Handelsriese in der Krise

Kaufhof-Schließungen: „Strategieloser Sparkurs“ – OB Kurz kritisiert Unternehmen

Galeria Karstadt Kaufhof schließt zahlreiche Filialen. Verdi und das Wirtschaftsministerium suchen nun eine Lösung. Peter Kurz kritisiert das Unternehmen bei einer Solidaritätsbekundung. 

  • Galeria Karstadt Kaufhof: Der Handelsriese muss nach der Corona-Krise 62 Filialen schließen
  • Tausende Mitarbeiter von Kaufhof könnten ihren Job verlieren
  • Am Freitag soll bekannt werden, welche Filialen geschlossen werden müssen – sind Heidelberg und Mannheim auch dabei?

Update vom 5. Juli: „Noch ist die endgültige Entscheidung jedoch nicht gefallen! Gespräche und Verhandlungen laufen auf allen Ebenen. Die Stadt Mannheim steht an der Seite der Beschäftigten“, schreibt Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz auf Facebook. Am Samstag (4. Juli) kommen dutzende Menschen für eine Solidaritätsbekundung an den Kapuzinerplanken zusammen. Dabei geht es um die Schließung der Galeria Karstadt-Kaufhof Filiale in N7. Kurz kritisiert in seinem Post auch das Unternehmen und dessen „jahrelangen strategielosen Sparkurs“, der neben Corona und allgemeinen Trends zu Schließung führen würde.

Kaufhof vor der Massen-Schließung – Verdi und Ministerium suchen Lösung

Update vom 3. Juli: Die Gewerkschaft Verdi und das baden-württembergische Wirtschaftsministerium kämpfen um den Erhalt der Galeria Kaufhof und Karstadt Filialen in der Region. Aufgrund der Corona-Krise und der damit verbundene finanziellen Verluste sollen die Galeria-Kaufhof-Häuser Mannheim N7, Stuttgart-Bad Cannstatt und Göppingen, die Karstadt-Häuser Leonberg
und Singen sowie Karstadt Sports in Stuttgart geschlossen werden. Davon wären 340 Beschäftigte betroffen!

WarenhausketteGaleria Karstadt Kaufhof
GründerLeonhard Tietz
Mitarbeiterca. 28.000
HauptsitzKöln

Ministerin Nicole Hoffmeister-Kraut gibt daher das Ziel aus, die bestehenden Filialen zukunftssicher zu machen und die bedrohten Häuser so gut es geht zu retten. Dafür hat sie sich mit Verdi zusammengesetzt. „Wenn alle Kräfte -
Kommunen, Wirtschaftsministerium, Vermieter und Beschäftigte - zusammen nach Lösungen suchen, werden wir weitere Häuser retten können“, sagt Verdi-Landesbezirksleiter Martin Gross. Außerdem betont er, dass mit der Schließung von
Traditionskaufhäusern in fünf Städten im Land ein zentraler Anker für den innerstädtischen Einzelhandel unwiderruflich verloren gehe. Das habe gravierende Auswirkungen weit über die unmittelbar betroffenen Häuser und Beschäftigten hinaus

Kaufhof-Schließung: 6.000 Mitarbeitern droht Arbeitslosigkeit

Update vom 19. Juni, 14:35 Uhr: Es steht nun fest: 62 der 172 Kaufhof-Filialen werden geschlossen. Damit werden 6.000 Mitarbeiter arbeitslos. Wie die Rheinpfalz berichtet, will Verdi dagegen aber noch vorgehen. Allein in Baden-Württemberg werden voraussichtlich fünf Filialen geschlossen. Wie Verdi am Freitag mitteilt, sollen der Kaufhof in Mannheim, Stuttgart-Bad Cannstatt und Göppingen zugemacht werden. Außerdem sollen die Karstadt-Häuser in Leonberg und Singen geschlossen werden. Etwa 300 Mitarbeiter sind davon betroffen.

In Rheinland-Pfalz schließen die Filialen in Landau und Worms, in Hessen machen laut HR-Informationen vier Kaufhäuser zu. Sie werden in den Städten Frankfurt, im Hessen-Center in Bergen-Engheim geschlossen. Außerdem macht ein Kaufhaus im Main-Tanus-Einkaumzentrum in Sulzbach zu und eines in Fulda

Kaufhof-Schließung: Einziger Weg, um das Unternehmen zu retten

Update vom 19. Juni, 13:37 Uhr: Durch die Schließung von 62 der 172 Kaufhof-Filialen droht rund 6.000 Mitarbeitern der Jobverlust. Das berichtet die Gewerkschaft Verdi am Freitag. Nach einer am Donnerstag erzielten Vereinbarung zwischen Unternehmensführung, Gewerkschaft und Betriebsrat können die Betroffenen demnach aber für mindestens sechs Monate in eine
Transfergesellschaft wechseln. Nach Darstellung von Galeria Karstadt Kaufhof ist die Schließung von mehr als einem Drittel der Warenhäuser der einzige Weg, um das Unternehmen zu retten. Die betroffenen Filialen hätten angesichts der Auswirkungen
der Corona-Krise keine Fortführungsperspektive mehr und bedrohten die Existenz des Gesamtkonzerns. In Kürze sollen die Mitarbeiter darüber informiert werden, welche Filialen geschlossen werden.

Kaufhof-Schließungen: Heute erfahren Mitarbeiter, welche Filialen betroffen sind

Erstmeldung vom 19. Juni, 10:30 Uhr: Die Corona-Krise* hat Deutschlands letzter großer Warenhauskette schwer zugesetzt. Jetzt sieht sich Galeria Karstadt Kaufhof zum Kahlschlag gezwungen – 62 der 172 Filialen sollen schließen, tausende Jobs sind bedroht. Die rund 28.000 Beschäftigten von Galeria Kaufhof sollen nach dpa-Informationen am Freitag gegen 14 Uhr über die Schließungspläne informiert werden. Ob Filialen in Baden-Württemberg, zum Beispiel eine der vier Kaufhof-Filialen in Mannheim und Heidelberg*, von den Kaufhof-Schließungen betroffen sind, ist noch unbekannt.

Galeria Kaufhof schließt 62 Filialen – Hiobsbotschaft nicht nur für Mitarbeiter

Die Schließung von 62 der 172 Kaufhof-Filialen ist nicht nur eine Hiobsbotschaft für Tausende Mitarbeiter von Galeria Karstadt Kaufhof, sondern auch für viele deutsche Innenstädte. Wie HEIDELBERG24* berichtet, will das Unternehmen zwar nun „nur“ 62 und nicht, wie zuvor signalisiert, 80 Filialen schließen – doch das ist nur ein schwacher Trost. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeigers“ dürften rund 6.000 der 28.000 Mitarbeiter ihren Job verlieren.

Galeria Kaufhof schließt 62 Filialen (Archivfoto)

Auch in den vielen von den Kaufhof-Schließungen betroffenen Städten herrscht Alarm-Stimmung. Norbert Portz vom Deutschen Städte- und Gemeindebund warnte schon bei Bekanntwerden der ersten Schließungspläne im Mai vor der Gefahr einer Verödung vieler Innenstädte. „Galeria Kaufhof Karstadt ist nicht irgendwer. Die Warenhäuser sind für viele Innenstädte systemrelevant“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Galeria Kaufhof: Tausende Jobs bedroht – Verdi warnt vor dramatischen Auswirkungen

Auch die Gewerkschaft Verdi hat davor gewarnt, dass eine Schließungswelle bei Galeria Karstadt Kaufhof Ausiwrkungen weit über das Unternehmen hinaus haben wird. Mittelfristig seien dadurch auch Zehntausende von Arbeitsplätzen bei anderen Einzelhändlern und die Attraktivität ganzer Innenstädte bedroht.

Mitte Mai war bekannt geworden, dass Galeria Kaufhof Filialen schließen muss. Der Handelsriese ist durch die wegen Corona erzwungene Schließung aller Filialen in eine schwere Krise geraten und hatte Anfang April Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen. Die Geschästführung von Galeria Karstadt Kaufhof hatte seine Angestellten in einem Brief über die anstehenden Entlassungen und Schließungen informiert. Dieser Brief wurde von Verdi mit Entsetzen aufgenommen. Das Unternehmen habe über Jahre kein funktionierendes Konzept für den Handel erarbeitet, kritisierte Sabine Möller von Verdi Rhein-Neckar im Mai. „Dafür tragen möglicherweise wieder die Beschäftigten die Konsequenzen.“ An den Kaufhof-Standorten in Mannheim und Heidelberg sind derzeit noch 300 Mitarbeiter angestellt.

Kaufhof schließt Filialen: Ungewisse Zukunft für Tausende Mitarbeiter

In den vergangenen Wochen haben die Gewerkschaft Verdi, der Betriebsrat und die Geschäftsführung von Kaufhof erbittert darum gerungen, welche Opfer die Beschäftigten noch bringen müssen und auf welche Einschnitte der Konzern verzichten kann. Am Mittwochabend meldete Verdi dann erste Fortschritte: Der geplante Personal-Abbau von 10 Prozent in den bestehenden Filialen sowie die Ausgliederung des Waren Service Teams (WST) seien „unter dem Vorbehalt einer Gesamtlösung vom Tisch“, hieß es. Doch das Ringen um einen Sozialtarifvertrag, einen Interessensausleich für die von Kündigung betroffenen Kaufhof-Mitarbeiter und ein Zukunftskonzept für den Konzern ging weiter.

*HEIDELBERG24 ist Teil des Ippen-Redaktionsnetzwerks.

dpa/kab

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