Opfer spricht vor Gericht

Versuchter Totschlag am Berliner Platz: „Das Blut spritzte wie aus einem Gartenschlauch!“ 

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Vor Gericht: Versuchter Totschlag am Berliner Platz in Ludwigshafen

Frankenthal/Ludwigshafen - Wegen versuchten Totschlags am Berliner Platz steht ein Angeklagter vor dem Landgericht. Bei der Vernehmung des Opfers kommen überraschende Details ans Tageslicht...

Im Januar beginnt am Frankenthaler Landgericht der Prozess gegen einen 36-jährigen Somalier. Er ist wegen versuchten Totschlags am Berliner Platz am 29. Juli 2018 angeklagt. Während am Freitag (25. Januar) bereits die Anklage verlesen wird, äußert sich der vermeintliche Täter am Montag (4. Februar) selbst zu dem Geschehen.

Versuchter Totschlag am Berliner Platz: Das sagt der Täter

Laut dem 36-jährigen Mohammed Hassan M., der seit Juni 2013 in Deutschland und seit November 2013 in Ludwigshafen wohnt, ist er an dem Tag der Straftat stark betrunken. Auf mehrfache Nachfrage des Richters gibt der Angeklagte zu, dass er sehr oft und sehr viel Alkohol trinkt – bis zu fünfmal pro Woche! Dabei trinkt er gerne zehn Bier oder in seiner Stammkneipe auch mit Bekannten eine Flasche Whiskey.

Am 29. Juli 2018 bechert er ebenfalls ordentlich: Kurz vor der Tat hat er insgesamt 8 Flaschen Bier und 4 Cola-Whiskey intus! Am Berliner Platz an einer Bank eskaliert die Situation dann nach Mitternacht. Er trifft dort auf eine Gruppe von insgesamt fünf Menschen: Drei „Hellhäutige“, wie der extra angeforderte somalische Dolmetscher übersetzt, ein Kenianer und ein weiterer Somalier, der 24 Jahre alt ist. Dadurch, dass der Angeklagte kein Wort Deutsch spricht, kommt es immer wieder zu Problemen und Widersprüchen in seiner Aussage. 

Der eine „Helle“ soll laut dem 36-Jährigen ein Fahrrad gehabt haben, mit dem er eine kleine Runde drehen will. Doch dazu kommt es erst gar nicht: Als er auf das Fahrrad aufsteigen möchte, schubst ihn der andere Somalier auf den Boden! Dabei verletzt er sich an Ellenbogen und am Knie. 

Daraufhin trinkt er weiter und möchte die anderen aus der Gruppe ansprechen. Sein Landsmann reagiert aggressiv und soll gesagt haben: „Das sind meine Freunde, rede nicht mit ihnen!“, packt ihn am Hals und stößt ihn weg. 

Das Landgericht Frankenthal leitet auch die Ermittlungen in einem weiteren schrecklichen Fall in Ludwigshafen: Wurde ein Kind in einer Kita missbraucht? 

Angeklagte wollte dem Opfer „nur Angst einjagen“ 

Zu einem weiteren Konflikt kommt es, als der Angeklagte einen der „Hellen“ um eine Zigarette bittet. Der andere Somalier schlägt ihm diese dann aus der Hand - woraufhin der 36-Jährige aggressiv wird. Der 24-Jährige provoziert ihn. „Greif mich doch an“, übersetzt der Dolmetscher. „Ich wollte ihm nur Angst einjagen“, erinnert sich der vermeintliche Täter.

Deshalb greift er nach einer der Bierflaschen, zerschlägt sie und sticht sie dem 24-Jährigen einmal in den Hals! Er wird durch die vier Zentimeter lange Stichwunde schwer verletzt und blutet stark. Nach der Tat erschrickt Mohammed M. über sich selbst und geht weg. Auf seinem Heimweg greift ihn die Polizei auf.

Auf der Wache wird dann klar, wie viel der Somalier tatsächlich getrunken hat: Selbst nach der Tat gegen 4:30 Uhr morgens zeigt der Test eine Wert von 1,92 Promille an! Außerdem wird bei der Blutkontrolle klar, dass der Verdächtige Cannabis konsumiert - was er während seiner Aussage durchgängig verneint.

Richter zeigt vollen körperlichen Einsatz

Um den Tathergang genau nachvollziehen zu könne, zeigt der verantwortliche Richter vollen Körpereinsatz. Er stellt sich vor den Angeklagten und fordert ihn auf, die Szene genau nachzustellen. In welchem Abstand standen die beiden Somalier zueinander? Wie genau hat er sein Opfer angegriffen?

Auch sein Opfer kommt am Montag (25. Januar) zu Wort und schildert die Geschehnisse vor Gericht. Doch dann die Überraschung: Er erzählt etwas ganz anderes!

Das Opfer erzählt eine ganz andere Geschichte 

Der 24-jährige Somalier Ahmed Abde S. erinnert sich, dass an diesem Abend viel Alkohol im Spiel ist. Allerdings sind laut ihm der Angeklagte, ein Pole und ein Halb-Russe in der Nähe des Bahnhofs Ludwigshafen Mitte vor Ort. Ein weiterer Somalier ist bereits früher am Abend gegangen. Einer seiner Freunde macht Ahmed S. auf einen Streit zwischen dem 36-Jährigen und dem bereits stark betrunkenen Polen aufmerksam. Daraufhin versucht er, den Streit zu schlichten.

„Ich habe den Tod vor meinen Augen gesehen“ 

Nachdem er vom Pinkeln kommt, wird Ahmed S. plötzlich von Mohammed M. angegriffen! Er erinnert sich deutlich an den „Schlag“, wie er den Angriff bezeichnet und macht eine Handbewegung nach, die sich stark von der unterscheidet, die der Angeklagte zuvor dem Richter gezeigt hat. „Das Blut spritzt wie aus einem Gartenschlauch“, erinnert sich das Opfer, der ebenfalls die Hilfe eines somalischen Dolmetschers in Anspruch nimmt. „Ich habe den Tod vor meinen Augen gesehen!“ 

Er hält sich die Hand an die Wunde und rennt davon. Bevor er ohnmächtig wird, bittet er „Jungs und Mädels“ am Berliner Platz um Hilfe. Sie rufen einen Krankenwagen und die Polizei.

Das Opfer hat dem Täter verziehen 

Auch wenn sich Täter und Opfer in einigen wichtigen Aspekten wie dem genauen Ort, den anwesenden Personen und dem exakten Tathergang stark widersprechen, hat die Konfrontation der Beiden doch etwas Gutes: „Ich habe ihm bereits verziehen“, erklärt Ahmed S. Mohammed M. zeigt Reue und entschuldigt sich bei seinem Opfer.

Außerdem wird der Polizeibeamte, der nach der Verhaftung den vermeintlichen Täter verhört, als Zeuge befragt. Auch die Beamtin, die das Opfer im Krankenhaus befragt hat, sagt vor Gericht aus. Der Prozess wird am 6. Februar um 9 Uhr fortgesetzt. Dann werden weitere Zeugen befragt.

Immer wieder kommt es am Berliner Platz zu Körperverletzungen. Wie sicher sich die Menschen dort tatsächlich fühlen, zeigt das Ergebnis einer Sicherheitsbegehung, die im Januar 2019 von der Stadt und der Polizei organisiert wurde.

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cet

Quelle: Mannheim24

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