„Den Weg fahr ich im Schlaf“

Erhöhte Unfallgefahr im Herbst: Polizei warnt Radfahrer mit Schock-Video

+
Die Radfahrerin fährt bei Rot über die Ampel an der Gaisbergstraße und wird frontal von einem Audi erfasst.

Heidelberg/Mannheim - Wenn Routine zur Gefahr wird … Mit einem schockierenden Dashcam-Video macht die Polizei auf ein höheres Rad-Unfallrisiko in den ‚dunklen Monaten‘ aufmerksam.

Wenn Unachtsamkeit zur Gefahr wird …

Es sind schockierende Szenen, mit denen die Verkehrspolizei Radfahrer für mehr Achtsamkeit im Straßenverkehr und korrekte Fahrweise sensibilisieren will: Das Dashcam-Video zeigt einen Unfall, der sich im Juli 2016 an der Fußgängerfurt am Adenauerplatz ereignet.

Ein Autofahrer fährt von der Kurfürsten-Anlage kommend in Richtung Gaisbergtunnel. Als das Fahrzeug noch gut 40 Meter von der Fußgängerfurt an der Gaisbergstraße entfernt ist, springt die Ampel auf Grün. Ein Radfahrer fährt noch schnell über den Übergang, obwohl die Fußgängerampel da schon lange Rot zeigt. 

Gut vier Sekunden später passiert der Wagen den Übergang. In diesem Moment fährt eine weitere Radfahrerin von rechts auf die Straße – ohne nach links zu schauen!

Obwohl der Audi-Fahrer sofort bremst, erfasst er die Radlerin frontal. Sie stürzt über die Motorhaube hinweg auf die Fahrbahn. Der Radkorb löst sich vom Gepäckträger, eine weiße Tasche fliegt heraus. Das Fahrrad schleudert einige Meter weiter und landet links am Stadtgarten an einem Stromkasten. 

Die 17-jährige Radfahrerin hat Glück im Unglück. Sie schlägt nicht gegen die Windschutzscheibe und kommt mit glimpflichen Verletzungen davon, obwohl sie keinen Helm trägt.

Unfallrisiko Routine

 Der Mann schlägt voll auf die Windschutzscheibe auf, die daraufhin zerbirst. Er trägt keinen Helm und wird mit schweren Kopfverletzungen in ein Krankenhaus gebracht, wo er derzeit noch immer liegt. 

Fotos: Unfall vor Gaisberg-Tunnel

Laut Zählanlage passierten an diesem Tag fast 6.000 Radler die an der Gaisbergstraße montierte Fahrradzählanlage. Bei vielen von ihnen beobachtet die Polizei eine „lebensgefährliche Routine“: Radfahrer, die die Furt von der Gaisbergstraße kommend vorsätzlich bei Rot überqueren, riskieren von Fahrzeugen umgefahren zu werden, die geradeaus in den Gaisbergtunnel wollen.

Nach vier Jahren Erfahrung mit der Aktion plus5 in Heidelberg stellen wir fest, dass Aufklärung allein nicht hilft“, sagt Dieter Schäfer, Chef der Verkehrspolizei. „Aus der Unfallforschung wissen wir, dass die tägliche Routine das Gefahrenbewusstsein überlagert. Den Ausspruch ‚Den Weg fahre ich im Schlaf‘ kennt jeder. Routine reduziert die Aufmerksamkeit. Daraus erwächst eine Selbstüberschätzung. Und diese verursacht ein falsches Gefahrenradar“, so Schäfer.

Gerade im Herbst und im Winter sind Radfahrer auch schwerer zu erkennen. „Licht am Fahrrad, helle und reflektierende Oberbekleidung oder Accessoires und mittlerweile auch in der Dunkelheit reflektierende Helme steigern die eigene defensive Verkehrssicherheit“, so die Polizei.

Auch interessant: Für E-Scooter-Rowdys beginnt das Zittern: Polizei will hart durchgreifen!

Verstärkt Rad-Kontrollen im November

Dabei ist die Fußgängerfurt an der Gaisbergstraße nur einer von vielen Brennpunkten in der Stadt. Deshalb werde die Verkehrspolizei im November in Heidelberg und Mannheim mehrmals täglich Kontrollen an unterschiedlichen Brennpunkten durchführen, verrät Schäfer und hofft auf eine breite Wirkung unter Radfahrern.

Wir konzentrieren uns bei dieser Aktion bewusst auf die besonders gefährlichen Verstöße, wie Rotlichtfahrten, das Geisterfahren und das Fahren ohne Licht“, so Schäfer. „Wir wollen den Radfahrern bewusst machen, welchen Gefahren sie sich damit aussetzen“.

Die Verkehrspolizei wiederholt den Appell der „Aktion plus 5“ an Radfahrer, sich zu Stoßverkehrszeiten, auf Strecken mit erhöhtem Risiko, bewusst defensiv und korrekt zu fahren, die eigene Erkennbarkeit zu verbessern (Licht, helle Kleidung) und durch Konfliktvermeidung das Unfallrisiko zu reduzieren. Weitere Tipps und Infos unter www.aktionplus5.de.

+++

Wie findest Du, dass die Polizei zur Sensibilisierung Videos veröffentlicht? Diskutiere mit auf Facebook:

+++

Helm schützt vor schwersten Verletzungen

Im Forschungsbericht Nr. 32 zur Schutzwirkung des Fahrradhelms des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) von 2015 werden der Unfallart „Kollision PKW Front gegen Fahrrad seitlich bei mittlerer Geschwindigkeit von 40 km/h“ die schwersten Kopfverletzungen zugerechnet. 

Der Radfahrer wird dabei meist über die Motorhaube aufgegabelt und schlägt mit dem Kopf auf der Windschutzscheibe oder dem Fahrzeugholm auf. Danach wird er nach vorne abgewiesen. 

Bei allen untersuchten Radunfällen mit tödlichen als auch schweren oder leichten Verletzungen war bei den Radfahrern, die einen Helm trugen, das schlimmste Verletzungsmuster die schwere Gehirnerschütterung. Der Helm schützt vor tödlichen oder bleibenden Hirnschäden.

pol/rmx

Quelle: Mannheim24

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare