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„Trend wird schwer zu stoppen sein“: Immer mehr Kirchenaustritte in BW

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Von: Daniel Hagen

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Im Jahr 2022 sind wieder zahlreiche Menschen aus der Kirche ausgetreten – auch in Baden-Württemberg. Grund dafür sind oft die seit Jahren bekannten Missbrauchsfälle.

Der einstige Glanz der katholischen Kirche ist schon lange verblasst. Immer weniger Menschen wollen ein Teil der Institution mit der Jahrtausende alten Geschichten sein. Gründe dafür gibt es viele – die immer wieder aufgedeckten Missbrauchsskandale und deren fehlende konsequente Aufklärung ist aber einer der größten. So überrascht es nicht wirklich, dass 2022 wieder zahlreiche Mitglieder aus der Kirche ausgetreten sind. Auch in Baden-Württemberg haben tausende Personen ihrer Glaubensgemeinschaft den Rücken zugekehrt.

Immer mehr Kirchenaustritte in Deutschland – Grund sind meist Missbrauchs-Skandale

Der Religionspädagoge Ulrich Riegel hat in einer Studie über Kirchenaustritte bereits im Februar damit gerechnet, dass es dieses Jahr einen neuen Austritts-Rekord geben könnte. „Dieser Trend wird wohl nur schwer zu stoppen oder gar umzukehren sein“, erklärt auch Christian Weisner von der Reformbewegung „Wir sind Kirche“. Eine Umfrage der Deutschen Presseagentur (dpa) scheint einen möglichen Negativ-Rekord zu bestätigen.

So sollen deutlich mehr Menschen aus der Kirche ausgetreten sein, als in den Jahren zuvor. Alleine 2021 haben 359.338 Katholiken ihrer Glaubensgemeinschaft den Rücken gekehrt – schon damals ein neuer Rekord. Doch auch die evangelische Kirche hat in dem Jahr rund 280.000 Austritte hinnehmen müssen.

Kirchenaustritte in Baden-Württemberg: Tausende Menschen verlassen Glaubensgemeinschaften

Laut der dpa-Umfrage sind alleine in München dieses Jahr 26.008 Menschen aus der Kirche ausgetreten. Die Zahl ist allerdings nicht in Konfessionen unterteilt. In der Hauptstadt Berlin sind in den ersten drei Quartalen bereits 18.018 Austritte erfasst worden. In der hessischen Hauptstadt Wiesbaden sind mehr als 3.200 Austritte durchgeführt worden. Bis Ende November ist die Zahl der ehemaligen Kirchenmitglieder in Mainz schon auf 3.495 gestiegen, was mehr als 36,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr sind.

Eine ähnliche Entwicklung lässt sich auch in Baden-Württemberg beobachten. In der Landeshauptstadt Stuttgart sind bis Mitte Dezember 6.334 Mitglieder aus der Kirche ausgetreten – fast doppelt so viele, wie im Jahr zuvor! Einen etwas leichteren Anstieg hat es in Mannheim gegeben, wo bis zum 30. November 3.468 Menschen aus beiden großen Kirchen ausgetreten sind. In der Nachbarstadt Heidelberg sind es „nur“ 1.984 gewesen. Auch in Karlsruhe haben bis Mitte Dezember 3.479 der Kirche den Rücken gekehrt, rund 600 mehr als im Jahr davor.

Kirchenaustritte in Baden-Württemberg: Zahl könnte sogar noch höher sein

Die Kirchen in Deutschland könnten – trotz drohendem Austritts-Rekord – sogar noch Glück gehabt haben. Denn laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung spielen noch viel mehr Menschen mit dem Gedanken auszutreten. Dafür muss man aber persönlich zu einem Termin erscheinen und Formulare mitbringen. Aufgrund der zahlreichen Austritte dieses sind die Termine jedoch in vielen Städten und Gemeinden komplett ausgebucht. Sonst wäre die Zahl der Ex-Mitglieder wohl noch viel höher! (dh mit dpa)

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