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Katzen-Arrest in Walldorf: „Realitätsfern“ – Bürgermeister findet klare Worte

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Von: Marten Kopf

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Walldorf - Weil die Brutzeit der vom Aussterben bedrohten Haubenlerche beginnt, müssen Katzen ab sofort zu Hause bleiben. Die Walldorfer und ihr Bürgermeister sind davon wenig begeistert.

Wenn sie wüsste, was sie da ausgelöst hat, die kleine Haubenlerche. Weiß sie natürlich nicht, klar. Und sind wir ehrlich, bis vor wenigen Tagen wussten die meisten von uns noch nicht mal, dass die Haubenlerche überhaupt existiert. Und erst recht nicht, wo sie lebt. Oder dass sie vom Aussterben bedroht ist. Seit dem vergangenen Wochenende sind wir schlauer.

VogelHaubenlerche
OrdnungSperlingsvögel
VerbreitungEuropa, Afrika, Asien

Stubenarrest für Stubentiger: Gefahr für 3 Lerchen-Pärchen in Walldorf

Eigentlich sind diese Vögel weit verbreitet. Es gibt Haubenlerchen in fast ganz Europa, außerdem in Teilen Afrikas und Asiens. Und es gibt sie auch in Walldorf. Allerdings, und das ist der Knackpunkt, in nicht mehr allzu großer Zahl. Nur noch drei Brutpaare nämlich zählte die Naturschutzbehörde dort im vergangenen Jahr. Und weil die kleine Lerche nun mal so akut bedroht ist, gilt es, diese drei Pärchen unbedingt zu schützen.

Was ohne Frage gut gemeint ist, führte zu einem Aufschrei in der 16.000-Einwohner-Gemeinde im nördlichen Baden-Württemberg. Vor allem unter Katzenbesitzern. Denn per Allgemeinverfügung verdonnerte die Naturschutzbehörde Walldorfs Stubentiger jüngst für fünf Monate zum, nun ja, Stubenarrest: Bis einschließlich 31. August dürfen Katzen jetzt nicht mehr ins Freie. Eben wegen der Haubenlerchen. Die nämlich brüten am Boden – und sind für Katzen so vergleichsweise leichte Beute.

Beschreibung des Gefahren- und Geltungsbereiches zur Allgemeinverfügung Haubenlerche
Innerhalb des grün markierten Bereichs müssen Katzen bis Ende August zu Hause bleiben. Rot markiert der Bereich, in dem die Lerchen während der letzten beiden Jahre nisteten. © Rhein-Neckar-Kreis/Screenshot HEADLINE24

Walldorfs Bürgermeister zur Allgemeinverfügung: „Einfach nicht kontrollierbar“

Walldorf läuft jetzt Sturm. Im Fachbereich 2 im Walldorfer Rathaus – verantwortlich für Ordnung und Umwelt – ist man derzeit viel damit beschäftigt, Bürgerbeschwerden entgegenzunehmen. Oder besser gesagt: abzuwimmeln. Und damit zu erklären. Denn zuständig ist man hier nicht. Verantwortlich für die Verfügung ist die Untere Naturschutzbehörde des Rhein-Neckar-Kreises und die wiederum untersteht dem Land Baden-Württemberg.

Walldorfs Bürgermeister Matthias Renschler ist auch nicht so recht glücklich über die Verfügung. „Sehr realitätsfern und nicht lebensnah“ sei sie, sagt er im Gespräch mit HEIDELBERG24 und zeigt Verständnis für den Widerstand, der sich in seiner Gemeinde formiert. Außerdem hält er den Katzen-Arrest für „einfach nicht kontrollierbar“.

Hausarrest für Walldorfs Katzen: „Wir als Stadt können gar nichts machen“

Es wäre sinnvoll gewesen, wenn die Naturschutzbehörde die Stadt vorab über ihr Vorhaben informiert hätte, sagt Renschler noch. Hatte sie aber nicht. Wie viele Katzen konkret von der Ausgangssperre betroffen seien, kann Renschler nicht einschätzen. Im Gegensatz zu Hunden müssen Katzen nicht registriert werden, amtliche Zahlen existieren schlicht nicht. Eine im Netz kolportierte Zahl von 1.700 Tieren hält er persönlich aber für zu hoch angesetzt.

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Eine solche Verfügung habe es nach seinem Kenntnisstand in dieser Form in Baden-Württemberg noch nie gegeben, so Renschler. Das Problem: „Wir als Stadt können gar nichts machen“. Aber natürlich, und damit rechne er fest, könnten Bürger Widerspruch gegen eventuelle Bußgelder einlegen. Dann müsste ein Gericht klären, wie verhältnismäßig es tatsächlich ist, Katzen einzusperren, um drei brütende Vogelpaare zu schützen. „Ich bin gespannt, was am Schluss dabei rumkommt“, so das Stadtoberhaupt. (mko)

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