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9-Euro-Ticket: „Ökologisch falscher Anreiz“ – Bürgermeister Specht kritisiert Pläne

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Von: Daniel Hagen

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Baden-Württemberg - Die Einführung des 9-Euro-Tickets steht kurz bevor. Mannheims Bürgermeister Christian Specht sieht allerdings diverse Schwachstellen in den Plänen.

Ab dem 1. Juni sollen Fahrgäste mit dem 9-Euro-Ticket einen Monat lang durch ganz Deutschland fahren können – wenn auch nur mit Regionalbahnen und in der zweiten Klasse. Das Angebot soll an insgesamt drei Monaten gelten und Anreize schaffen, dass die Menschen in Zeiten des Ukraine-Krieges und des Klimawandels wieder vermehrt den ÖPNV nutzen. Doch reicht das aus?

NameVerkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN)
HauptsitzMannheim
Gründung1. Dezember 1989
Geografische AbdeckungMetropolregion Rhein-Neckar

9-Euro-Ticket: Mannheimer Bürgermeister äußert Bedenken

Wenn es nach Christian Specht, Erster Bürgermeister der Stadt Mannheim und Vorsitzender des Zweckverbandes Verkehrsverbund Rhein-Neckar, geht, ist das 9-Euro-Ticket zwar schön, aber ein ökologisch falscher Anreiz. „Verkehrswende ist nicht nur kostenloser Verkehr“, erklärt Specht bei einer Pressekonferenz auf dem Mannheimer Maimarkt.

Zusammen mit VRN-Geschäftsführer Volkhard Malik stellt er die Bilanz des Jahres 2021 vor, die aufgrund der Corona-Pandemie sehr negativ ausfällt. Außerdem geht es um die Einführung des 9-Euro-Tickets im Gebiet der VRN und wie sich das Unternehmen darauf vorbereitet. Dabei erwähnen Malik und Specht auch ihre Bedenken und Kritik an dem Plan des Bundesverkehrsministeriums.

9-Euro-Ticket: Mehr Ausbau, um Menschen zum ÖPNV zu bewegen

So kritisiert Specht den langfristigen Sinn hinter dem 9-Euro-Ticket. Denn nach den drei Monaten sei nicht klar, wie es weitergehen werde. Steigen Fahrgäste dann auf teurere Abos um oder steigen sie einfach wieder in ihr Auto? Die große Frage, die man sich stellen müsse, lautet eher: „Wie kommen wir an die dran, die noch kein ÖPNV fahren?“.

Die Antwort darauf sieht Bürgermeister Specht eher in der Erweiterung des Systems als in zeitweise billigeren oder kostenlosen Fahrkarten. So müssten weitere Strecken auch in Dörfer und entlegenere Stadtteile gebaut, Züge vergrößert und der Verkehr enger getaktet werden, damit Menschen auf den ÖPNV umsteigen – neue rnv-Bahnen sollen übrigens schon ab Sommer durch die Region fahren.

Bürgermeister Specht spricht mit Verkehrsminister Wissing über 9-Euro-Ticket

Da das alles natürlich viel Geld kostet, ist Christian Specht kein großer Fan davon, dass der Bund rund 2,5 Milliarden Euro in das 9-Euro-Ticket investiert, anstatt damit den nötigen Ausbau der Infrastruktur zu ermöglichen. Das habe der Bürgermeister auch Bundesverkehrsminister Volker Wissing gesagt, der am Montag (2. Mai) das EvoBus-Werk in Mannheim besucht hat.

Weiter kritisiert Specht, dass es nicht möglich sei, groß auszubauen und gleichzeitig die Menschen kostenlos fahren zu lassen. Es sei daher wichtig, eine „gute Balance“ zu finden. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Städte Mannheim und Heidelberg bis 2030 klimaneutral werden sollen.

Gratis-ÖPNV in Heidelberg – stehen Kosten im Verhältnis zum Erfolg?

In Bezug zum 9-Euro-Ticket wird Bürgermeister Christian Specht auch zu dem Versuch in Heidelberg befragt, bei dem an drei Wochenenden die Fahrt innerhalb der Stadt kostenlos gewesen ist. Auch dazu äußert der 55-Jährige seine Bedenken. Er sei zwar immer offen für Modellprojekte, die Kosten müssten aber im Verhältnis zum Ergebnis stehen.

Im Falle des Heidelberger Versuchs wisse man zwar, dass 15 Prozent mehr Leute gefahren sind, aber noch nicht, woher diese Menschen kommen. Nutzen sie bereits den ÖNPV oder sind sie wegen des Angebots vom Auto darauf umgestiegen? Diese Ergebnisse gelte es noch abzuwarten. Hinzu kommt die Sinnhaftigkeit, ob jede Stadt und jeder Kreis seine eigenen Regeln nur für sich selbst haben sollte.

ÖPNV: So viel würden kostenlose Tickets die Stadt kosten

Generell sei Christian Specht aber immer offen dafür, der Allgemeinheit kostenlose Tickets anzubieten – wenn jemand anders die Kosten übernimmt. Denn wenn man die dafür benötigten 80 bis 90 Millionen Euro fürs ganze Jahr selbst tragen müsse, reiße das ein Loch in den Haushalt. Besser sei es, erst die Infrastruktur auszubauen und dann die Kosten für bestehende Tickets zu senken. (dh)

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