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Baden-Württemberg: Wegen Long Covid – Urlauber verklagt Österreich

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Von: Daniel Hagen

Baden-Württemberg - Ein Mann kehrt 2020 aus Ischgl nach Hause zurück und hat sich mit Corona infiziert. Kurz darauf liegt er im künstlichen Koma. Nun verklagt er Österreich!

Anfang 2020 kennt man das Coronavirus in Deutschland überwiegend aus dem Fernsehen. Länder wie China oder Italien stehen in der Berichterstattung im Vordergrund. Aber auch der Urlaubsort Ischgl wird ein gewaltiger Corona-Hotspot. Der Skiort in Österreich wird heute als „Ground Zero“ bezeichnet, von dem die Erkrankung sich in ganz Europa ausgebreitet hat. Nach Recherchen des Spiegels haben sich allein aus der EU mehr als 11.000 Bürger in Österreich mit dem Virus angesteckt, überwiegend in Ischgl und umliegenden Tiroler Skigebieten! Hinzu kommen etwa 30 Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19. Einer der Infizierten ist ein Mann aus Baden-Württemberg, der bis heute an den Folgen leidet – und daher Schadensersatz fordert.

Ein Mann aus Baden-Württemberg ist im März 2020 in Ischgl im Urlaub. Zu diesem Zeitpunkt haben Reisende aus Island das Virus in das beliebte Skigebiet geschleppt. Am 7. März wird der erste offizielle Coronafall in Österreich gemeldet – und zwar ein Servicemitarbeiter der Après-Ski-Bar Kitzloch. Ab dem 13. März kehren tausende Urlauber überhastet nach Hause zurück und bringen die tödliche Erkrankung in ihre Heimat.

NameBaden-Württemberg
HauptstadtStuttgart
Bevölkerung11,07 Millionen (2019) Eurostat
MinisterpräsidentWinfried Kretschmann (Die Grünen)

Baden-Württemberg: Koma und Long-Covid – Ischgl-Urlauber verklagt Österreich

Darunter befindet sich auch ein Mann Mitte fünfzig aus Baden-Württemberg, der kurz nach seiner Rückkehr aus dem beliebten Tiroler Ski- und Partyort Symptome entwickelt. Sein Zustand wird sogar so schlimm, dass er wochenlang in ein künstliches Koma versetzt wird. Bis heute leide der Mann an Spätfolgen (Long Covid). „Es liegt ein richtig schwerer Fall vor“, erklärt sein Anwalt Alexander Klauser. Sein Mandant hat nun den Staat Österreich auf insgesamt 90.000 Euro Schadenersatz verklagt! Wegen zeitweiliger Arbeitsunfähigkeit ist die Forderung von ursprünglich 76.000 noch einmal erhöht worden.

Insgesamt haben rund ein Dutzend Menschen Klagen wegen Ischgl eingebracht. Die Verhandlung vor dem Wiener Landesgericht für Zivilrechtssachen am Donnerstag (30. September) ist der erste Prozess eines deutschen Klägers im Zusammenhang mit den Vorgängen in Ischgl im März 2020. Der Vorwurf: Politik und Behörden hätten bei der Eindämmung des Virus versagt und viel zu lange für Maßnahmen gebraucht. Mit einem Urteil wird bis Jahresende gerechnet. Über die Klage einer Frau aus München berichtet tz.de.

Baden-Württemberg: Anwalt will Kanzler Sebastian Kurz aussagen lassen – ohne Erfolg

Wie schon im ersten Ischgl-Prozess um einen gestorbenen österreichischen Urlauber am 17. September lässt das Gericht auch am
Donnerstag kein ausgedehntes Beweisverfahren zu. Aus Sicht der Richterin liegen bereits ausreichende Unterlagen vor. Klauser beantragte erfolglos Vernehmungen von Österreichs Kanzler Sebastian Kurz, Innenminister Karl Nehammer und dem ehemaligen Gesundheitsminister Rudolf Anschober, um unter anderem die chaotische Massenabreise aus Ischgl nach der plötzlichen Schließung des Skiortes zu untersuchen. Vertreter des Staates argumentierten, dass die Klage nach dem Epidemiegesetz ins Leere laufe, weil es die öffentliche Gesundheit schütze, aber nicht auf einzelne Menschen anwendbar sei. (dpa/dh) HEIDELBERG24 und tz.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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