Piranesi und Weinbrenner

„Kleine Sensation“: Praktikant macht Kunstfund  

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Den 21-jährigen Studenten machen viele Details stutzig – am Ende gilt seine Entdeckung als Sensation. 

Karlsruhe/Heidelberg – In der Fachwelt ist es eine Sensation: 150 Jahre lang waren Zeichnungen in der Karlsruher Kunsthalle dem Falschen zugeschrieben. Den Fehler entdeckt zufällig ein Praktikant.

Man unterschätze niemals einen Praktikanten... 

Als Georg Kabierske nach dem Abitur sein Praktikum in der Kunsthalle in Karlsruhe beginnt, ist seine Aufgabe eigentlich, im Kupferstichkabinett beim Verzeichnen der Werke zu helfen. Sich in die Originale einwühlen, das ist der Plan. 

Dass er in Zeichnungen, die 150 Jahre lang dem Karlsruher Architekten Friedrich Weinbrenner zugeschrieben wurden, die Hand des italienischen Künstlers Giovanni Battista Piranesi erkennt, ist ein glücklicher Zufall. 

Nun muss die Wissenschaft die Stücke neu bewerten – ein langer Prozess, den auch Kabierske durch sein Studium begleiten wird.

Fund schlägt große Wellen 

In der Kunstwelt schlägt der Fund des Abiturienten große Wellen: Die Freude unter Kennern sei groß, sagt Dorit Schäfer, Leiterin des Kupferstichkabinetts. Weltweit seien rund 500 bis 600 Zeichnungen von Piranesi und seiner Werkstatt bekannt. Auf einen Schlag seien nun fast 300 neue dazugekommen. 

Karlsruhe wird jetzt erstmals ein Ort der Piranesi-Forschung“, sagt Kunsthallen-Direktorin Pia Müller-Tamm.

Wissenschaftliche Arbeit beginnt 

Kabierskes Praktikum ist ein Jahr her, die Bekanntgabe des Funds einige Wochen – doch nun geht die lange, wissenschaftliche Arbeit erst richtig los. 

Der Finder ist mittlerweile 21 Jahre alt und studiert Europäische Kunstgeschichte und klassische Archäologie in Heidelberg. Für eigene Uni-Arbeiten wird er sich auch weiterhin mit den Zeichnungen befassen. 

Außerdem gehört der Student dem Beirat an, der die Forschung begleiten soll. Die Kunsthalle will dafür nun ein Team zusammenstellen und bereitet ein Kolloquium vor, bei dem die internationale Kunstwelt die Zeichnungen zu Gesicht bekommen soll.

Der Kunsthalle zufolge gibt es keinen Zweifel daran, dass die Zeichnungen von Piranesi und seiner Werkstatt stammen – sonst wäre sie damit nicht an die Öffentlichkeit gegangen. 

Aus Sicht von Henry Keazor, Professor am Institut für Europäische Kunstgeschichte an der Uni Heidelberg, wäre das eine „kleine Sensation“. Die endgültige Bestätigung würde eine „enorme Öffnung des Horizonts“ bedeuten, sagt der Experte für römische und französische Barock-Malerei.

Doch warum ist die falsche Zuordnung erst jetzt aufgefallen? 

Die Wissenschaft dankt der Digitalisierung – und dem Glück, dass sich ein junger Praktikant, selbst Sohn eines Kunsthistorikers, mit Piranesi und Weinbrenner auskennt. 

„Ich habe den einen Band aufgeschlagen und gedacht: Hoppla, das kann ja nicht mit Weinbrenner zusammengehen.“ Obwohl auf den Alben groß der Name des Karlsruher Architekten steht, machen Kabierske viele Details stutzig: Die geschwungene Handschrift und die elegante Linienführung waren untypisch für Weinbrenners architektonisch-geradlinigen Stil. 

Sicherheit liefert der Online-Vergleich: Die digitalen Bestände an Piranesi-Werken von Museen in New York, Washington und London offenbarten „frappierende Ähnlichkeiten in Zeichenstil und Motivwahl“, so Kabierske.

Die Erforschung der Werke wird noch einige Zeit dauern. Mehr als genug Stoff für Bachelor- und Master-Arbeiten – über Arbeitsmangel wird sich der Student also nicht beklagen können.

dpa/lin

Quelle: Mannheim24

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