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Leimen/Nußloch: Dreiste Betrugsmasche – falscher Arzt hat es auf ältere Menschen abgesehen

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Von: Sylvia Niestroj-Haß

Das Polizeipräsidium Mannheim warnt vor Betrugsanrufen rund um die Corona-Pandemie
Vorsicht, Betrugsmasche! © Karolin Krämer

Leimen/Nußloch: Polizei warnt vor Betrugsmasche: Falscher Arzt ruft bei älteren Leuten an, um an ihr Geld zu kommen.

Unglaublich, wie skrupellos manche Menschen doch sind! In Leimen und Nußloch wurden zwei Senioren Opfer einer neuen Betrugsmasche am Telefon: Der Anrufer gab sich als Arzt an der Uniklinik Heidelberg aus. Das Kind des Opfers brauche aufgrund einer schweren COVID-Erkrankung dringend eine kostspielige medizinische Behandlung.

Wahrscheinlich kann jede/r von uns ein Lied davon singen: Das Telefon klingelt, auf dem Display erscheint eine unbekannte Nummer, man nimmt ab. Theoretisch müsste man recht schnell merken, dass es sich um einen Betrugsanruf handelt - schließlich sind die Maschen bekannt: Benachrichtigungen über vermeintliche Gewinne, vermeintliche Microsoft-Mitarbeiter, die einem helfen wollen, den Computer von einem Virus zu befreien; oder aber ein Anruf von der Bank oder dem Gerichtsvollzieher. Immer geht es dabei darum, an Geld und persönliche Daten des Opfers zu kommen. Doch nicht immer behält man einen klaren Kopf bei solchen Anrufen. Eventuell war man gedanklich gerade mit etwas Anderem beschäftigt, oder der Anrufer erreicht einen zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Genau damit spielen die Betrüger: Sie setzen ihr Opfer unter (Zeit-)druck, in der Hoffnung, dass sie ihm ein „Ja“ oder aber persönliche Daten, wie etwa eine Bankverbindung, entlocken zu können.

Vor allem ältere Menschen häufig Opfer von Betrugsanrufen

Vor allem ältere Menschen fallen leider häufiger auf Betrugsanrufe herein. Der sogenannte Enkeltrick ist leider ein bekanntes Instrument Krimineller, um an das Geld gutgläubiger Menschen zu kommen. Hierbei kontaktieren die Kriminellen ihre Opfer und geben sich als ein Familienmitglied aus, meistens als Tochter/Sohn oder Enkel/Enkelin. Aber auch Anrufe von Banken sind keine Seltenheit.

Neue Betrugsmaschen seit Ausbruch der Corona-Pandemie

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie sind die Methoden der Betrüger noch perfider geworden. Sie wissen genau um die (Existenz-)Ängste der Menschen und nutzen diese schamlos aus. Vor allem ältere Menschen sind, als Hauptrisikogruppe des Virus, in der aktuellen Zeit verängstigt und verunsichert. So grassiert seit dem Ausbruch der Pandemie eine neue Art von Betrugsanrufen. Mannheim 24 berichtete bereits im März letztens Jahres über Anlagebetrüger in Zeiten von Corona.

Neuerdings erhalten vor allem Senioren Anrufe von vermeintlichen Medizinern, die behaupten, ein Familienmitglied (meist Kind oder Enkel) sei an Corona erkrankt, schwebe in akuter Lebensgefahr und brauche dringend eine kostspielige medizinische Behandlung.

Betrugsmasche in Leimen und Nußloch - kein Einzelfall?

In Leimen und in Nußloch erhalten am Montagnachmittag zwei ältere Menschen Anrufe von einem Betrüger, der sich am Telefon als Arzt ausgibt. Angeblich melde sich dieser aus der Uniklinik Heidelberg. Er behauptet, schlechte Nachrichten für seine Opfer zu haben. In beiden Fällen geht es angeblich um das Kind des jeweiligen Opfers: Es brauche aufgrund einer Corona-Erkrankung dringend einen speziellen Impfstoff. Dieser sei sehr teuer und müsse selber gezahlt werden.

Am Montagnachmittag gegen 16:30 Uhr erhält ein 79-jähriger Mann in Leimen den Anruf eines vermeintlichen Arztes, der sich als ein gewisser Professor Wagner vorstellt. Er sei Arzt an der Uniklinik Heidelberg und habe seinem Opfer schlechte Nachrichten zu übermitteln: Seine Tochter sei an Corona schwer erkrankt und schwebe in Lebensgefahr. Um sie zu retten, brauche sie dringend eine kostspielige Impfung. Die Kosten würden sich auf satte 40.000 Euro belaufen. Im Hintergrund ist eine weinende Frau zu hören, von der der vermeintliche Arzt behauptet, es sei die Tochter des Opfers. Der Senior handelt glücklicherweise umsichtig und kontaktiert umgehend seine Tochter per Telefon, womit der Schwindel natürlich schnell auffliegt.

Gegen 18 Uhr erhält eine 67-jährige Frau in Nußloch einen ähnlichen Anruf: Der Anrufer gibt sich in diesem Fall als ein gewisser Professor Weber von der Uniklinik aus. Auch ihre Tochter sei an Corona erkrankt und habe hohes Fieber. Sie brauche schnellstmöglich fünf Impfampullen eines teuren amerikanischen Impfstoffes gegen das Corona-Virus. Die Kosten würden sich auf satte 25.000 Euro belaufen. Glücklicherweise behielt auch die 67-jährige Nußlocherin einen kühlen Kopf und beendete den Anruf sofort.

Beide Opfer verständigten umgehend die Polizei. Das Betrugsdezernat der Kriminalpolizeidirektion Heidelberg, das von einem Tatzusammenhang zwischen beiden Anrufen ausgeht, ermittelt nun.

„Leider ist die Aufklärungsquote bei solcherlei telefonischen Betrugsmaschen gering“, so die Aussage des Kriminaldauerdienstes, „die Betrüger rufen meistens unter falscher Nummer aus dem Ausland an und sind somit schwer nachzuverfolgen.“

Nichtsdestotrotz solle jede/r, der/die Opfer eines solchen Anrufes geworden ist, umgehend die Polizei kontaktieren. Hierzu solle man sich entweder mit dem Kriminaldauerdienst unter der Nummer 0621/174-4444  in Verbindung setzen oder die örtliche Polizeidienststelle kontaktieren.

Die polizeiliche Kriminalprävention klärt auf ihrer Homepage über verschieden Betrugsmaschen auf und gibt Tipps, wie man in einer solchen Situation einen kühlen Kopf behält. (pol/snh)

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