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Kabul: „Bilder sind erschütternd“ – Baden-Württemberg soll Flüchtlinge aufnehmen

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Von: Daniel Hagen

Kabul - Aufgrund der aktuellen Lage in Afghanistan versuchen tausende Menschen das Land schnell zu verlassen. Winfried Kretschmann sichert Hilfe zu.

Die Bilder aus Afghanistan gehen derzeit um die Welt. Seitdem die Truppen der Bundeswehr und der US-Armee das Land vor kurzem verlassen habe, befinden sich die Taliban auf dem Vormarsch. Viel schneller als erwartet übernimmt die islamistische Terrorgruppe große Städte und weite Regionen – am Sonntag (15. August) auch die Hauptstadt Kabul. „Wir versichern allen, dass wir für die Sicherheit der Bürger und der diplomatischen Vertretungen sorgen werden“, erklärt der Sprecher des Taliban-Politbüros, Mohammad Naeem, dem Sender Al-Dschasira.

Die Realität in Afghanistan sieht aber anders aus! Afghanen, die als Übersetzer, Fahrer oder andere Hilfskräfte für ausländische
Organisationen gearbeitet haben, gelten als gefährdet. Vor allem um Frauen, die in dem südasiatischen Land mittlerweile sogar Schulen besuchen und Bürgermeisterinnen werden konnten, besteht große Sorge. Aufgrund der Scharia dürfen diese nicht mehr ohne ihren Ehemann das Haus verlassen und könnten drakonisch bestraft, zwangsverheiratet oder ermordet werden. Die Bundesregierung will daher nun zehntausende Menschen akut evakuieren. Viele davon könnten auch in Baden-Württemberg aufgenommen werden.

NameWinfried Kretschmann
Geboren17. Mai 1948 in Spaichingen
EhepartnerinGerlinde Kretschmann (verh. 1975)
ParteiBündnis 90/Die Grünen

Kabul: Winfried Kretschmann will Geflüchtete in Baden-Württemberg aufnehmen

Wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag (16. August) mitteilt, habe die Bundesregierung vor Monaten bereits 2.500 Ortskräfte in Afghanistan identifiziert. Bei 600 davon wisse man derzeit nicht, ob sie in Drittstaaten seien. Weitere 2.000 Menschen habe die Bundesregierung identifiziert, die ebenfalls ausreisen sollten, wie etwa Menschenrechtler und Anwälte. Insgesamt gehe es bei dieser Gruppe um 10.000 Menschen, da die Familienmitglieder mitgerechnet würden. Mehrere Flugzeuge der Bundeswehr werden dafür nach Kabul geschickt.

Eine geordnete Evakuierung dieser Menschen wird aber kaum möglich sein. Die verzweifelten Menschen vor Ort versuchen auf allen Wegen, in Flugzeuge hineinzukommen. Dutzende Menschen laufen laut Videos, die im Netz kursierten, auf der Rollbahn neben den startenden Maschinen entlang, manche klammern sich an diesen fest. In sozialen Medien werden mit äußerstem Entsetzen dann Videos geteilt, auf denen von den gestarteten Fliegern aus beträchtlicher Höhe fallende Menschen zu
sehen sein sollen. Wie viele Menschen am Ende in Deutschland ankommen werden, ist bislang unklar.

Kabul: Ministerpräsident Kretschmann mahnt zu schnellem Handeln

„Das Land Baden-Württemberg steht selbstverständlich zur Unterstützung bereit und wird Menschen aus Afghanistan aufnehmen“, erklärt Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Es sei zudem zwingend, schnell in Bund-Länder-Gespräche einzusteigen, um Hilfe bestmöglich zu koordinieren. „Die Bilder aus Afghanistan sind erschütternd“, betont der 73-Jährige. Bundeskanzlerin Angela Merkel will sich heute Abend ab 18:45 Uhr zu dem Einsatz äußern. Es ist die bislang wohl größte Mission dieser Art der Bundeswehr - und eine besonders brisante. Die Bundeswehr war erst Ende Juni nach einem zwanzigjährigen Einsatz aus Afghanistan abgezogen. (dpa/dh)

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