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„Grafitti-Inge“ verbreitet gute Laune in Leimen – mit Sprühdosen gegen triste Stromkästen

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Von: Madlen Trefzer

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Leimen - „Graffiti-Inge“ verwandelt Stromkästen zu Botschaftern guter Laune. Die grauen Boxen sind der 80-Jährigen ein Dorn im Auge. Deshalb greift sie zur Sprühdose.

Inge Hess kommt aus Leimen in Baden-Württemberg und kämpft gegen hässliche Stromkästen. Mit Sprühdosen und launigen Sprüchen bewaffnet, schenkt sie den trist-grauen Boxen ein neues Leben. Die 80-jährige Graffiti-Künstlerin teilt ihr Hobby vornehmlich mit jungen Männern. Deshalb ist sie völlig unverhofft zu einer Berühmtheit in der Stadt im Rhein-Neckar-Kreis geworden.

„Grafitti-Inge“ bald bekannter als Boris Becker? Großes Medieninteresse in Leimen

Mit ihrer wachsenden Berühmtheit könnte Inge Hess bald sogar dem ebenfalls aus Leimen stammenden Ex-Tennisstar Boris Becker Konkurrenz machen. Mittlerweile bringen nämlich viele Menschen die Gemeinde Leimen mit der rüstigen Seniorin und ihrer ungewöhnlichen Freizeitbeschäftigung in Verbindung. „Graffiti-Inge“ kann die ihr entgegengebrachte überregionale Aufmerksamkeit in Presse und Fernsehen kaum fassen, während Boris Becker im Gefängnis sitzt – und dort ganz anderen Tätigkeiten nachgeht.

Alles beginnt mit dem verwahrlosten Stromkasten gegenüber ihres Eigenheims. Der Schandfleck nervt sie so sehr, dass sie laut Deutscher Presse-Agentur erst zu Schwamm und Putzmittel und dann zur Sprühdose greift. Andere Farben halten auf dem zum Teil faserigen Material nicht, erläutert sie. Auf den zunächst mit einer hellen Untergrundfarbe versehenen Flächen bringt sie mit Schablonen Motive des Illustrators und Kinderbuchautoren Janosch und des britischen Streetart-Künstlers Banksy auf. 

Graue Stromkästen lassen Inge Hess keine Ruhe. Geschrubbt und mit weißem Untergrund versehen sind sie für die Graffiti-Künstlerin eine unwiderstehliche Fläche.
Inge Hess steht vor dem Wohnhaus hinter einem von ihr mit Graffiti bemalten Müllbehälter. Die 80-Jährige verwandelt die unscheinbaren Objekte mit ihrer Spraydose in bunte Botschafter. © picture alliance/dpa | Uwe Anspach

Grafitti-Künstlerin Inge Hess verschönert 20 Stromkästen in ihrem Umkreis

20 Stromkästen im ihrem Umkreis hat sie bereits verschönert. Im Rathaus wird das Engagement der als „Graffiti-Inge“ bekannten Bürgerin gelobt. „Die leider überall anzutreffenden Schmierereien, die teils obszöne, beleidigende oder gar verfassungsfeindliche Inhalte zeigen, sind ein Schandfleck im kommunalen Erscheinungsbild“, meint Oberbürgermeister Hans Reinwald (CDU). Alles, das dazu beitrage, sie schnellstmöglich verschwinden oder besser gar nicht entstehen zu lassen, sei daher zu begrüßen.

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Inge Hess tut sich allerdings schwer damit, Graffiti-Sprayer in die Ecke von Straftätern zu stellen. Für das Ungestüme, das Unkonventionelle, ja zuweilen Brutale der gesprühten Bilder hat die Seniorin durchaus Verständnis: „Die jungen Leute brauchen doch ein Ventil“, meint sie. (dpa/mad)

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