Nach Attacke auf 15-Jährigen in Leimen

Schockierende Aussage im Kampfhunde-Prozess: „Hatten halt mal Bock auf Menschenfleisch“

+
Drei Personen sind am Landgericht Heidelberg angeklagt, nachdem zwei Kampfhunden einen Teenager lebensgefährlich verletzt haben. (Archivfoto)

Leimen - Zweiter Tag im Kampfhunde-Prozess: Schockierende Zeugenaussagen enthüllen weitere Details zur schrecklichen Tat und zeigen das wahre Gesicht der Angeklagten.

  • 15-Jähriger am 10. Juni in Leimen von Kampfhunden angegriffen und lebensgefährlich verletzt
  • Prozess gegen drei Personen am Landgericht Heidelberg
  • Jüngster Angeklagter wollte Opfer Angst einjagen
  • Opfer schildert grausame Hunde-Attacke vor Gericht

Update vom 5. Dezember: Schon zu Prozessbeginn am Dienstag (3. Dezember) wird über die Frage gesprochen, warum die Kampfhunde nicht angeleint und mit Maulkorb versehen waren – so, wie es für Listenhunde vorgeschrieben ist. Dabei stellt sich heraus, dass die Tiere vom Ordnungsamt in Leimen gar nicht als Kampfhunde eingestuft waren. Doch wie konnte das passieren? Die Antwort ist einfach: Laut Kaufvertrag des Züchters handelt es sich gar nicht um die als Kampfhunde eingestuften American Staffordshire Terrier. Vermutlich wurde diese Falschdeklarierung genutzt, um die Kampfhunde einfacher verkaufen zu können. Deshalb muss nun auch der Züchter mit Ermittlungen rechnen. 

Die Frage, die offen bleibt: Wusste der Angeklagte Berkant C., der rechtmäßige Besitzer der Tiere, dass es sich um „echte“ Kampfhunde handelt? Denn auch ein Wesenstest, der nach der Übernahme der Hunde von Amtsseite vorgenommen wurde, bestätigt aggressives und gefährliches Verhalten. Insofern ist mit einer Einschläferung der Kampfhunde zu rechnen.

Im Prozess um die Kampfhunde-Attacke in Leimen werden die drei Angeklagten der schweren Körperverletzung und der fahrlässigen Körperverletzung beschuldigt. Rechtsanwalt Peter Slania, einer der Verteidiger von Berke C., dem die Staatsanwaltschaft schwere Körperverletzung nachweisen will, erklärt HEIDELBERG24 am Mittwoch (4. Dezember) auf Nachfrage: „Für die Strafmaßbestimmung meines Mandanten ist ein Punkt sehr entscheidend: Hat er bewusst fahrlässig gehandelt, hat also darauf vertraut, dass nichts passiert, wenn er die Kampfhunde loslässt? Oder ist ihm bedingter Vorsatz vorzuwerfen: Denn dann hätte er billigend in Kauf genommen, das etwas passiert, wenn er die Kampfhunde loslässt. So lautet nämlich derzeit der Vorwurf.“ 

Leimen: Kampfhunde-Prozess: Blankes Entsetzen während Zeugenaussagen

Update 15:30 Uhr: Auch der zweite Prozesstag vor der Jugendkammer des Landgerichts Heidelberg offenbart die grausamen Details der Attacke, die dem Opfer fast das Leben kosten. Der Reihe nach werden die drei Begleiter des heute 16-Jährigen zum Tathergang befragt – und lösen mit ihren Zeugenaussagen blankes Entsetzen im Gerichtssaal aus. Die beiden ersten Zeugen, die gleichaltrigen Cousins des Opfers, schildern mit leisen Stimmen, wie sie am Abend des 10. Juni mit ihren Fahrrädern im Feld nördlich von Leimen unterwegs sind, als sie die beiden Angeklagten Berke C. und Marvin B. mit den beiden Kampfhunden in einiger Entfernung sehen. 

Leimen: Kampfhunde zerren ihr Opfer ins Gebüsch

Eigentlich haben alle Angst vor „Coco“ und fahren sehr langsam an den Angeklagten auf dem Feldweg in Leimen vorbei, hoffen, dass nichts passiert. Denn Berke C. hat offenbar schon oft gezeigt, wie lustig er es findet, wenn der Kampfhund anderen Menschen Angst einflößt. Als Berke die Kampfhunde plötzlich hinter ihnen herhetzen lässt, nehmen sie zunächst an, dass alles mal wieder „nur Spaß“ ist. Doch diese Annahme kostet das Opfer fast das Leben. „Als wir kurz danach unseren Cousin schreien hörten, hielten wir sofort an“, erzählen die Augenzeugen. Da ist es allerdings schon zu spät. Die Kampfhunde beißen das Opfer in Füße und Beine, bis er zu Fall kommt, zerren ihn ins Gebüsch und attackieren ihn.

Leimen: „Wir dachten, er wäre tot“ – schockierende Aussage im Kampfhunde-Prozess

„Wir waren total geschockt, als wir unseren Cousin da am Boden liegen sahen, überall war Blut. Wir dachten, er wäre tot“, berichten die heute 15-Jährigen – und man kann ihnen noch immer die Angst ansehen, die sie gefühlt haben müssen. Zu diesem Zeitpunkt sind auch Berke C. und Marvin B. am Tatort in Leimen, reißen die Hunde vom Opfer weg und rufen sowohl Berkant C., den großen Bruder von Berke und eigentlichen Hundehalter, als auch den Rettungswagen zur Hilfe. Schockierend an allen drei Zeugenaussagen: Keiner kann sich sicher daran erinnern, ob die Angeklagten tatsächlich hinter den beiden Kampfhunden herrannten, um Schlimmes zu verhindern – oder ihren normalen Laufschritt beibehielten.

Leimen: Kampfhunde-Prozess – „Die hatten halt mal Bock auf Menschenfleisch“

Der dritte Augenzeuge, ein Freund der Cousins, erschüttert mit einem Detail in seiner Aussage den ganzen Gerichtssaal. Er berichtet: „Als wir dann alle beim Krankenwagen standen, hat ein anderer Bekannter den Berke angesprochen und ihm gesagt, dass er auch Angst vor den Hunden hat, dass sie ihn mal beißen.“ Der Angeklagte soll laut dem Zeugen daraufhin „die hatten halt mal Bock auf Menschenfleisch“ geantwortet haben. 

Wie muss so eine Aussage auf das Opfer wirken? Der mittlerweile 16-Jährige sitzt in den hinteren Reihen des Gerichtssaals, wirkt gefasst, zeigt keine Regung. Hin und wieder verlässt er den Saal, kehrt Minuten später wieder zurück. Es gehe ihm besser, bestätigen die Augenzeugen, berichten aber auch von großen Schmerzen, die der Junge noch immer an seinen Ohren hat, seinem rechten Arm, den er nicht richtig benutzen kann, von vermeintlichen Schritten, die ihn verfolgen.

Für den Prozess sind bis zum 16. Dezember insgesamt fünf Termine angesetzt. Das Urteil könnte allerdings schon früher fallen.

Leimen: Junge von Kampfhunden fast getötet! Opfer schildert grausame Details

Update vom 4. Dezember, 9:50 Uhr: Das Opfer der Kampfhunde-Attacke sagt am Dienstagmittag ebenfalls vor Gericht aus. Ihm geht es wieder besser. Allerdings steht nächstes Jahr noch eine Operation an. Denn die Verletzungen, die er erlitten hat, seien laut Staatsanwaltschaft so gravierend gewesen, dass er nur knapp überlebt hat. Der 16-Jährige habe Verletzungen am Kopf, beiden Ohrmuscheln und am Hals nah der Halsschlagader erlitten und eine Menge Blut verloren. 

Vor dem Landgericht Heidelberg schildert der Junge die Kampfhunde-Attacke aus seiner Sicht: „Ich habe versucht mich zu beschützen und weiterzufahren.“ Doch die Hunde hätten ihn vom Fahrrad gezogen und gebissen. „Ich konnte eine Woche lang nicht schlafen und war fast 14 Tage im Krankenhaus. Meine Nasenspitze war ab“, erzählt der Junge mit gefasster Stimme. Die Entschuldigung der beiden Angeklagten, die die Kampfhunde an dem besagten Pfingstsonntag in Leimen auf ihn gehetzt haben, nimmt er an.

Leimen: Kampfhunde-Prozess: Junge (16) für immer entstellt – so reagiert der Aufhetzer nach brutaler Attacke

Erstmeldung vom 3. Dezember: Kurz vor 9 Uhr betreten am Dienstagmorgen (3. Dezember) zwei junge Männer den Gerichtssaal am Landgericht Heidelberg. Es handelt es sich um Berkant C. und Marvin B., beide 22 Jahre alt und in Leimen lebend. Kurz darauf öffnet sich eine weitere Tür hinter dem Richterpult. Heraus kommt ein weiterer junger Mann – Berke C., 17 Jahre alt und ebenfalls aus Leimen. Dem Trio wird eine grausame Tat vorgeworfen, die zu Prozessbeginn noch einmal von der Staatsanwältin vorgelesen wird. 

Leimen: Kampfhunde auf Jugendlichen gehetzt – Duo vor Gericht

Am 10. Juni 2019 hetzen Berke C. und Marvin B. zwei Kampfhunde der Rasse American Staffordshire Terrier auf einen damals 15-Jährigen, der gerade zufällig auf einem Fahrrad vorbeigefahren kommt. Die Kampfhunde zerfleischen dem Jungen das Gesicht und verletzten ihn lebensgefährlich. Wie durch ein Wunder überlebt er die Attacke. Berke C. sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Das Trio ist wegen schwerer Körperverletzung und fahrlässiger Körperverletzung angeklagt.

Die beiden Brüder Berke C. und Berkant C. leben im gemeinsamen Haus in Leimen in einer Kellerwohnung – zusammen mit den beiden Kampfhunden „Coco“ und „Keuras“. Die beiden Hunde sind zum Zeitpunkt der Attacke elf Monate alt und gehören dem älteren Bruder. Der jüngere sei oft mit ihnen Gassi gegangen und habe auf Leinen verzichtet – von einer Maulkorbpflicht habe er laut eigener Aussage nichts gewusst.

Leimen: Hund „Coco“ und das Opfer hatten eine Vorgeschichte

In seinen Augen seien die Kampfhunde noch Welpen gewesen, vor denen man keine Angst haben müsse – obwohl er sich teilweise selbst vor ihnen gefürchtet habe, wie am Landgericht Heidelberg herauskommt. Berke C. gibt an, dass er Spaß daran gehabt habe, anderen Personen mit den Kampfhunden Angst einzujagen. Sie hätten immer auf seine Befehle gehört. Umso größer der Schock, als sich diese Annahme bei der Attacke in Leimen als falsch herausstellt hat.

Zur Tatzeit am 10. Juni sind Berke C. und Marvin B. mit den Hunden spazieren, als vier Teenager auf ihren Fahrrädern vorbeifahren. Einer davon ist der damals 15-Jährige, der wenige Minuten später von den Kampfhunden angegriffen wird. Er ist der Cousin des besten Freundes von Berke C.. Zwischen den beiden hätte es laut dem Angeklagten keine Probleme gegeben. Allerdings hat „Coco“ den Jungen in der Vergangenheit bereits zwei Mal angegriffen, weshalb er Angst vor der Hündin hat. 

Leimen: Angeklagter will Opfer Angst machen – und schickt die Hunde los

In vermeintlich sicherer Entfernung ruft der 15-Jährige „Coco, heute kannst du mir nichts machen“. Das nimmt Berke C. zum Anlass, ihm das Gegenteil zu beweisen. Er lässt die Hündin los und befiehlt Marvin B., das auch zu tun. Die Vierbeiner rennen los und jagen ihr Opfer. Die beiden Aufhetzer laufen lachend hinterher und verlieren die Kampfhunde kurz aus den Augen – als sie die Tiere wieder finden, haben sie sich bereits im Hals und Gesicht des 15-Jährigen verbissen!

Ich habe das Blut gesehen und war schockiert“, erinnert sich Berke C.. Danach helfen beide dem Teenager und rufen Berkant C., den eigentlichen Besitzer der Kampfhunde, und einen Krankenwagen. Der 17-jährige Angeklagte habe gedacht, dass die Tiere höchstens etwas zwicken und beißen würden – doch er habe sich komplett geirrt. Er wisse, dass er „absolut falsch gehandelt“ habe und bestraft werden müsse! „Es tut mir alles sehr sehr leid“, entschuldigt er sich für seine Tat bei dem Opfer. „Ich nehme an“, antwortet dieser gefasst.

Leimen: Opfer hat bleibende Schäden durch Hunde-Attacke

Der 15-Jährige leidet seit der Attacke an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Nach Angaben der Staatsanwältin soll das Opfer zudem für den Rest seines Lebens entstellt und sein rechter Arm dauerhaft geschädigt sein.

dh/jab/dpa/cos

Quelle: Mannheim24

Das könnte Dich auch interessieren

Kommentare