chargen werden ausgetauscht

Auch wenn von zehn Masken einer Charge nur zwei knapp durchgefallen sind, werden dennoch die kompletten Chargen zur Sicherheit vollständig ausgetauscht, teilt die Sprecherin in Stuttgart mit. Für den Tausch hat das Land extra EU-konforme FFP2-Masken deutscher Herstellung bestellt. Vor deren Verteilung prüfe die Dekra regelmäßig Teillieferungen. „Nur Masken, die die Normvorgaben erfüllen, werden anschließend verteilt“, versichert die Sprecherin. Dessen ungeachtet hat Stiftung Warentest FFP2-Masken geprüft: Das Ergebnis des Vergleichstest ist ernüchternd.

FFP2-Masken in Baden-Württemberg: Haften Hersteller für entstandenen Schaden?

Bereits vor Bekanntwerden des FFP2-Masken-Skandals hat der Verein „Bund der Steuerzahler“ die Beschaffung und Verteilung durch den Staat kritisiert. Demnach soll die Aktion „unnötige Kosten verursacht“ haben. Nun kommt das Masken-Schrott-Debakel hinzu.

Das Gesundheitsministerium versucht daher zu retten, was zu retten ist und verlangt Schadensersatz von den Herstellern. Dafür wird eine Fachkanzlei beauftragt. Nach Informationen des SWR geht es bei dem Streit um zwei- bis dreistellige Millionenbeträge.

Ein Vertragspartner aus dem Ausland soll sich bereits quergestellt und Schadensersatz-Ansprüche zurückgewiesen haben. Deswegen sei „eine gerichtliche Auseinandersetzung sehr wahrscheinlich“, so ein Ministeriumssprecher gegenüber der „Stuttgarter Zeitung“. Sollte sich die Landesregierung mit ihren juristischen Forderungen nicht durchsetzen können, bleibt der Steuerzahler wohl auf den Kosten sitzen. (esk/dpa)

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