Kandel nimmt Abschied

Fotos vom Trauergottesdienst für Mia (†15)

Trauergottesdienst in Kandel
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Trauergottesdienst in Kandel

Kandel - Am Donnerstag (11. Januar) findet in der kleinen Gemeinde ein Trauergottesdienst für die getötete Mia statt und ganz Deutschland nimmt Abschied.

Am Donnerstag trauert nicht nur Kandel, sondern ganz Deutschland, um die getötete 15-Jährige. Hunderte Menschen kommen für den Trauergottesdienst in die kleine pfälzische Gemeinde um gemeinsam Abschied von ihr zu nehmen.

Um 14 Uhr findet der Gottesdienst in der voll besetzten St. Georgskirche statt. Ein überlebensgroßes Poträtfoto von Mia steht am Altar. Es sind Verwandte, Bekannte und Freunde von Mia vor Ort, die gefasst oder mit Tränen in den Augen auf das Bild von ihr schauen.

Pfarrer Arne Dembek spricht aus, was viele denken: „Fassungslos stehen wir da und begreifen, wie ohnmächtig wir sind." Er hat das Mädchen vor nicht einmal zwei Jahren konfirmiert.

Pfarrer warnt vor Vorurteilen

Man könne jemanden, der einen anderen getötet habe, nicht damit entschuldigen, dass er aus einem anderen Land komme, meint der Pfarrer in seiner Predigt. Umgekehrt könne man aber auch nicht sagen, dass alle, die von dort kämen, Verbrecher seien. Wer das sage, mache es sich und dem Täter zu leicht. 

Diese Worte sind in den letzten Tagen besonders wichtig in Kandel. Grund sind die vielen Hassbotschaften an Menschen, die sich mit Flüchtlingen beschäftigen. 

Erinnerung an ein Mädchen, das mit ihrem Lachen die Menschen ansteckte

In warmen Worten spricht Dembek von dem Mädchen, das immer seinen eigenen Kopf gehabt, das die Eltern furchtlos und schwindelfrei auf die österreichischen Berge begleitet habe und das Tiere geliebt habe. Mia habe klar und ehrlich zu sich und anderen sein können, ein verschmitztes Lächeln und ein ansteckendes Lachen gehabt. „Es hätte nicht mehr lange gedauert, und sie wäre ihre eigenen Wege gegangen - eine starke, junge Frau, der Stolz der Eltern. Es ist anders gekommen", sagt der Geistliche in Richtung der Verwandten. „Der Schmerz ist unermesslich."

Dembek mahnt, über der Frage nach dem Warum und den Motiven des Täters das Opfer nicht zu vergessen. Man solle sich an die 15-Jährige nicht erinnern, weil sie Opfer eines Verbrechens geworden sei, sagte er. Nein, wir sollten uns an sie erinnern, weil sie ein wunderbarer Mensch war. Eine geliebte Tochter und Enkeltochter, eine tolle Nichte und Großnichte, eine gute Freundin und Mitschülerin."

Junge von Trauer überwältigt

Mia habe das Leben bereichert und das ist ihr Geschenk an die Menschen, meint der Pfarrer in seiner Predigt. „Und wenn der Schmerz übermächtig zu werden droht, halten Sie sich fest an dem, was Mia Ihnen gegeben hat." Für einen Jugendlichen ist das zu viel. Der Junge in Jeans und Bomberjacke schluchzt wild und wird aus dem Kirchenraum geführt.

Am Ende hat der Gottesdienst, in dem unter anderem das Lied ,Hallelujah‘ gesungen wird, manchem tatsächlich so etwas wie Trost gespendet. 

Jedoch sind am Ende nicht alle versöhnt. Auf der Hauptstraße trifft man auf Menschen, die über Vorurteile, von den der Pfarrer noch zuvor in seiner Predigt mahnte, sprechen. „Alle Ausländer raus!", meint beispielsweise ein Passant. 

Die grausame Tat

Mia wurde am 27. Dezember in einem Drogeriemarkt mit einem Messer tödlich verletzt. Als tatverdächtig gilt der Ex-Freund der 15-Jährigen, ein Flüchtling aus Afghanistan. 

Täter schweigt weiter

Bislang macht der mutmaßliche Täter von seinem Schweigerecht Gebrauch und äußert sich nicht zu dem Messerangriff, sagt Ulrike Wilke, stellvertretende Abteilungsleiterin der Strafrechtsabteilung im rheinland-pfälzischen Justizministerium in Mainz am Donnerstag. Der Jugendliche ist laut Wilke „dringend tatverdächtig".

Nach der Tat durchsuchten Polizisten den Wohnraum des Beschuldigten in einer betreuten Wohngruppe in Neustadt an der Weinstraße. Dabei wurden laut Wilke unter anderem zwei Mobiltelefone sichergestellt. „Die aufgefundenen Beweismittel werden aktuell gesichtet." Daneben würden Zeugen vernommen, auch gebe es kriminaltechnische Untersuchungen.

dpa/jol

Quelle: Mannheim24

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