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Kampf gegen Zwangsprostitution: Heilbronn macht Straßenstrich dicht

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Von: Marten Kopf

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Heilbronn - Im Kampf gegen Zwangsprostitution greift die Stadtverwaltung durch – und macht den Straßenstrich vorübergehend dicht. Verstöße werden mit hohen Zwangsgeldern belegt.

Prostitution rund um den Straßenstrich in der Heilbronner Hafenstraße ist ab Mittwoch, den 14. September, verboten. So legt es eine nun in Kraft getretene Allgemeinverfügung der Stadt Heilbronn (Baden-Württemberg) fest. Das Verbot gilt zunächst für drei Monate – und hat einen sehr ernsten Hintergrund.

Straßenstrich-Verbot in Heilbronn: Vorwiegend „Armutsprostitution“

Denn der Heilbronner Straßenstrich an besagter Hafenstraße werde seit Jahren von zwei rivalisierenden, bulgarischen Großfamilien dominiert, wie es in der Begründung der Stadtverwaltung heißt. Während die eine Gruppierung im Bereich zwischen „Eroscenter“ und Nachtclub „Bukowski“ einen Gebietsanspruch geltend mache, sei die andere im angrenzenden Bereich bis zum Industriegebiet „Wohlgelegen“ tätig.

Bei den Prostituierten des Heilbronner Straßenstrichs handelt es sich überwiegend um Bulgarinnen, die der sogenannten „Armutsprostitution“ nachgehen und die von den Mitgliedern der jeweiligen Gruppierung in ihrem Heimatland angeworben werden. Es bestehen Anhaltspunkte dafür, dass eine unbestimmte Anzahl dieser Prostituierten Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution ist.

Kampf gegen Zwangsprostitution: Bis zu 1.000 Euro Zwangsgeld

Kriminalpolizeiliche Ermittlungen in diesen Deliktsbereichen gestalten sich jedoch äußerst schwierig, da die Polizei nicht selten auf eine „Mauer des Schweigens“ trifft. Die betroffenen Frauen sowie potenzielle Zeugen machen aus Angst vor Repressalien in der Regel keine Aussagen. Sie sorgen sich dabei nicht nur um ihre eigene körperliche Unversehrtheit, sondern auch um ihre zurückgebliebenen Familien im Heimatland, die durch die Zuhälter teilweise ebenfalls bedroht werden.

Grundlage für das Verbot ist das Prostitutionsschutzgesetz. Es gilt in der Hafenstraße nördlich der Bahnlinie Weinsberg-Heilbronn, auf der Paul-Metz-Brücke und in der Albertistraße bis zur Einmündung in die Karl-Wüst-Straße sowie im gesamten Industriegebiet Kanalhafen. In Zukunft solle das Verbot konsequent überwacht und sanktioniert werden, teilt die Polizei mit. Bei Nichtbefolgen des Verbots drohe ein Zwangsgeld von 500 Euro, im Wiederholungsfalle von 1.000 Euro. (mko/PM)

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