Giftiger Schaumstoff

BASF-Skandal: Belastete Produkte bereits beim Verbraucher?

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Rund einen Monat lang liefert die BASF belastete Produkte an 50 Kunden aus.

Ludwigshafen - Die BASF liefert einen ganzen Monat lang giftige Produkte an Kunden aus. Möglicherweise befinden sich Autos mit belasteten Sitzen bereits auf den Weg zu Endkunden.

Die BASF liefert rund einen Monat lang belastete Produkte an 50 Kunden aus. Von den 7.500 ausgelieferten Tonnen eines mit Dichlorbenzol belasteten Kunststoffprodukts für Autositze und Matratzen sind rund 5.000 Tonnen nach Unternehmensangaben noch nicht weiterverarbeitet.

Sie würden von BASF zurückgeholt, teilt der Chemiekonzern am Mittwoch mit. Bei bereits verarbeiteten Produkten stehe BASF in Kontakt mit den Kunden. Um eine Gefährdung auszuschließen, unterstütze ein Team von 75 Spezialisten die Abnehmer bei Tests zur Dichlorbenzol-Konzentration. Dichlorbenzol kann Haut, Atemwege und Augen reizen und steht im Verdacht, Krebs zu verursachen!

Der Geschäftsführer des Fachverbandes Schaumkunststoffe und Polyurethane e. V., Klaus Junginger, sagt der Deutschen Presse-Agentur, man könne derzeit nicht klären, wie viel von dem verarbeiteten Produkt bereits beim Endverbraucher angekommen sei. Er beklagt ein Informationsdefizit. „Es gibt Probleme, es gibt auch erhöhte Konzentrationen, wir wissen nicht in welchem Umfang, wir wissen nicht, ob schädlich“, so Junginger. „Es ist für alle Beteiligten - inklusive natürlich Endverbraucher - ein Riesenproblem.“ 

Die 50 Kunden der BASF verkaufen diese Flüssigkeitauch weiter. Diese kann so an 300 weitere Abnehmer gelangen: Es sei ein Problem herauszufinden, wo eine Matratze oder ein Kopfkissen erzeugt worden sei. Auch wisse man nicht, welche Werte die Produkte enthielten. Das sei nicht leicht zu messen, sagt Juninger.

Möglicherweise befinden sich bereits Autos mit belasteten Sitzen auf dem Weg in die USA und da funktionieren Schadenersatzklagen anders als in Deutschland!

Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken kritisiert das Unternehmen und kündigt Gespräche an: „Dass über einen Monat lang ein ungeprüfter Stoff ausgeliefert wurde, zeigt, dass die Qualitätskontrolle und Informationspolitik der BASF dringend kritisch überprüft werden muss.“ Sie fordert von der BASF „eine rasche und umfassende Information und Aufklärung beim Dichlorbenzol-Vorfall“. Nach ersten Meldungen über den Fall machen sich viele Endkunden Sorgen. Es müsse schnell Klarheit geschaffen werden, inwieweit sie betroffen seien und ob eine Gefährdung bestehe, sagt die Ministerin.

Die BASF habe ausserdem den Behörden garnicht mitgeteilt, dass die Produktion in der TDI-Anlage Anfang Oktober eingestellt worden ist. Zwar ist das Unternehmen dazu nicht verpflichtet, jedoch sieht eine vertrauensvolle Zusammenarbeit und ein verantwortlicher Umgang mit dem Endverbraucher jedoch anders aus. 

Nach Angaben der BASF ist die Belastung auf einen technischen Fehler in der Produktion zurückzuführen. Die Ursache werde derzeit beseitigt. 

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jab/dpa

Quelle: Ludwigshafen24

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