Neues Förderkonzept

EventKultur Rhein-Neckar kämpft gegen ‚Clubsterben‘!

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Die „halle02“ am Rand der Heidelberger Bahnstadt.

Heidelberg/Mannheim – Damit im Nachtleben der Metropolregion nicht noch mehr Lichter ausgehen und die Musik verstummt, soll ein neues Förderkonzept das ‚Clubsterben‘ eindämmen:

Das traurige ‚Clubsterben‘ grasiert nach dem Aus von „Schwimmbadclub“, „Nachtschicht“ und „Häll“ (alle Heidelberg) sowie „S.U.I.T.E“, „Alte Seilerei“ und „Mohawk“ (alle Mannheim) oder der „Homebase“ in Ludwigshafen weiter – große Neueröffnungen sind dagegen Fehlanzeige...

Dagegen will der „EventKultur Rhein-Neckar e.V.“ mit einem ausgeklügelten Förderungskonzept mobil machen!

„Das Verständnis der Nachbarn fehlt oft“, weiß Felix Grädler (Chef „halle02“). 

Es soll ein Topf geschaffen werden, aus dem die Gelder gemäß dem GEMA-Schlüssel an die Clubs verteilt werden“, erklärt der 1. Vorsitzende des Clubverbands Felix Grädlerhalle02“-Chef. Das ambitionierte Ziel: Ein Betrag von mindestens 150.000 Euro zur Förderung des kulturellen Angebots der Clubs.
17 Mitglieder hat der im August 2012 gegründete Verband der Clubbetreiber, Veranstalter & Kulturereignisschaffenden – darunter Big Player wie die SAP Arena, Popakademie oder BB Promotion

Wer wird gefördert?

Clubs und Musikinitiativen mit festem Spielort in der Metropolregion Rhein-Neckar, die pro Jahr mindestens 24 Konzerte (inkl. Live-DJs) veranstalten – hierzu zählen auch Konzerte mit GEMA-freiem Repertoire. Die Größe der Location beträgt bis zu 1.000 Quadratmeter, die maximale Besucherzahl 2.000 Personen.

Um es auf eine Faustformel herunterzubrechen: Clubs, die mehr Konzerte veranstalten, erhalten auch mehr finanzielle Unterstützung.

Wie wird gefördert?

Im Rahmen der verfügbaren Mittel werden für Live-Musik gezahlte GEMA-Urheberrechtsvergütungen vollständig erstattet – oder alternativ Beiträge für die Künstlersozialkasse.

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Zusätzlich zu dem Förderkonzept wird eine dreiteilige Studie zur Veranstaltungswirtschaft bezüglich des kulturellen und wirtschaftlichen Potenzials erstellt, die zum „Reeperbahn Festival“ 2018 vorgestellt werden soll. Sie umfasst:

  1. Eine qualifizierte Umfrage des Publikums durch den Studiengang Messe-, Kongress- und Eventmanagement der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (Mannheim), wie zufrieden die Konsumenten mit dem Angebot sind.
  2. Im Rahmen zweier Master-Arbeiten von Popakademie-Studenten werden Akteure der Veranstaltungswirtschaft online befragt, um Defizite zu beleuchten und die Wirtschaftskraft zu erfassen.
  3. Durch IHK Rhein-Neckar, Metropolregion Rhein-Neckar und Startup Mannheim werden 20 relevante Arbeitgeber in der Region dazu befragt, wie wichtig die Veranstaltungsbranche als Standortfaktor ist.

Doch warum schließen immer Clubs in und um Heidelberg und Mannheim?

Es geht dabei nicht immer ums Geld, sondern auch um Strukturen! Die meisten Clubs schließen nicht wegen zu wenig Publikum sondern wegen der Rahmenbedingungen.  Oft fehlt auch das Verständnis der Nachbarn. Speziell in Heidelberg haben wir nicht zu viel Konkurrenz – eher zu wenig. Ein gutgehender Club ist für die Stadtentwicklung wichtig. Er ist quasi Stadtmarketing, das sich für die Kommune doppelt und dreifach auszahlt“, erklärt Nightlife-Profi Grädler

Zu diesen Rahmenbedingungen zählen Dinge wie veränderte Brandschutzbestimmungen, Lärmschutzrichtlinien oder auch Arbeitszeit- und Mindestlohngesetz. 

Viele Club-Betreiber müssen aber auch einfach umdenken!

Die beiden Vorsitzenden des EventKultur Rhein-Neckar e.V.: Ingrid Wolschin und Felix Grädler.

Früher konntest Du einen Club zehn Jahre lang erfolgreich nach dem gleichen Muster führen – und hast viel Geld damit verdient.  Das geht heute nicht mehr! Man muss sich ständig neu erfinden, den Leuten etwas Neues bieten“, erklärt die 2. Vorsitzende Ingrid Wolschin. Und die 63-jährige Geschäftsführerin des legendären „Karlstorbahnhof“ weiß, wovon sie spricht. 

Außerdem habe sich das Ausgehverhalten der jungen Leute deutlich verändert: „Heutzutage geht man erstmal schön zum Essen ins Restaurant – nicht mehr nur abends abrocken. Und ob man dann noch extra weite Wege fährt, um im Club zu feiern, ist fraglich... Je mehr Heidelberg zurückfällt, desto mehr junge Leute gehen nach Mannheim, wo sich kulturell unheimlich viel tut.“ 

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Der Verband freut sich auch über Unterstützung – gerne auch von finanzkräftigen Firmen! Hier findest Du alles über die Arbeit des EventKultur Rhein-Neckar e.V. – auch, wie Du selbst Förderung beantragen kannst.

Die Kult-Location „Schwimmbadclub“ wird abgerissen  

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pek

Quelle: Mannheim24

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