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Impf-Panne behoben? Trotz Termins weggeschickt – Tausende Bürger stinksauer

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Von: Florian Römer

Eingang zum Zentralen Impfzentrum im Patrick-Henry-Village in Heidelberg.
Eingang zum Zentralen Impfzentrum im Patrick-Henry-Village in Heidelberg. © Dorothea Burkhardt/Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis

Heidelberg/Rhein-Neckar-Kreis - Beschwerden von Lesern, die trotz gebuchter Impftermine in Impfzentren abgewiesen wurden, reißen nicht ab. Mittlerweile sind über 2.000 Menschen betroffen:

Update vom 10. März: Wer einen Impftermin gebucht hat, konnte sich in den vergangenen Wochen nicht sicher sein, ob er im Impfzentrum auch wirklich geimpft wird. So wie Harald Heger erging es in den letzten 14 Tagen allein in den Impfzentren des Rhein-Neckar-Kreises zweitausend potentiellen Impflingen. Heger war gemeinsam mit seiner Frau Anfang März im Zentralen Impfzentrum (ZIZ) im Patrick-Henry-Village trotz Termins abgewiesen worden. Das Sozialministerium hatte daraufhin erklärt, es handelte sich um fehlerhafte Terminbuchungen, das Problem sei behoben. Eine Buchung für BioNTech oder Moderna sei für Personen unter 65 nicht mehr möglich.

Tausende Menschen in Impfzentren im Rhein-Neckar-Kreis abgewiesen

Tatsächlich behoben war das Problem anscheinend noch nicht: Eine Leserin, die ihren Namen nicht öffentlich machen will, berichtet, sie habe online einen Termin für Dienstag (8. März) gebucht. „Angeboten wurde der Impfstoff BioNTech/Pfizer“, erzählt die Frau (unter 65), die im Buchungsprozess zwei Mal ihr Geburtsdatum angegeben hatte. Die Risikopatientin nahm sich für die Impfung extra frei, nahm wegen der schlechten Erreichbarkeit ein Taxi ins PHV ‒ nur um vor Ort abgewiesen zu werden, wie Dutzende andere auch. Wie echo24.de* berichtet kennt man dieses Problem auch im Kreisimpfzentrum (KIZ) des Landkreises Heilbronn* in Ilsfeld-Auenstein.

Abgewiesene Impflinge? Bei weitem keine „Einzelfälle“, wie es das Sozialministerium zuletzt ausdrückte. Allein im Rhein-Neckar-Kreis mussten „in den vergangenen 14 Tagen 2.100 Personen abgewiesen werden“, sagt Kreissprecher Ralph Adameit auf Anfrage von HEIDELBERG24. Das entspreche rund 10 Prozent der buchbaren Termine. Zumeist seien die betroffenen Personen aufgrund der Impfpriorisierung abgewiesen worden ‒ das BioNTech-Vakzin stand bislang nur „Personen der Priorität 1 zur Verfügung, die das 65. Lebensjahr überschritten haben“. Ein gebuchter Termin ist noch keine Impfberechtigung ‒ diese wird immer erst im Impfzentrum geprüft.

Abweisungen in Impfzentren künftig wieder nur noch in Einzelfällen?

Abweisungen in Impfzentren sollen nach Auskunft von Kreis und Sozialministerium künftig aber wieder nur noch in Einzelfällen vorkommen: Das Land Baden-Württemberg hat am Dienstag (9. März) den Kreis der Impfberechtigten erweitert: zusätzlich 1,7 Millionen Menschen können sich jetzt im Südwesten gegen Corona immunisieren lassen. Dazu zählen jetzt alle Bürger ab 70 Jahren und Impfberechtigte ab 65 Jahren sowie 16-17 Jährige Impfberechtigte nach § 3 der Bundesimpfverordnung.

Am Wochenende seien an der Terminbuchungs-Software, die vom Bund zur Verfügung gestellt wird, Änderungen vorgenommen worden, erklärt Florian Mader vom Sozialministerium die erneuten Buchungspannen. Dies sei „im Vorgriff auf die Öffnung der Empfehlung von AstraZeneca auch für über 65-Jährige aus der Prio 2 und im Vorgriff auf die aktualisierte Impfverordnung“ geschehen. „Die geschilderten Probleme sollten seit Dienstag der Vergangenheit angehören“, sagt Mader. Baden-Württemberg begrüße die Empfehlung der Stiko, den Impfstoff von AstraZeneca nun allen Bürgern über 18 Jahren anzubieten. Man freue sich über die derzeit „hohe Impfbereitschaft und verständlicher Weise den dringenden Wunsch von vielen, bald geimpft zu werden“, heißt es aus Stuttgart.

Impf-Panne im Rhein-Neckar-Kreis: Hunderte abgewiesen – trotz Termin

Grundtext vom 5. März: Impftermin gebucht, zum Termin erschienen, Registrierung durchlaufen ‒ und das Impfzentrum dennoch „ungeimpft“ verlassen. So wie Harald Heger und seiner Frau erging es in den letzten Tagen unzähligen Menschen in den Impfzentren in Baden-Württemberg, allein im Rhein-Neckar-Kreis waren fast 400 betroffen. Was war geschehen? Heger, zwischen 60 und 65, schildert es im Gespräch mit HEIDELBERG24 so: Er habe für sich und seine Frau, beide mit entsprechenden Vorerkrankungen, über die Impfterminservice-Website einen Termin im Zentralen Impfzentrum (ZIZ) in Heidelberg gebucht.

Geplatzte Impfung: In der Warteschlange abgewiesen

Als Heger am Dienstag (2. März) gegen 11 Uhr im Impfzentrum im Patrick-Henry-Village in Heidelberg ankommt, scheint alles den erhofften Gang zu nehmen: Am Eingang wird der Ausweis kontrolliert, bei der Registrierung Termin und Impfberechtigung. Dann geht es für das Ehepaar Heger in eine kurze Warteschlange vor der Registrierungskabine. „Da warteten noch zwei, drei andere Menschen vor uns“, erzählt Heger. Kurz darauf sei eine Ärztin auf das Ehepaar zugekommen und habe ihnen erklärt, dass man sie nicht impfen könne, da der Impfstoff von AstraZeneca, der bis dahin nur für unter 65-Jährige gedacht war, noch nicht vorrätig sei. Auch ein weiterer Mann in der Schlange wurde ungeimpft wieder weggeschickt, berichtet Heger.

Die haben sich mehrfach entschuldigt und waren total freundlich“, erzählt Heger. Dennoch sei beim Buchungsprozess nicht ersichtlich gewesen, dass die endgültige Prüfung der Berechtigung erst im Impfzentrum erfolge. „Wir wollen da jetzt kein Fass aufmachen“, sagt Heger, „aber dass wir 50 Kilometer vergebens nach Heidelberg gefahren sind, ist schon ärgerlich.“ Offensichtlich ist die Erfahrung der Hegers kein Einzelfall: „Die Problematik der Abweisungen tritt erst seit dem Wochenende (28./29. Februar, Anm. d. Red.) verstärkt auf“, erklärt Ralph Adameit vom Landratsamt des Rhein-Neckar-Kreises. Zuvor habe man nur in „Einzelfällen“ abweisen müssen. Der Kreis betreibt neben dem ZIZ in Heidelberg auch die Kreisimpfzentren (KIZ) in Weinheim und Sinsheim. Alle drei Impfzentren werden von Christoph Schulze geleitet ‒ über seine Erfahrungen spricht Schulze im Interview.

Impfungen im Rhein-Neckar-Kreis: 10 Prozent der gebuchten Impflinge abgewiesen

In den drei Impfzentren des Kreises (ZIZ Heidelberg, KIZ Weinheim, KIZ Sinsheim) sind allein im Zeitraum vom 27. Februar bis zum 1. März aus unterschiedlichen Gründen insgesamt 380 Menschen abgewiesen worden, berichtet Adameit: Das „entspricht etwa 10 Prozent der buchbaren Termine.“ Impfberechtigte Personen zwischen 18 und 64 Jahren können sich aktuell ausschließlich mit dem Vakzin von AstraZeneca impfen lassen, so der Kreissprecher. Der vektorbasierte Impfstoff von AstraZeneca stand in den Impfzentren offenbar noch nicht zur Verfügung.

Das Kreisimpfzentrum im 3-Glocken-Center in Weinheim ist startbereit.
Im 3-Glocken-Center in Weinheim wird jetzt auch geimpft. © Dorothea Burkhardt/Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis

Möglicherweise hatten die Personen bei der Impfterminvergabe einen Termin für den Impfstoff von BioNTech erhalten, weshalb vermutlich eine Abweisung am Impfzentrum erfolgte“, führt Adameit aus. Ein Ausweichen auf einen anderen Impfstoff sei vor Ort nicht möglich. Deshalb seien „in den letzten Tagen gehäuft Personen an Impfzentren abgewiesen“ worden. Auch wenn die Termine verfallen, sei das bei dem Impfstoff nicht so: Dieser wird „grundsätzlich ampullenweise rekonstituiert“, sagt Adameit.

Sozialministerium hat Probleme bei Impfterminvergabe behoben

Aber wie kann es überhaupt sein, dass Menschen Termine buchen konnten, ohne für die vorhandenen Impfstoffe berechtigt zu sein? „Wir bedauern sehr, dass manche Impflinge die Impfzentren umsonst anfahren mussten“, sagt Florian Mader vom Sozialministerium. Aktuell werden laut Mader in Baden-Württemberg bis zu 25.000 Menschen pro Tag gegen Corona geimpft: „Dass es in einer solchen riesigen, noch nie geprobten Maschinerie, mit Millionen Menschen, die einen Anspruch auf eine Impfung haben, manchmal zu vereinzelten Fehlern kommt, lässt sich angesichts des großen Kraftaktes in dieser Pandemie nicht vollständig vermeiden. Alle Beteiligten geben ihr Bestes.“

Die Fehlbuchungen erklärt Mader so: „Bedauerlicherweise wurden anfangs, als einzelne Impfzentren noch keine Termine für AstraZeneca eingestellt hatten, vereinzelt auf der Onlineplattform Personen unter 65 auf BioNTech-Termine gebucht.“ Wegen der fehlenden Impfberechtigung mussten diese Menschen aber abgewiesen werden. Das Problem sei mittlerweile behoben, inzwischen haben alle Impfzentren Termine für AstraZeneca eingestellt. Jetzt könne niemand, der sein Alter mit unter 65 Jahren angibt, einen Impftermin mit BioNTech oder Moderna buchen. Auch dann nicht, wenn im jeweiligen Zeitraum keine AstraZeneca-Termine zur Verfügung stehen.

Nach geplatztem Impftermin: Zweitimpfung erst Ende Mai

Harald Heger musste sich indes erneut „in die Schleife“ begeben, um einen neuen Impftermin für sich und seine Frau zu bekommen. Nach mehreren Stunden klappte es schließlich um kurz nach Mitternacht am Mittwochmorgen (3. März): Die Erstimpfung mit AstraZeneca soll jetzt Ende März verabreicht werden ‒ „da wären wir ursprünglich mit der Zweitimpfung durch gewesen“, stellt Heger fest. Der Termin zur zweiten Impfung steht dann Ende Mai an. (rmx) *HEIDELBERG24.de und *echo24.de sind ein Angebot von IPPEN MEDIA.

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