Nach Tod einer 15-Jährigen

Bluttat in Kandel: Bürgermeister kritisiert Äußerungen zu Flüchtlingen

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Menschen halten vor den abgelegten Blumen und Kerzen am 28.12.2017 vor dem Drogeriemarkt in Kandel inne.

Kandel - Der gewaltsame Tod einer 15-Jährigen in Kandel sorgt für Diskussionen. Der Bürgermeister der Gemeinde beklagt dabei einzelne Beiträge über Flüchtlinge. Was er will: 

Nach der tödlichen Messerattacke auf eine 15-Jährige in Kandel hat der Bürgermeister der Verbandsgemeinde, Volker Poß (SPD), pauschale Forderungen nach einem härteren Umgang mit Flüchtlingen beklagt. Das Mädchen war am Mittwoch in einem Drogeriemarkt der südpfälzischen Stadt mit einem Messer erstochen worden, als dringend tatverdächtig gilt ihr Ex-Freund. 

„Da werden Abschiebungen gefordert“

Der mutmaßliche Täter ist ein nach Behördenangaben ebenfalls 15 Jahre alter Flüchtling aus Afghanistan, der in eine Jugendstrafanstalt gebracht wurde. Ihm seien dazu vereinzelte Mails und Wortmeldungen „in einer für mich beschämenden Art und Weise“ zugegangen, sagte Poß am Freitag. „Da ist von Politikerversagen die Rede, da werden Abschiebungen gefordert, da werden Konsequenzen in Bezug auf den Umgang mit unseren Flüchtlingen eingefordert“, sagte der Verwaltungschef. 

Er ruft zu Zurückhaltung und Sachlichkeit auf. „Ich denke, was im Moment zählt, ist wirklich die Anteilnahme, ist wirklich das tiefe Mitgefühl." 

Gedenken an die 15-Jährige im Rahmen des Neujahrsgottesdienstes 

Darüber hatte zunächst der Südwestrundfunk (SWR) berichtet. Unterdessen ist geplant, dass bei dem traditionellen ökumenischen Neujahrsgottesdienst am Montag (1. Januar) in Kandel auch der 15-Jährigen gedacht werden soll. 

Zwei Handflächen mit der Aufschrift „Mia warum?" und eine Rose liegen am 28. Dezember vor dem Drogeriemarkt in Kandel.

Schon am Donnerstag sei die eigens angebotene Öffnung der Kirchen gut angenommen worden, berichteten Geistliche der katholischen und der evangelischen Kirche am Freitag. „Es ist so, dass viele Menschen einen Ort suchen, an dem sie innehalten können und in Ruhe eine Kerze anzünden oder einen Moment schweigen können“, sagte Pfarrerin Mirjam Dembeck. 

Ministerium hält Altersnachweis für unmöglich

Nach der tödlichen Messerattacke auf ein 15-jähriges Mädchen in Kandel in Rheinland-Pfalz sind Zweifel am Alter des Tatverdächtigen laut geworden. Nach Behördenangaben ist der Verdächtige ein ebenfalls 15-Jähriger, ein Flüchtling aus Afghanistan. 

Fragen zur Altersbestimmung in diesem Fall könne nur die Staatsanwaltschaft beantworten, teilte am Freitag das Integrationsministerium in Mainz mit. Eine Sprecherin betonte jedoch: „Es gibt bisher keine verlässliche wissenschaftliche Methode, um das aktuelle Lebensalter eines Menschen festzustellen.“

Die Spannbreite einer ärztlichen Altersfeststellung betrage ein bis zwei Jahre nach oben und unten, erklärte das Ministerium und verwies dabei auf Stellungnahmen des Deutschen Ärztetages. Eine Altersdiagnostik bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen mittels radiologischer Verfahren und einer Genitaluntersuchung werde von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) abgelehnt. Neben ethischen Bedenken sei die wissenschaftliche Beweiskraft fraglich.

„Wir sind nach wie vor alle schockiert“

Bürgermeister Poß sagte: „Wir sind nach wie vor alle schockiert, wir sind nach wie vor alle tief betroffen, und uns fehlen nach wie vor die richtigen Worte für diese schreckliche Tat." Der Verdächtige soll das Mädchen am Mittwoch in dem Drogeriemarkt mit mehreren Messerstichen tödlich verletzt haben. 

„Wir haben ihn aufgenommen wie einen Sohn“

Die 15-Jährige hatte sich Anfang Dezember von dem Jugendlichen getrennt, der zuvor wegen einer Körperverletzung bei einem Schulhofstreit aufgefallen war. Nach Darstellung der Ermittler hatte die Beziehung mehrere Monate gedauert. 

„Wir haben ihn aufgenommen wie einen Sohn“, zitierte die „Bild“-Zeitung am Freitag den Vater der 15-Jährigen. „Er hatte doch sonst niemanden.“ Nach der Trennung suchte der Verdächtige weiter Kontakt. „Er hat sie gestalkt, war eifersüchtig“, so der Vater in „Bild“. 

„Derzeit laufen die Ermittlungen auf Hochtouren“

Die Eltern zeigten ihn schließlich an. Eine Vorladung war ihm noch kurz vor der Bluttat von Polizeibeamten überbracht worden. Ob der Verdächtige weiter zu der Tat schweigt und ob er inzwischen überhaupt irgendetwas gesagt hat, wurde zunächst nicht bekannt. 


Derzeit laufen die Ermittlungen auf Hochtouren“, war das einzige, was Staatsanwaltschaft und Polizei am Freitag mitteilten. Über den Fortgang werde man voraussichtlich nächste Woche informieren. 

Ministerien in Rheinland-Pfalz beraten

Unterdessen berieten die zuständigen Ministerien in Rheinland-Pfalz den zweiten Tag in Folge über das Gewaltverbrechen. Der Austausch soll nach Angaben einer Sprecherin des Integrationsministeriums fortgesetzt werden. Danach will die Landesregierung bewerten, „welche Konsequenzen unter Umständen aus diesen Erkenntnissen zu ziehen sind“

Ein Sprecher des Justizministeriums in Mainz stellte unterdessen klar, dass der Flüchtling bei einer Verurteilung mit Haft in Deutschland rechnen muss. „Wenn er in Deutschland wegen einer Tat in Deutschland verurteilt werden würde, dann würde die Strafe auch in Deutschland vollstreckt - unabhängig von seinem aufenthaltsrechtlichen Status.“

dpa/kp

Quelle: Mannheim24

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