Versuchter Anschlag auf Weihnachtsmarkt

13-jähriger Bombenbauer: Jugendamt verrät neue Informationen

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Der Weihnachtsmarkt in Ludwigshafen: Hier versucht der 13-Jährige eine Bombe zu zünden. (Archivfoto)

Ludwigshafen - Der 13-jährige Terrorverdächtige wird weiterhin in einer geschlossenen Einrichtung betreut. Wie der Leiter des Jugendamts seine Entwicklung einschätzt:

Dieser versuchte Anschlag schockierte ganz Deutschland: Im November 2016 hat ein damals 12-Jähriger versucht auf dem Weihnachtsmarkt eine selbst gebastelte Bombe zu zünden. Knapp ein Jahr später gibt es nähere Informationen über die Entwicklung des Bombenbauers.

Der Junge hat sich nach Einschätzungen des Jugendamts inzwischen verändert. „Damals vermied er jeden Blickkontakt, gab nicht die Hand, schaute auf den Boden. Er war ein verstocktes Kind, das weder auf mich noch auf meine Kollegen reagierte“, sagt Jürgen May, der Leiter des Jugendamts Ludwigshafen, in einem Interview mit dem ‚Stern‘.

Nun sei er viel offener, koche gerne und achte wie jeder Teenanger auf sein Aussehen, wolle sogar abnehmen, so May weiter. Auch die Jugenddezernentin Cornelia Reifenberg sagt: „Wir haben Anlass zur Hoffnung, dass er wieder Kind sein kann.“ 

Sie bekräftigt die Forderung nach Unterbringungsmöglichkeiten für Kinder wie den 13-Jährigen. Pro Bundesland brauche man mindestens zwei Plätze für solche Kinder, die mit einer Kinder- und Jugendpsychiatrie oder einer Jugendhilfeeinrichtung arbeiten.

Der 13-Jährige lebt seit dem Anschlagsversuch laut Angaben der Stadt Ludwigshafen in einer geheimen, bewachten Einrichtung und wird dort von Psychologen und Lehrern betreut. Das Haus werde rund um die Uhr von einem Security-Dienst bewacht. 

Was das alles koste, kann Reifenberg im Interview nicht beziffern, allerdings sei es „sehr teuer“. Sie betont jedoch, dass die Überwachung allerdings notwendig ist, da man nicht ausschließen kann, dass von dem Jungen eine Gefahr ausgeht - für andere, aber auch für sich selbst".

Reifenberg fordert außerdem eine spezielle Einrichtung für Kinder unter Terrorverdacht. „Wir brauchen pro Bundesland mindestens zwei Plätze für solche Kinder, die beispielsweise an eine Kinder- und Jugendpsychiatrie oder eine Jugendhilfeeinrichtung angegliedert werden.“ Derzeit finden zu diesem Thema zwischen dem Jugendministerium, dem Innenministerium, der Liga der Freien Wohlfahrtspflege und einzelnen Trägern von Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen Gespräche statt. 

Erst im Juli macht der Fall wieder Schlagzeilen, da der terrorverdächtige Jugendliche nach dem Anschlagsversuch einen Betreuer mit Kontakt zu Salafisten erhalten hat.

jab/dpa

Quelle: Ludwigshafen24

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