Zwei Studien vorgestellt

Neue Zahlen zu Missbrauchsfällen an Odenwaldschule: Mehr Opfer als bisher gedacht

+
Die Zahl der Opfer an der Odenwaldschule ist höher als bisher angenommen.

Heppenheim - Mehrere Jahrzehnte sind die Missbrauchsfälle an der Odenwaldschule nun her. Durch zwei Studien sind nach all den Jahren noch weitere Opfer gefunden worden:

Der Horror sitzt heute noch tief bei vielen Menschen, wenn sie an das Eliteinternat Odenwaldschule denken. Im Jahr 1998 berichteten ehemalige Schüler über sexuellen Missbrauch, der in den 70 und 80er Jahren durch Lehrer durchgeführt wurde. Nach Jahren der Aufklärung musste die Schule schlussendlich Insolvenz anmelden und stellte im September 2015 den Betrieb ein.

Zahl der Opfer ist unklar

Wie viele Schülerinnen und Schüler dem Missbrauch zum Opfer gefallen sind ist unklar. Man geht von einer hohen Dunkelziffer aus. Am Freitag (22. Februar) werden zwei Studien vorgestellt, die von bis zu 900 Jugendlichen ausgehen

Die dort über Jahrzehnte praktizierte sexuelle und emotionale Ausbeutung von Schülerinnen und Schülern lässt keine andere Diagnose zu als die eines manipulativen, selbstherrlichen und schäbigen pädagogischen Systems, in dem alle Kinder und Jugendlichen massiven Entwicklungsrisiken ausgesetzt wurden“, sagt Florian Strauss vom Institut für Praxisforschung und Projektberatung München (IPP)

Dort ist eine der beiden Studien erstellt worden. Die andere entsteht am Institut für Allgemeine Pädagogik und Sozialpädagogik der Universität Rostock. 

Oft gelesen: Junge (2) stürzt aus fahrendem Auto und stirbt – Polizei hat schlimmen Verdacht

Über zwei Dutzend Täter – auch Frauen

Die ausgewerteten Akten und Daten zeigen zudem, dass es über zwei Dutzend Täter unter den pädagogischen und technischen Mitarbeitern der Schule gab! Laut Jens Brachmann von der Universität Rostock habe es nicht nur männliche Täter gegeben, sondern auch mindestens fünf Frauen

Die haben noch Täterinnen und Täter entdeckt, von denen wir nichts wussten“, sagt Adrian Koerfer, ehemaliger Gründungsvorsitzender des Vereins Glasbrechen. Das ist ein Zusammenschluss von Betroffenen – oft selbst Opfern der Missbrauchsvorfälle. 

Einen Grund zur Erleichterung gebe es aber nicht, da die Zahlen der Studien mit 500 bis 900 Opfern zu hoch seien. Laut Strauss von der IPP hätten die Aufarbeitung und Veröffentlichung der Studien früher erfolgen sollen. Sie wurden 2014 vom damaligen Trägerverein der Odenwaldschule und dem Verein Glasbrechen in Auftrag gegeben und vom hessischen Sozialministerium mitfinanziert. 

Sozialminister entschuldigt sich bei Opfern

Im Anschluss wurden mehr als 450 laufende Meter Akten, mehrere hundert Pläne und 50.000 Bilder, Audio- und Videokassetten ausgewertet und ehemalige Schüler und Lehrer interviewt.

Ein breites System von Personen und Institutionen sind ihrem Schutzauftrag nicht nachgekommen, auch Ämter haben versagt“, erklärt der Landtagsabgeordnete Markus Bocklet. Der hessische Sozialminister Kai Klose bittet zudem um Verzeihung:„Für dieses Versagen der staatlichen Stellen bitte ich alle, denen auch deshalb Leid widerfahren ist, als heute verantwortlicher Minister um Verzeihung.

+++

Oft gelesen: Hunderte Schüler schwänzen die Schule und demonstrieren für eine bessere Zukunft.

Auch interessant: Eine Analyse zeigt auf, dass viele Leute unzufrieden mit dem Mannheimer Jobcenter sind.

dpa/dh

Quelle: Mannheim24

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare