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Explosionen bei Lidl und Capri-Sun: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Bombenbastler (66)

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Von: Peter Kiefer

Heidelberg/Eppelheim - Seit Wochen sitzt der mutmaßliche Briefbomber von Lidl und ADM WILD in U-Haft. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft gegen den 66-Jährigen Anklage erhoben. Die Vorwürfe:

Update vom 25. Mai, 14:01 Uhr: Die Staatsanwaltschaft Heidelberg hat nach umfangreichen Ermittlungen Anklage gegen den 66 Jahre alten Mann aus dem Raum Ulm erhoben, dem vorgeworfen wird, am 15. Februar 2021 drei mit Sprengsätzen versehene Postsendungen an Unternehmen verschickt zu haben, die der Lebensmittelbranche zuzurechnen sind.

Zwei der Postsendungen waren bei den jeweiligen Adressaten explodiert: die erste am 16. Februar bei der ADM Wild GmbH & Co. KG in Eppelheim, die zweite einen Tag später bei der LIDL GmbH in Neckarsulm. Durch die Detonationen waren bei beiden Adressaten insgesamt vier Mitarbeiter verletzt worden, einer davon, bei der Firma LIDL, schwer. Eine dritte Sprengstoffsendung war an die Firma Hipp in Pfaffenhofen adressiert gewesen. Sie konnte aufgrund der zwischenzeitlich eingeleiteten Ermittlungen sichergestellt und entschärft werden, bevor sie den Empfänger erreichte.

Wer erkennt die Person, in einer Ulmer Postannahmestelle die Sprengsätze an Lidl, ADM WILD und Hipp verschickt hat?
Wer erkennt die Person, in einer Ulmer Postannahmestelle die Sprengsätze an Lidl, ADM WILD und Hipp verschickt hat? © Landeskriminalamt Baden-Württemberg

Die mit sehr großem Umfang geführten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Heidelberg und des Landeskriminalamts Baden-Württemberg, bei welchem eine Sonderkommission mit zeitweise über 100 Beamten, auch aus den Reihen der tatörtlichen Polizeipräsidien Heilbronn, Mannheim und Ulm, angesiedelt war, führten bereits am 19. Februar zur Festnahme des nunmehr Angeschuldigten.

Explosionen bei Lidl und Capri-Sun: Das wird dem Rentner (66) vorgeworfen

Nach dem vorliegenden Ergebnis der Ermittlungen soll der verrentete Elektriker die Sprengvorrichtungen selbst gebaut und mit dem Motiv an die genannten Unternehmen abgeschickt haben, von diesen unter Drohung mit weiteren Gewalttaten zum Nachteil ihrer Mitarbeiter und/oder Kunden die Zahlung von Geld zu erzwingen. Als Sprengstoff soll ihm eine aus dem Abschaben von Zündholzköpfen gewonnene Masse gedient haben. Dabei soll der Angeschuldigte jedenfalls in Kauf genommen haben, dass beim Öffnen der Pakete die damit befassten Personen durch die Explosion verletzt würden. Insbesondere soll er damit gerechnet haben, dass durch die Detonation wichtige Organe im Gesichtsbereich dauerhaft beeinträchtigt und Teile der Hände, insbesondere Finger, durch die Explosion so stark verletzt würden, dass sie nicht mehr gebrauchsfähig sind, wie dies typischerweise beim Öffnen von Brief- und Paketbomben passieren kann.

Die Staatsanwaltschaft Heidelberg hat daher unter anderem wegen der Straftatvorwürfe des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion, der gefährlichen Körperverletzung und der versuchten schweren Körperverletzung Anklage zur Großen Strafkammer des Landgerichts Heidelberg erhoben. Die vorliegend schwerste Strafdrohung des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion sieht für den einzelnen Fall Freiheitsstrafe von einem bis zu 15 Jahren vor. Der nunmehr Angeschuldigte befindet sich weiterhin in Untersuchungshaft. Die zuständige Große Strafkammer des Landgerichts Heidelberg hat nun über die Eröffnung des Hauptverfahrens und die Anberaumung der Verhandlungstermine zu entscheiden.

Explosionen bei Lidl und Capri-Sun: Video zeigt Brief-Bomber – wer kennt den Mann?

Erstmeldung vom 12. März: Die beiden durch Sprengsätze verursachten Explosionen in den Zentralen von Lidl in Neckarsulm und bei ADM WILD (Produzent von „Capri-Sun“) mit insgesamt vier Verletzten Mitte Februar. Eine dritte Briefbombe, die an Babynahrungshersteller Hipp in Pfaffenhofen adressiert war, konnte glücklicherweise im Paketverteilerzentrum am Münchner Flughafen abgefangen und entschärft werden, bevor sie Schaden anrichtet. Eigentlich sitzt seit 19. Februar ein dringend tatverdächtiger Mann (66) aus dem Raum Ulm in U-Haft in der JVA Mannheim, wie HEIDELBERG24 berichtet. Dennoch richten sich die Staatsanwaltschaft Heidelberg und die Soko des LKA Baden-Württemberg am Freitag (12. März) mit einer neuerlichen Fahndung an die Öffentlichkeit.

Doch warum? Kann man ihm die Tat etwa nicht nachweisen? Die Ermittler sind sich zwar sicher, dass der Rentner die Sprengstoffpakete in einer Ulmer Postannahmestelle abgegeben hat. Da der Tatverdächtige jedoch nach wie vor die Anschläge abstreitet, erhoffen sich die Ermittler weitere Hinweise, um den gefassten Rentner „zuverlässig als den Paketversender zu identifizieren“, wie Erster Staatsanwalt Thomas Bischoff auf HEIDELBERG24-Nachfrage erklärt hat.

Staatsanwaltschaft Heidelberg fragt Bevölkerung: Wer erkennt den auffälligen Schal wieder?

Wir gehen nochmal an die Öffentlichkeit, um durch Hinweise zu verifizieren, dass es sich bei der Person, die die Postsendungen aufgegeben hat, um den Tatverdächtigen handelt. Vielleicht erkennt jemand den sehr auffälligen Schal der Person“, so der Erste Staatsanwalt. Schließlich sei der Paketversender in die Postannahmestelle „stark vermummt“ gewesen, was die Identifikation erschwert. Zudem sei nicht auszuschließen, dass es vielleicht einen weiteren Tatbeteiligten gibt.

Fakt ist: Der mutmaßliche Täter hat am 15. Februar 2021 gegen 14 Uhr in der Ulmer Postannahmestelle in der Rosengasse 5 die drei Pakete mit darin versteckten Sprengsätzen verschickt. Die Versand bzw. die Aufgabe der lebensgefährlichen Sendungen ist von einer Überwachungskamera aufgezeichnet worden.

Wer erkennt die Person, in einer Ulmer Postannahmestelle die Sprengsätze an Lidl, ADM WILD und Hipp verschickt hat?
Wer erkennt die Person, in einer Ulmer Postannahmestelle die Sprengsätze an Lidl, ADM WILD und Hipp verschickt hat? © Landeskriminalamt Baden-Württemberg

Nach Explosionen bei Lidl und ADM WILD: 5.000 Euro Belohnung für Täterhinweise ausgesetzt

Für sachdienliche Hinweise, die zur Aufklärung der Straftaten führen, setzt die Staatsanwaltschaft Heidelberg eine Belohnung von 5.000 Euro aus. Deshalb richten sich die Ermittler mit diesen Fragen an die Bevölkerung und mögliche Zeugen:

Hinweise nehmen die Hotline der Sonderkommission, Telefon 0711/5401-3333 oder jede andere Polizeidienststelle rund um die Uhr entgegen. (pol/pek)

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