Mauer gegen die Universität Heidelberg

Wohin mit dem ‚Homo Heidelbergensis‘? Streit um bedeutendes Fossil  

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Das Fossil des Homo Heidelbergensis ist über 600.000 Jahre alt.

Heidelberg/Mauer - Vor über 100 Jahren wird ein bedeutendes Fossil entdeckt. Nun will die Stadt Mauer ein eigenes Museum darum aufbauen – da macht aber die Universität Heidleberg nicht mit:

Im Jahre 1907 grub der Sandarbeiter Daniel Hartmann an einer trockengelegten Neckarschleife beim Ort Mauer. Dort machte er einen Fund, deren Bedeutung damals wohl nicht vorauszusehen war. Er fand die Überreste eines robusten Kiefers mit vielen erhaltenen Zähnen. Das Fossil gehört mit seinen 610.000 Jahren zu den ältesten menschlichen Funden in Europa. Die Universität Heidelberg soll Hartmann ein so genanntes Knochengeld gezahlt haben – seitdem ist es in ihrem Besitz. Der Name des Fossils lautet ‚Homo Heidelbergensis‘. Nun gibt es einen Streit zwischen Mauer und der Universität.

Streit um Fossil: Mauer will eigenes Museum für ‚Homo Heidelbergensis‘

Die Diskussion an sich ist nicht neues: Der 4.000-Einwohner-Ort Mauer hätte gerne, dass das Schädelteil zu ihnen kommt. Bisher gab es auch schon eine Ausstellung im Rathaus, da war aber nur eine Kopie des Kiefers zu bewundern. Wenn es nach Bürgermeister John Ehret geht, soll das originale Fossil in einem eigens dafür gebauten Museum ausgestellt werden – und zwar in Mauer! 

Es geht nicht darum, dass wir jetzt Eigentümer werden, sondern mit der Universität übereinkommen, ein schönes Museum zu bauen, in dem der Kiefer im Original ausgestellt wird“, erklärt Bürgermeister Ehret. Auch der Gemeinderat unterstütze das Projekt.

Gemeinde hat schon ein Grundstück für Museum des ‚Homo Heidelbergensis‘

Unterstützt wird sein Begehren auch durch die Stiftung des Ehepaars Dietrich Wegner und Cornelia Sussieck. Die beiden engagieren sich im Verein ‚Homo Heidelbergensis‘. Ehret träumt von einem Erlebnismuseum, in dem Nachbildungen von Waldelefanten stehen und Kinder im Sand graben und Relikte finden. Alles soll um das originale Fossil aufgebaut sein. 

Das Fossil des Homo Heidelbergensis ist über 600.000 Jahre alt.

Die Gemeinde hat bereits ein Grundstück vorgesehen, auf dem ein neues Gebäude dafür gebaut werden soll – zum Preis von zehn Millionen Euro! Dafür führt Wegner Gespräche mit Sponsoren. Zudem haben er und seine Frau schon selbst Geld mit eingebracht.

Universität will Fossil nicht herausgeben

Die Universität Heidelberg macht den ambitionierten Plänen eines eigenen Museums aber einen Strich durch die Rechnung. Das Schädelteil des ‚Homo Heidelbergensis‘ ist derzeit sicher in einem Tresor untergebracht. Michael Burchhard, Geschäftsführer des Instituts für Geowissenschaften an der Uni Heidelberg ist gegen das geplante Museum. Er findet, dass das Fossil in seinem Institut am besten aufbewahrt sei. 

Offizielle Gespräche über einen Ortswechsel seien ihm nicht bekannt. Der Kiefer werde allerdings schon seit längerer Zeit auf Anfrage an Museen verliehen, wenn diese den Transport und die Versicherung übernehmen. Bei besonderen Anlässen werde das Fossil auch im Institut gezeigt.

Der sicherste Ort für das Fossil ist die Heidelberger Universität

Doch dabei bestehe immer die Gefahr, dieses nie wieder beschaffbare Objekt zu verlieren. „Das ist ein einmaliges Fundstück, das man nicht ausstellen sollte, niemand weiß, welche Analysemethoden es in Zukunft noch geben wird“, sagt Burchard.

Alfred Wieczorek, Generaldirektor des Reiss-Engelhorn-Museums, hat zwar Verständnis für die Pläne des Ortes Mauer, sieht das Fundstück aber an der Heidelberger Universität am besten gesichert. „Wenn nach langen Jahrzehnten eine Gemeinde feststellt, dass ein besonderer Gegenstand bei ihnen gefunden wurde und dieser sich touristisch auswerten lassen würde, dann muss eine derartige Gemeinde eine Kopie präsentieren“, sagt Wieczorek.

Bürgermeister sucht Unterstützer für Museum

Bürgermeister Ehret lässt sich davon aber nicht beirren. Er weiß allerdings, dass Gemeinde und Verein das Vorhaben nicht alleine stemmen können. Daher denkt er an mögliche Sponsoren wie Dietmar Hopp oder die Klaus Tschira Stiftung. Denkbar sei auch, dass das neue Haus eine Außenstelle des Karlsruher Naturkundemuseums werde. 

Historische Funde aus der Region 

Der ‚Barbarenschatz von Rülzheim‘: Einen bahnbrechenden Fund machte ein leidenschaftlicher Schatzsucher im Jahr 2013: Er stieß auf einen ‚Barbarenschatzes von Rülzheim‘! Doch da er den historischen Schatz nicht den Behörden meldete, musste er vor Gericht. 

Mammutzahn in Hirschberg: Bei Bauarbeiten für einen Brunnen entdeckten Arbeiter im Februar 2019 ein 200.000 Jahre altes Fossil – dabei handelt es sich um einen riesigen Backenzahn eines Mammuts! 

Versunkene Lokomotive in Germersheim: Seit 1852 soll eine verschollene Lok im Rhein liegen – im Oktober 2018 scheint die Bergung zum Greifen nah. Eine Schatzkarte gibt den entscheidenen Hinweis! Die spektakuläre Bergungsaktion endet jedoch in einem R(h)einfall...

dpa/dh

Quelle: Mannheim24

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