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FFP2-Maske: RKI warnt vor zu langem Tragen – Nebenwirkungen drohen

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Von: Josefine Lenz

Wer einkaufen geht oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fährt, der trägt entweder eine OP- oder FFP2-Maske. Doch ist eine Variante gar nicht so gut, wie sie scheint?

Seit dem 27. April gilt in Baden-Württemberg die Maskenpflicht. Zunächst mussten wir den Mundschutz in Bus und Bahn sowie beim Einkaufen tragen, danach wurde die Maßnahme auf weitere Bereiche des Alltags erweitert. Neun Monate später entschied die Landesregierung, dass nur noch FFP2- und OP-Masken getragen werden dürfen. Im Gegensatz zu einfachen Stoffmasken sollen diese beiden Varianten besser vor Corona schützen. Sowohl die FFP2- als auch die OP-Maske halten die Tröpfchen, die beim Reden, Husten oder Niesen entstehen, besser zurück und filtern Luft. Außerdem können mit diesen Masken-Arten nicht nur Dritte, sondern auch die Träger vor dem Virus geschützt werden. FFP2-Masken sollen dies „besser können“ als die Einweg-Variante.

Coronavirus: FFP2-Maske gar nicht so sicher wie gedacht? Experte klärt auf

Wer also auf Nummer sicher gehen will, der sollte zur FFP2-Maske greifen. So ist der allgemeine Tenor, wenn man sich mit diesem Thema auseinandersetzt. Allerdings rät nun ein Experte von der FFP2-Maske ab. Der Grund: Sie kann in manchen Fällen schlechter vor Corona schützen als die OP-Maske.

Im Interview mit t-online geht der Epidemiologe André Karch auf mehrere Leserfragen ein. Eine davon lautet: „Nach der verschärften Maskenpflicht fragen sich viele, welche Maske die beste ist zum Tragen. Die FFP2-Maske soll ja für Bartträger suboptimal sein.“ Der Experte erklärt daraufhin, dass eine FFP2-Maske einen besseren Schutz vor Corona bietet als eine OP-Maske, wenn sie richtig getragen wird. „Aber aufgrund der großen Herausforderung beim korrektem Anlegen und der durchaus langfristigen Probleme beim langen Tragen der Maske“ sei eine optimale, praktische Anwendung gar nicht gegeben.

André Karch nennt außerdem noch einen weiteren Grund, der gegen eine FFP2-Maske spricht. Tatsächlich können Bärte das korrekte Anlegen des Mundschutzes verhindern. „Es bedeutet nicht, dass es nicht möglich ist, aber es erschwert das nochmal“, so der Epidemiologe. „Sodass man am Ende mit FFP2-Maske vielleicht schlechter dasteht wie mit einem medizinischen Mund-Nasen-Schutz (OP-Maske), der von sich aus leichter anliegbar ist und dann zumindest eine konstante Schutzsituation bietet“, sagt er abschließend.

FFP2-Maske gefährlich? RKI bestätigt – „gesundheitliche Auswirkung nicht auszuschließen“

Normalerweise werden FFP2-Masken nur von geschultem Personal, unter anderem in der Medizin, getragen. Doch aufgrund der Corona-Krise müssen nun auch Millionen andere Menschen in Deutschland diese Maske tragen. Der Epidemiologe André Karch warnt vor „langfristigen Problemen“ auf die er nicht genauer eingeht. Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) schließt gesundheitliche Folgen nicht aus – besonders bei Risikopatienten. „Beim Einsatz von FFP2-Masken bei Personen mit z.B. eingeschränkter Lungenfunktion oder älteren Personen sind negative gesundheitliche Auswirkungen nicht auszuschließen. Das Tragen von FFP2-Masken durch Personen, die einer Risikogruppe angehören, sollte möglichst ärztlich begleitet werden, um einen korrekten Dichtsitz zu gewährleisten“, so das RKI.

Eine Schutzmaske der Kategorie FFP2
Eine Schutzmaske der Kategorie FFP2 © Christian Beutler/dpa

Welche genauen langfristigen Folgen durch das Tragen einer FFP2-Maske drohen, ist aufgrund mangelnder Studien unklar. Bislang seien keine Untersuchungen außerhalb des Gesundheitswesens durchgeführt worden. Bei Untersuchungen mit Gesundheitspersonal habe man bereits Nebenwirkungen wie Atembeschwerden und Gesichtsdermaitis feststellen können.

FFP2-Maske gefährlich? RKI mit heftiger Aussage – „Tragedauer bei gesunden Menschen begrenzt“

Laut RKI sollten Anwender darüber hinaus über die Risiken und die Tragedauer informiert werden. Doch hat der Laie überhaupt schon einmal etwas von einer begrenzten Tragedauer der FFP2-Maske gehört? Auf der Webseite der Landesregierung Baden-Württemberg ist unter der Frage, wie lange man eine Maske tragen kann, lediglich diese Antwort zu finden: „Die Maske wird mit der Zeit durch die Atemluft feucht. Ist die Maske deutlich feucht, sollten Sie sie auf jeden Fall wechseln.“

Schaut man in Einkaufsmärkte oder in öffentliche Verkehrsmittel tragen Kunden und Mitarbeiter oft stundenweise die FFP2-Maske. Allerdings wird davon eigentlich abgeraten. Auf der Webseite des RKI heißt es: „Beim korrekten Einsatz von FFP2-Masken besteht ein erhöhter Atemwiderstand, der die Atmung erschwert. Deswegen sollte vor dem Tragen eine arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung angeboten werden, um Risiken für den Anwender individuell medizinisch zu bewerten. Gemäß den Vorgaben des Arbeitsschutzes ist die durchgehende Tragedauer von FFP2-Masken bei gesunden Menschen begrenzt (siehe Herstellerinformationen, in der Regel 75 Minuten mit folgender 30-minütiger Pause). Dies minimiert die Belastung des Arbeitnehmers durch den erhöhten Atemwiderstand.“ Eine Zeitangabe ist bei der OP-Maske nicht zu finden.

Corona: FFP2-Maske richtig tragen – so geht‘s

Wichtig ist das korrekte Aufsetzen der FFP2-Maske, damit sie auch wirklich einen Schutz vor Corona bietet. „Bei der Anwendung durch Laien ist ein Eigenschutz über den Effekt eines korrekt getragenen Mund-Nasen-Schutzes hinaus daher nicht zwangsläufig gegeben“, so das RKI.

Laut dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) sollte so eine FFP2-Maske auf- und abgezogen sowie getragen werden:

Da Masken nicht nur vor Corona, sondern auch anderen Krankheiten schützen können, halten viele Experten es für sinnvoll, auch nach der Pandemie die Maskenpflicht bestehen zu lassen. Der Mundschutz soll beispielsweise auch weiterhin in Altenheimen, Wartezimmern und in öffentlichen Verkehrsmitteln getragen werden. Ob es so kommen wird, wird sich zeigen. Erst einmal muss die Corona-Krise besiegt werden. (jol)

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