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Kurzarbeit wegen Corona: Wie viel Gehalt Dir zusteht 

In der Corona-Krise beziehen viele Menschen Kurzarbeitergeld Doch wie viel Geld erhält man nach der Erhöhung? Und wie viele Menschen sind ebenfalls in Kurzarbeit?

  • Immer mehr Unternehmen stellen wegen Coronavirus auf Kurzarbeit um.
  • Was bedeutet das für Arbeitgeber und Mitarbeiter in der Coronavirus-Krise?
  • Alle Informationen zu Kurzarbeit, Kurzarbeitergeld und Gehalt:

Update vom 14. Mai: Die Bundesregierung hat beschlossen, das Kurzarbeitergeld zu erhöhen. Ab dem vierten Monat des Bezugs von Kurzarbeitergeld soll dieses nun auf 70 Prozent beziehungsweise 77 Prozent für Menschen mit Kindern erhöht werden. Ab dem siebten Bezugsmonat sollen es künftig 80 bzw. 87 Prozent sein. Dies soll bis längstens 31. Dezember 2020 gelten. 

Die Coronavirus-Krise wirkt sich zunehmend auf unsere Wirtschaft aus. Firmen stehen still, Aufträge bleiben aus, Läden müssen geschlossen bleiben. Immer mehr Betriebe stellen deshalb auf Kurzarbeit um – laut Arbeitsminister Hubertus Heil kündigten allein in der vergangenen Woche über 76.000 Unternehmen an, Kurzarbeit in Anspruch nehmen zu wollen. Doch was kommt jetzt auf die Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu? Was versteht man unter Kurzarbeit und was ändert sich bei Kurzarbeitergeld am Gehalt? Alle Infos im Überblick: 

Was bedeutet Kurzarbeit und Kurzarbeitergeld?

Wenn im Fall einer Krise, wie aktuell die Ausbreitung des Coronavirus, Einnahmen ausfallen, weil es in Unternehmen nur noch wenig zu tun gibt, stehen viele Betriebe vor der Frage, wie sie ihre Mitarbeiter weiter beschäftigen und außerdem bezahlen können. Eine Option ist dann die Umstellung auf Kurzarbeit, bei der die regelmäßige Arbeitszeit in einem Betrieb reduziert wird – zum Beispiel von 40 auf nur noch 20 Stunden. Das Kurzarbeitergeld wird dann von der Bundesagentur für Arbeit bezahlt – der Staat springt ein, dass Unternehmen ihren Mitarbeitern in Zeiten der Krise nicht kündigen müssen. 

Wer kann Kurzarbeit und Kurzarbeitergeld beantragen? 

Kurzarbeitergeld wird vom Arbeitgeber, nicht von den Mitarbeitern selbst, beantragt. Wegen der Coronavirus-Krise hat der Bundestag die Bedingungen hierzu angepasst und für Unternehmen erleichtert: Betriebe können Kurzarbeitergeld schon nutzen, wenn nur 10 Prozent ihrer Mitarbeiter von einem Arbeitsausfall betroffen sind (vorher waren es ein Drittel der Arbeitnehmer). 

Außerdem übernimmt die Agentur für Arbeit nun zusätzlich zum Gehalt auch die Zahlung der Sozialversicherungsbeiträge. Unternehmen können Kurzarbeitergeld dank der neuen Gesetze jetzt einfacher von 12 auf 24 Monate verlängern.

Kurzarbeit in Deutschland: So viele Betriebe ergreifen diese Maßnahme

Am Donnerstag (30. April) gibt die Bundesagentur für Arbeit den Rekordwert zum Thema Kurzarbeit bekannt: Bis zum 26. April haben 10,1 Millionen Menschen Kurzarbeit angemeldet. Mit diesem Wert sind alle Prognosen von Volkswirten übertroffen. Experten schätzten, dass zwischen drei und sieben Millionen Menschen Kurzarbeit in Anspruch nehmen. Der bisherige Rekordwert stammte aus dem Krisenjahr 2009. Damals waren 3,3 Millionen Menschen in Kurzarbeit. 

Trotz der extrem hohen Zahl steigt auch die Arbeitslosen-Quote in Deutschland saisonuntypisch. 5,8 Prozent der Bevölkerung ist arbeitslos. Die Quote steigt im Vergleich zum März um 0,7 Punkte und im Vergleich zum April des Vorjahres um 0,9 Punkte. Die Gesamtzahl steigt auf 2,644 Millionen. „Die Corona-Krise dürfte in Deutschland zur schwersten Rezession der Nachkriegszeit führen", sagt der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur, Detlef Scheele. „Dadurch gerät auch der Arbeitsmarkt stark unter Druck.

Die Arbeitslosigkeit sei erstmals in der Nachkriegszeit in einem April gestiegen. Normalerweise sinkt die Arbeitslosigkeit in dieser Jahreszeit wegen der Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt. Die Nachfrage nach Arbeitskräften sei parallel zum Anstieg der Arbeitslosigkeit und zum noch nie da gewesenen Niveau bei der Kurzarbeit regelrecht eingebrochen. Im April 2020 waren nur noch 626.000 unbesetzte Stellen bei den Arbeitsagenturen gemeldet, 169.000 weniger als noch vor einem Jahr. Saisonbereinigt sei die Zahl der offenen Stellen um 66 000 nach unten gegangen.

Während Coronavirus-Krise: Kann mich mein Chef zur Kurzarbeit zwingen?

Der Arbeitgeber kann nicht einfach so Kurzarbeit anordnen, denn die betroffenen Mitarbeiter müssen je nach Arbeitsausfall mit einschneidenden Einbußen imGehalt rechnen. Das Unternehmen muss daher eine entsprechende Vereinbarung mit seinen Mitarbeitern treffen. Die Ausnahme: Kurzarbeit ist bereits im Arbeitsvertrag erwähnt und der Arbeitnehmer hat mit seiner Unterschrift bereits zugestimmt, dass diese vom Arbeitgeber einseitig angeordnet werden darf. 

Gehalt bei Kurzarbeit: Wie viel Kurzarbeitergeld verdiene ich während der Coronavirus-Krise?

Arbeitnehmer in Kurzarbeit erhalten natürlich weniger Gehalt. Weil ihre nicht geleisteten Arbeitsstunden nicht bezahlt werden müssen, wird der Arbeitgeber während der Corona-Krise entlastet. Um den Verlust für Mitarbeiter eines Unternehmens, die in Kurzarbeit geschickt wurden, so niedrig wie möglich zu halten, zahlt die Bundesagentur für Arbeit 80 Prozent der entgangenen Netto-Löhne. Bei Beschäftigten mit Kindern sind es aktuell sogar 87 Prozent. Dies ist eine neue Regelung, die erst seit Ende April gilt. Bislang hat das Kurzarbeitergeld 60 Prozent beziehungsweise 67 Prozent betragen. Nun soll das Kurzarbeitergeld für diejenigen, die ihre Arbeitszeit um mindestens 50 Prozent reduziert haben, ab dem vierten Monat auf 70 Prozent (77 Prozent für Eltern) und ab dem siebten Monat auf 80 Prozent (87 Prozent für Eltern) erhöht werden. Das soll längstens bis Jahresende gelten. Laut BILD beziffert sich die Mehrausgaben bei der Bundesagentur für Arbeit für dieses und nächstes Jahr auf 2,6 Milliarden Euro. Ab dem 1. Mai gibt es außerdem für alle Berufe eine „Hinzuverdienstmöglichkeit“. Diese ist auf das volle Monatseinkommen begrenzt.

Alle Infos zum Kurzarbeitergeld während der Coronavirus-Krise

Das bedeutet zum Beispiel: Wer wegen der Kurzarbeit nur noch vier statt fünf Tage die Woche arbeitet, erhält nur noch 80 Prozent Gehalt vom Arbeitgeber. Die Arbeitsagentur gleicht dann einen Teil (80 bis 87 Prozent) der fehlenden 20 Prozent des Netto-Lohns wieder aus. Wenn Du als alleinstehende Person also zum Beispiel wegen der kürzeren Arbeitszeit 500 Euro netto weniger Gehalt verdienen würdest, zahlt die Arbeitsagentur Dir als Ausgleich 400 Euro. Dir fehlen also dann nur noch 100 Euro im Monat. 

Kurzarbeit während Coronavirus-Krise: Wie kann ich mein Gehalt ausrechnen?

Im Netz gibt es mehrere Internetseiten, die Rechner für Kurzarbeitergeld anbieten. Hierfür muss man Lohn, Steuerklasse  und Bundesland angeben sowie ob und wie viele Kinder man hat. Das Kurzarbeitergeld ausrechnen kann man zum Beispiel auf www.nettolohn.de oder www.smart-rechner.de.

Kann ich mir bei Kurzarbeit etwas dazu verdienen? 

Wer in Zeiten der Coronavirus-Krise Kurzarbeitergeld bezieht, kann sich leicht mit anderen Tätigkeiten Geld zu verdienen„Wer jetzt in Kurzarbeit muss (...), für den haben wir die Zuverdienstgrenzen angehoben“, zitiert die FAZ am Mittwoch den Bundesarbeitsminister. Laut Bericht würde in einzelnen Bereichen kurzgearbeitet, in anderen Bereichen würde allerdings dringend Hilfe gebraucht. „Da ist eine Wäscherei, die jetzt keine Aufträge hat, aber wir brauchen Leute in der Wäscherei im Krankenhaus“, erklärt der Arbeitsminister. Man könne jetzt sogar bis zu 100 Prozent des vorherigen Lohns dazuverdienen, ohne dass das Kurzarbeitergeld gekürzt werde. Laut einer Studie aus Mannheim leisten bislang sehr wenige Menschen in Deutschland in Kurzarbeit.

Übrigens: Nicht nur für Sport-Fans, sondern auch für die Betreiber ist die Schließung von Fitnessstudios ein harter Schlag. Wann können Studios wieder öffnen und muss man aktuell bezahlen?

Eine weitere Auswirkung der Coronavirus-Krise ist das bundesweite Kontaktverbot. Alles, was während dieser Zeit verboten und erlaubt ist hier im Überblick

kab

Quelle: Mannheim24

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa

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