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Heidelberg: Flut-Katastrophe in RLP und NRW – DRK schildert emotionalen Einsatz

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Von: Peter Kiefer

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Heidelberg – Der DRK-Kreisverband Rhein-Neckar/Heidelberg beteiligt sich an der Hochwasser-Hilfe für die Krisengebiete in RLP und NRW. Ihre Erlebnisse vor Ort:

Update vom 23. Juli: Am Dienstag kehren die Einsatzkräfte des DRK-Kreisverbandes Rhein-Neckar/Heidelberg vom Katastrophengebiet zurück. Am Freitag schildern sie ihren emotionalen Einsatz in einer Pressemitteilung:

Bereits am Donnerstag wurden die Einsatzkräfte aus Baden-Württemberg von Bruchsal aus in größeren Einsatzformationen in das Katastrophengebiet entsendet – 100 Krankentransportwagen (KTW) auf Anforderung des Landes Baden-Württemberg. Am Samstag erfolgte dann die erneute Alarmierung. Aus dem Rhein-Neckar-Kreis wurden 2 KTW und erneut Führungskomponente angefordert, diesmal bestehend aus Yvonne Wiedl, Matthias Reinhard und Patrick Bräunling „Zunächst warteten wir am Bereitstellungsraum am Nürburgring auf den Einsatzauftrag des dortigen Einsatzstabes“, erzählt Yvonne Wiedl, Kreisbereitschaftsleiterin des DRK- Kreisverbandes Rhein-Neckar/Heidelberg. Die dortige Boxengasse diente als Massenunterkunft für Hilfskräfte, das THW errichtet zudem eine Zeltstadt. Dennoch war es eng – und so schliefen viele Einsatzkräfte unter freiem Himmel.

Hunderte Einsatzkräfte sind in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen vor Ort.
Hunderte Einsatzkräfte sind in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen vor Ort. © Petra Uhlenbrock

Heidelberg: DRK hilft nach Flut-Katastrophe in RLP und NRW – „Plötzlich liegen Chaos und Zerstörung vor einem“

Am Montag wurde das Kontingent aus 32 KTWs nach Ahrweiler verlegt. Schon die Anfahrt war nicht wie andere: „Man fährt durch eine wirklich schöne Landschaft und plötzlich nach einer Kurve liegen Chaos und Zerstörung vor einem“ erzählt die Kreisbereitschaftsleiterin. „Ganze Landstriche, Straßen, Brücken, alles wurde von den Fluten zerstört“. Selbst erfahrenen Einsatzkräften verschlug es da erstmal die Sprache.

In Ahrweiler unterstützten die Kräfte nicht nur den Regelrettungsdienst, verlegten Patienten aus betroffenen Alten- und Pflegeeinrichtungen, sondern leisteten auch sogenannte Gebietsabdeckung in den Bereichen, die infrastrukturell abgeschnitten waren. Sie stellten also gemeinsamen mit der Feuerwehr eine Grundsicherung her, in Form von Anlaufpunkten für die Bevölkerung. Denn diese hatten vor Ort in ihren Häusern (sofern diese noch bewohnbar waren) weder Wasser, Strom, noch Kommunikationsmöglichkeiten. Durch diese Anlaufstellen kamen die Helferinnen und Helfer in regelmäßigen Kontakt mit den Betroffenen. „Uns als Deutschem Roten Kreuz schlug vor Ort große Dankbarkeit entgegen – übrigens bereits auf der Anfahrt im Konvoi. Die Menschen haben sich über unsere Hilfe sehr gefreut und uns auch ihre Geschichten anvertraut“, erzählt Yvonne Wiedl.

Das DRK schildert einen sehr emotionalen Einsatz in den Krisengebieten
Das DRK schildert einen sehr emotionalen Einsatz in den Krisengebieten © Petra Uhlenbrock

So berichtete ein Opfer der Flutkatastrophe, dass er sich aus dem Untergeschoss seines Hauses innerhalb weniger Minuten schwimmend aus seinem Schlafzimmer zur Treppe retten musste, um das Haus verlassen zu können. Das Wasser sei im Zimmer innerhalb von 30 Sekunden um einen halben Meter gestiegen. Jede Warnung lief ins Leere, denn: „Was macht man, wenn vor Unwetter und Starkregen gewarnt wird? Man bleibt zuhause“, erzählte der Überlebende ratlos.

Heidelberg: Flut-Katastrophe in RLP und NRW – Traumatische Erlebnisse für Opfer und Retter

Zusätzlich zu den traumatischen Erlebnissen mussten die Betroffenen anpacken und mit den Aufräumarbeiten beginnen. Denn das sommerliche Wetter hatte eine Austrocknung des Schlammes zufolge, welcher diesen hart wie Beton machte. „In vielen Fällen wird hier eine psychologische Aufarbeitung der Geschehnisse nötig sein – übrigens auch bei manchen der eingesetzten Rettungskräfte“, vermutet Yvonne Wiedl. Vor Ort sind längst viele Helferinnen und Helfer der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) im Einsatz. „Diese Unterstützung ist sehr wichtig, denn die Situation vor Ort war wirklich schrecklich. Es werden immer noch hunderte Menschen vermisst. Die Chancen, dass von denen jemand noch lebt, sind gering. Dieser Einsatz ging an niemandem von uns spurlos vorbei“, gibt Yvonne Wiedl unumwunden zu.

Matthias Reinhard (DRK HD/RN), Tobias Adler & Franziska Roth (Malteser), Yvonne Wiedl, Patrick Bräunling und Marc Philippin (DRK HD/RN)
Matthias Reinhard (DRK HD/RN), Tobias Adler & Franziska Roth (Malteser), Yvonne Wiedl, Patrick Bräunling und Marc Philippin (DRK HD/RN) © Petra Uhlenbrock

Seit Dienstagmittag sind alle Einsatzkräfte aus dem DRK-Kreisverband Rhein-Neckar/Heidelberg wohlbehalten zurückgekehrt. In Gedanken sind sie aber noch oft bei den Menschen, die fast alles verloren haben – und natürlich bei den verbliebenen Kolleginnen und Kollegen, die vor Ort weiterhin viel riskieren. Der Einsatz im Unglücksgebiet wird noch Wochen dauern. Die Katastrophenschützer aus Heidelberg und dem Rhein-Neckar-Kreis stehen jedenfalls schon wieder bereit, sollten sie erneut angefordert werden. 

Heidelberg: Flut-Katastrophe in RLP und NRW – Du willst helfen?

Das DRK rät Spontanhelfern von außerhalb dringend davon ab, einfach in die Katastrophengebiete zu reisen. Das würde die koordinierten Hilfsmaßnahmen gefährden. Auch auf Sachspenden bitten wir zu verzichten – es sind bereits so viele Sachspenden eingegangen, dass diese Menge kaum noch zu verteilen ist. Am effektivsten sind zentrale Geldspenden, um die betroffenen Menschen zu unterstützen.

Spendenkonto „Hochwasser“ des DRK:
IBAN: DE63370205000005023307
BIC: BFSWDE33XXX
Stichwort: Hochwasser

Heidelberg: Flut-Katastrophe in RLP und NRW – DRK-Kreisverband hilft

Erstmeldung vom 19. Juli: Auf Anforderung des Landes Baden-Württemberg wurden am vergangenen Donnerstag (15. Juli) 100 Krankentransportwagen (KTW-B) des Bevölkerungsschutzes von Bruchsal aus für die Versorgung der Hochwasser-Krisengebiete in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen in größeren Einsatzformationen in das Katastrophengebiet entsendet. Aus dem DRK Kreisverband Rhein-Neckar/Heidelberg e.V. waren fünf KTW-B sowie das Führungsmodul für den Bereich des RP Karlsruhe im Einsatz.

Die angeforderten Fahrzeuge wurden für den Transport und die Notfallversorgung von Patienten sowie die Evakuierung von Krankenhäusern und anderer stationärer Einrichtungen im von der Jahrhundert-Flut besonders betroffenen Raum Ahrweiler eingesetzt.

Nach dem Unwetter in Rheinland-Pfalz
Kampf gegen die braunen Massen: In Ahrweiler versuchen Anwohner und Ladeninhaber, ihre Häuser von Schlamm zu befreien. © Thomas Frey/dpa

Am Samstag (17. Juli) wurden weitere Einsatzkräfte mit den KTW-B seitens DRK und Malteser Hilfsdienst entsendet, auch das Führungsmodul des RP Karlsruhe wurde wieder mit Personal des DRK Kreisverbandes Rhein-Neckar/Heidelberg besetzt und koordiniert die Einsätze vor Ort. Es werden neben persönlicher Hygiene ebenso Essen und Feldbetten mitgeführt, um sich ggf. selbst zu versorgen, da der Einsatz zunächst für fünf Tage angesetzt ist. Darüber hinaus stehen weitere Schnelleinsatzgruppen (SEG-E) bereit und können bei Bedarf ebenfalls kurzfristig in den Einsatz.

Heidelberg: DRK-Kreisverband hilft solange, wie es nötig ist

Die sich ebenfalls aus dem DRK-Kreisverband Rhein-Neckar/Heidelberg im Einsatz befindende Kreisbereitschaftsleiterin Yvonne Wiedl beschreibt die ganz spezielle und in der Dimension kaum fassbare Katastrophe gegenüber ihren Helfern*innen und den sich noch im Voralarm befindlichen Einsatz- und Führungskräften regelmäßig. Dabei spürt sie vor Ort die besondere Dankbarkeit, die Hoffnung und Zuversicht aber auch Ängste, Verzweiflung und Trauer. „Für all diese Situationen wollen und werden wir für die Mitmenschen vor Ort sein – solange es dessen bedarf“.

Die Flotte des DRK-Kreisverbands Rhein-Neckar/Heidelberg macht sich auf den Weg in die von Überschwemmungen betroffenen Krisengebiete.
Die Flotte des DRK-Kreisverbands Rhein-Neckar/Heidelberg macht sich auf den Weg in die von Überschwemmungen betroffenen Krisengebiete. © DRK-Kreisverband Rhein-Neckar/Heidelberg

Dabei rät das DRK dringend davon ab, von außerhalb als Spontanhelfer oder mit Sachspenden in die Katastrophengebiete zu reisen. Das würde vor Ort die koordinierten Hilfsmaßnahmen gefährden. Auch werden fast überall in den betroffenen Gebieten derzeit keine weiteren Sachspenden entgegengenommen. Die vielen in den letzten Tagen abgegebenen Sachspenden aus der Region können derzeit weder sortiert und oft auch nicht mehr gelagert werden. Die Infrastruktur im Katastrophengebiet ist völlig überlastet.

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Heidelberg: DRK-Präsident Wiesbeck bittet – „Lieber Geld- statt Sachspenden“

Deshalb bittet das DRK um Verständnis, dass bis auf weiteres keine Sachspenden für die Hochwassergebiete entgegengenommen werden können. „Das Beste ist eine Geldspende, mit dem das DRK vor Ort helfen kann“, so Jürgen Wiesbeck, Präsident des DRK-Kreisverbandes Rhein-Neckar/Heidelberg. Das DRK weist auf die Spendennummer hin, unter der das DRK bei seiner Katastrophenhilfe in den betroffenen Gebieten unterstützt werden kann.

Mit einem der größten Einzeleinsätze der letzten Jahrzehnte unterstützt das DRK in Baden-Württemberg damit die vielen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Einsatzkräfte von DRK und anderen Hilfsorganisationen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Darüber hinaus berät das DRK Baden-Württemberg mit Experten das Innenministerium Baden-Württemberg für die weitere Einsatzplanung. (PM/pek)

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