Mahnung für die Zukunft

,Hitler-Glocke‘ in Herxheim: Infotafel vor Kirche aufgestellt 

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Die ,Hitler-Glocke‘ in Herxheim

Herxheim - Die pfälzische Gemeinde hat vor ihrer evangelischen Kirche mit einer Glocke aus der NS-Zeit eine Infotafel aufgestellt. Was auf ihr steht: 

Update vom 19. März: Die pfälzische Gemeinde Herxheim am Berg hat vor ihrer evangelischen Kirche mit einer Glocke aus der NS-Zeit eine Infotafel aufgestellt. Die Tafel erkläre, wie die Glocke mit der Inschrift „Alles fuer's Vaterland. Adolf Hitler“ in die Kirche gekommen sei und dass sie dort als Mahnung für die Zukunft weiter belassen werde, sagt Ortsbürgermeister Georg Welker am Dienstag. Der Text sei gemeinsam mit dem Kirchenvorstand verfasst worden. Es sei geplant, noch einen QR-Code zu ergänzen, der zu vertiefenden Informationen im Internet führe. 

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Die Infotafel sei eine notwendige Ergänzung des nun abgeschlossenen Prozesses, sagte der Bürgermeister, der selbst von 1978 bis 1998 Pfarrer der Kirchengemeinde war. Geplant seien auch jährlich zwei Veranstaltungen von Orts- und Kirchengemeinde zur Geschichte von Kirche und dem im Landkreis Bad Dürkheim gelegenen Ort. 

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Nach Angaben der Landesdenkmalpflege wurde die Glocke 1934 von der Gemeinde bezahlt. Der Rat hatte beschlossen, die Glocke „als Anstoß zur Versöhnung und Mahnmal gegen Gewalt und Unrecht weiterhin hängen zu lassen“. Sie soll aber nicht mehr zu kirchlichen Zwecken geläutet werden. 

Das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz in Koblenz wies eine Klage gegen diesen Beschluss ab und befand, der Beschluss stelle keine Verharmlosung des Massenmords an Juden in der NS-Zeit dar.

Klage wegen ,Hitler-Glocke‘: Gericht fällt Urteil

Nachdem der Gemeinderat beschlossen hat, die ,Hitler-Glocke'als Anstoß zur Versöhnung und Mahnmal gegen Gewalt und Unrecht weiterhin hängen zu lassen“, geht ein Bürger vor die Barrikaden. 

Der Mann jüdischen Glaubens klagt den Beschluss als rechtswidrig an. Wie das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz am Mittwoch (30. Januar) mitteilt, wird die Klage abgewiesen. Die Glocke darf also weiterhin im Turm der evangelischen Kirche in Herxheim hängenbleiben.  

Nach Meinung des Gerichts werde damit das Schicksal der Juden unter dem nationalsozialistischen Regime weder gutgeheißen noch verharmlost. Verstärkt werde die Distanzierung vom NS-Unrecht zudem durch die vom Gemeinderat geäußerte Absicht, eine Mahntafel anzubringen. Abgewiesen wird auch der Antrag des Klägers, dem Bürgermeister die Äußerung zu verbieten, die Glocke diene „der Versöhnung mit den Opfern der Nazizeit". Mit der Entscheidung bestätigt das Oberverwaltungsgericht ein Urteil des Verwaltungsgerichts Neustadt an der Weinstraße. 

Die Glocke hängt seit 1934 in dem Turm. Sie ist mit einem Hakenkreuz und der Aufschrift „Alles fuer"s Vaterland - Adolf Hitler" versehen. Für das Aufstellen der Mahntafel gibt es noch keinen Termin.

dpa/jol

Quelle: Mannheim24

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