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Corona-Schutz: Erschreckende Studie – so schlecht sind Gesichtsvisiere wirklich

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Von: Josefine Lenz

Schals, Tücher, selbstgemachte Masken – sie alle dürfen im Kampf gegen das Coronavirus getragen werden. Doch wie sieht es mit Gesichtsvisieren aus? Was Experten sagen und wo Visiere verboten sind:

Update vom 10. Dezember: Für viele Menschen in Deutschland ist das Gesichtsvisier eine bequeme Alternative zur Maske. Weder beschlägt die Brille beim Tragen, noch wird die Atmung erschwert. Doch wie gut schützen Gesichtsvisiere vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus? Während sich die Expertem im Sommer noch uneins über die Wirksamkeit der Face Shields waren, zeigt eine Studie der japanischen Universität Fukuoka jetzt die Ineffektivität des Visiers. Sollte das Gegenüber des Trägers beispielsweise niesen, breiten sich die mikroskopisch kleinen Tröpfchen aus und gelangen schließlich seitlich und unter das Gesichtsvisier. Wenn der Visierträger in diesem Moment einatmet, besteht eine hohe Gefahr sich mit dem Coronavirus anzustecken.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät daher von einem Gesichtsvisier als alleinigen Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus ab. In Kombination mit einer chirurgischen Maske und Abstandsregeln bieten Visiere noch ein Stück mehr Sicherheit für den Träger. Auch das Robert-Koch-Institut sieht die Face Shields problematisch. Die Rückhaltewirkung von Visieren auf ausgestoßene respiratorische Flüssigkeitspartikel sei deutlich schlechter, so das RKI.

Dadurch dass Mund und Nase nicht so gut abgedeckt werden, gelangen mehr Aerosole in die Luft. Da Aerosole nach derzeitigem Stand ein wichtiger Faktor beim Übertragen des Coronavirus sind, soll genau das vermieden werden. Als zusätzlicher Schutz oder als freiwillige Maßnahme bei einer Befreiung von der Maskenpflicht sind Visiere gestattet.

Gesichtsvisier statt Maske: In welchen Bundesländern ist das überhaupt erlaubt?

Während in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Bremen, Hamburg, Niedersachsen im Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Hamburg und Thüringen keine Gesichtsvisiere als Alternative zur Maske erlaubt sind, werden Face Shields in der Corona-Verordnung von Brandenburg nicht explizit benannt. Nach der aktuellen Regelung muss eine Mund-Nasen-Bedeckung „aufgrund ihrer Beschaffenheit geeignet sein, eine Ausbreitung von übertragungsfähigen Tröpfchenpartikeln beim Husten, Niesen, Sprechen oder Atmen zu verringern, unabhängig von einer Kennzeichnung oder zertifizierten Schutzkategorie“.

Auch in den Landesverordnungen von Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz sind keine Informationen zu Gesichtsvisieren zu finden. Für Beschäftigte in Nordrhein-Westfalen gilt das Tragen eines Gesichtsvisiers als Alternative zur Gesichtsmaske und zu einer Abtrennung des Arbeitsplatzes mit Plexiglas.

Statt Maske: Wie gut ist das Gesichtsvisier wirklich – und wo ist es verboten?

Erstmeldung vom 8. Juni: Seit Ende April haben wir alle beim Einkaufen, Bahn fahren oder beim Essen gehen eine Maske auf. Manche von uns greifen dabei zu FFP-Masken, andere tragen einen selbstgemachten Mundschutz und andere wiederum binden sich einfach kurz einen Schal um Mund und Nase. Diese textilen Formen einer Maske sind in allen Bundesländern erlaubt und sollen im Kampf gegen das Coronavirus helfen. Denn der Mundschutz soll Tröpfchen, die beim Reden, Husten oder Niesen entstehen, zurückhalten.

MaskeEinwegmaskeFFP2/FFP3-Maske mit VentilFFP2/FFP3-Maske ohne VentilSelbstgemachte MaskeSchal oder Tuch
Eigenschutzneinjajaetwasetwas
Fremdschutzjaneinjajaetwas

Doch neben den vielen Maskenarten gibt es auch noch eine andere Gesichtsbedeckung, die von vielen Menschen gern getragen wird – das sogenannte Face Shield. Dieses Gesichtsvisier gibt es für 10 bis 15 Euro zu kaufen, besteht aus Plastik und wird um die Stirn befestigt. Das durchsichtige Face Shield sieht auf den ersten Blick etwas skurril aus, wird aber von oft einer Maske bevorzugt. Zum einen können Gehörlose so die Mimik des anderen erkennen, zum anderen empfinden die Träger das Face Shield angenehmer und können besser atmen. Aber schützen die Gesichtsvisiere tatsächlich vor Corona?

Gesichtsvisier statt Maske – schützen Face Shields gegen das Coronavirus? Experten uneinig

Genau bei dieser Frage scheiden sich die Geister. In einem Podcast des MDR sagt Seuchen-Experte Alexander Kekulé, dass die Gesichtsvisiere „genauso gut" seien wie Stoffmasken. Ganz feine Tröpfchen könne das Face Shield zwar nicht abhalten, aber diese würden keine Corona-Infektion verursachen.

Eine Hand hält ein Gesichtsvisier.
Ein Gesichtsvisier im Kampf gegen das Coronavirus © Britta Pedersen/picture-alliance/dpa

Eine andere Meinung hat Virologe und Laborchef Martin Stürmer. Da die Visiere nicht an den Seiten abschließen, können Aerosole durch die Luft zum Gesicht kommen. Die Betroffenen können so Coronaviren ein- und ausatmen. Allerdings: Experten sind sich zwar sicher, dass das Coronavirus an Aerosolen haften kann, wie infektiös Covid-19 dann aber noch ist, ist nicht gewiss. Unter anderem forschen Wissenschaftler der Technischen Universität Berlin daran. Martin Kriegel, der die Forschung leitet, gibt zu, dass ein Mundschutz die Partikelanzahl nicht reduziere. „Ungefähr 80 bis 90 Prozent der Aerosole geht durch die Undichtigkeit der Maske trotzdem in die Raumluft“, so Kriegel. Damit schützen Masken und Gesichtsvisiere gleich schlecht gegen Aerosole. Aber: Kriegel betont, dass eine andere Person durch einen Mundschutz nicht direkt von der ausgeatmeten Luft getroffen wird. Die Atemluft verdünnt sich stattdessen mit der Raumluft „und trifft mich dann indirekt über einen Umweg, aber eben einer sehr geringen Konzentration. Deswegen bringt das Maskentragen natürlich schon was, gerade wenn man den Abstand nicht wahren kann“, erklärt er weiter.

Diese Meinung teilt auch das Robert-Koch-Institut (RKI) und empfiehlt das Tragen einer textilen Maske. Ein Gesichtsvisier sei keine „gleichwertige Alternative zur herkömmlichen Maske. Der Spuckschutz halte nur die Tröpfchen auf, die direkt auf der Plastikscheibe landen. Seitlich bringe das Face Shield keinen Schutz. „Die Verwendung von Visieren anstelle von MNB wird derzeit bereits von verschiedenen Herstellern beworben, ohne dass Belege für die Äquivalenz dieser Ersatzmaßnahme vorliegen“, so das RKI. Tierversuche mit Hamstern haben außerdem schon bewiesen, dass Einwegmasken gegen das Coronavirus schützen können.

Visiere statt Maske: In vielen Ländern sind Face Shields verboten

Genauso uneins wie die Forscher, sind auch die Bundesländer. Während in Hessen, Hamburg und Rheinland-Pfalz (nur mit Attest) die Gesichtsvisiere erlaubt sind, sind in Baden-Württemberg, Bremen, Brandenburg, Bayern, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen verboten. Wer dort ein Face Shield statt Maske benutzt kann sich ein Bußgeld einhalten. Dieses liegt je nach Bundesland zwischen 50 bis 150 Euro.

Dann sollte man doch lieber zu einer textilen Maske greifen. Die kann zur Not ruckzuck selbstgemacht werden – man braucht dafür beispielsweise nur eine Socke. Wer außerdem unter Gehörlosigkeit, Asthma oder anderen medizinischen Problemen leidet, der kann sich außerdem von der Maskenpflicht befreien lassen. (jol)

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