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„Gehört Ananas auf Pizza?“ Stadt Hemsbach lässt per „Kippster“ über Alltagsfragen abstimmen

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Von: Peter Kiefer

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Rhein-Neckar-Kreis - „Wahlurnen“ der ganz besonderen Art hängen jetzt in Hemsbach. Damit können Raucher auf witzige Weise über Alltagsfragen abstimmen – und schonen die Umwelt:

Sie verschandeln nicht nur unser Straßenbild, sondern sind eine der größten Belastungen für die Umwelt überhaupt – hochgiftige Zigarettenkippen. Im beschaulichen Hemsbach im Rhein-Neckar-Kreis (Baden-Württemberg) hat man jetzt eine kreative Lösung für das Problem. Um die Stadt sauberer zu halten, hat die Verwaltung vier sogenannte „Abstimm-Aschenbecher“ installiert, wo Raucher ihre Glimmstängel entsorgen und gleichzeitig Alltagsfragen beantworten können.

Raucher werden in Hemsbach zum Abstimm-Ascher gebeten

Ob Grundsatzfragen wie „Gehört Ananas auf eine Pizza?“ oder „Schaust Du lieber Serien oder Filme?“ – in Hemsbach beantworten „Kippster“ das durch entsprechendes Einwerfen in den jeweiligen Antwort-Behälter – etwa an zwei Bushaltestellen. Die geniale Idee der Abstimm-Ascher („Ballot Bin“) stammt ursprünglich aus England – wie so viele verrückte Dinge. Auf der Insel ging das „cigarette butt littering“ dadurch fast um 50 Prozent zurück.

Damit soll für umweltgerechte Entsorgung der Kippen gesorgt werden, statt sie einfach arglos auf den Boden zu verwerfen, wo sie der Stadtreinigung nicht nur viel Arbeit machen, sondern belastet auch die Natur. Die Idee, das „Tippen mit Kippen“ auch in Hemsbach zu ermöglichen, hatte die Projektgruppe „Netzwerk Müllvermeidung“ der Stadtgestalterei.

Mit diesem Aschenbecher schonen Raucher in Hemsbach (BW) nicht nur die Umwelt, sondern können auch über Alltagsfragen abstimmen.
Mit diesem Aschenbecher schonen Raucher in Hemsbach (BW) nicht nur die Umwelt, sondern können auch über Alltagsfragen abstimmen. © Stadt Hemsbach

Per „Kippster“ helfen, den Mega-Müllberg zu verkleinern

Jedes Kind weiß, dass Rauchen schädlich ist. Doch weggeworfene Zigarettenkippen sind auch das weltweit häufigste Abfallprodukt! Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden rund 5,6 Billionen Zigaretten weltweit pro Jahr gequalmt – und davon rund zwei Drittel danach einfach auf den Boden geschmissen. Die WHO hat ausgerechnet, dass pro Jahr demnach umgerechnet bis zu 680.000 Tonnen Kippen unseren Planeten verschmutzen – ein gigantischer Berg toxischer Sondermüll.

So enthält ein Zigarettenstummel einen Mix aus fast 1.000 verschiedenen und teils hochgiftigen Chemikalien wie Arsen, Blei, Chrom, Kupfer, Cadmium, Formaldehyd, Benzol und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Und natürlich das Nervengift Nikotin. Bis zu 60 Liter Wasser kann eine einzige Kippe verunreinigen. Kläranlagen können diese Stoffe gar nicht alle herausfiltern, so dass der Rest wieder in den Kreislauf geht. Also landen die Gifte letztendlich in Seen, in Flüssen, im Meer und schließlich auch in der Nahrungskette, mit den bekannten Folgen.

Zigarettenstummel sind große Belastung für die Natur – und eine Ordnungswidrigkeit

Aber die kleinen braunen Stummelchen an Bahnsteigen, in den Einkaufsstraßen oder in den Parks und Grünanlagen richten noch viel mehr Schaden an. Wenn sie nämlich erstmal auf dem Boden liegen, sind sie kaum noch effizient zu entsorgen. Auch die Filter selbst sind ein nicht zu unterschätzendes Problem. Sie bestehen entgegen der landläufigen Meinung nämlich nicht aus natürlichem Zellstoff, sondern aus Zelluloseacetat, das sich so gut wie gar nicht zersetzt und von der Natur nicht abgebaut werden kann.

Und auch für Kleinkinder bedeuten Zigarettenkippen eine große Gefahr. Nicht selten werden sie von den neugierigen Kleinen aufgeklaubt und in den Mund gesteckt oder gar verschluckt – nach Medikamenten ist laut WHO Nikotin die häufigste Ursache einer Vergiftung im Kleinkindalter.

Zwar gilt das achtlose Wegwerfen von Kippen als Ordnungswidrigkeit und kostet mitunter ein saftiges Bußgeld – in Stuttgart beispielsweise über 100 Euro. Und auch in Mannheim, wo demnächst ebenfalls zwei „Kippster“ hängen sollen und wo es seit Sommer 2022 ein Sammelsystem für Zigaretten gibt, werden ertappte Raucher entsprechend zur Kasse (75 Euro) gebeten.

Umweltschutz 2.0: „Tippen mit Kippen“ in Hemsbach

An vier Standorten kann man in Hemsbach „Tippen mit Kippen“: am Eingang des Freibads Wiesensee, am Barfußpfad am Wiesensee Rundweg sowie an den Bushaltestellen Sportcenter und Grabenstraße. Die Kippster bestehen übrigens aus langlebigen und witterungsresistenten Materialien, nämlich aus recycelbarem Edelstahl und Aluminium.

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Die Projektgruppe „Netzwerk Müllvermeidung“ freut sich über weitere Vorschläge und natürlich Mitstreiter in Sachen Müllvermeidung und Nachhaltigkeit. Wer Interesse hat, kann sich gerne per E-Mail melden. Kontakt: Stadtgestalterei-Netzwerk-Muell@gmx.de. Infos gibt es auch auf der Website der Stadt Hemsbach unter Stadtgestalterei (ISEK). (pek mit PM)

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