In kugelsicherer Weste durch die Nacht 

Nachts auf Streife – Teil 1: „Zickenkrieg“

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Der Hauptkommissar begrüßt mich mit den Worten: „Hatten Sie schon einmal Kontakt mit der Polizei?“
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Ich stelle mir die Frage, was mit mir passiert, wenn jemand verhaftet wird...
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Die Sachlage wird geklärt...
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..und fordert einiges an Geduld.
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Auf der Suche nach der anderen Beteiligten.

Ludwigshafen – Die Nachtschicht am Wochenende ist kein Zuckerschlecken. LUDWIGSHAFEN24 hat sich mal mit in die Freitags-Streife gesetzt und dabei einiges erlebt.

Die vielen Erlebnisse und spannenden Einsätze erscheinen in den nächsten Tagen als Serie. 

Teil 1: Zickenkrieg statt Brezeln

19:30 Uhr, Schichtbeginn: Als ich dem Polizeihauptkommissar Rainer Niclas in seinem Büro im Ludwigshafener Polizeipräsidium gegenüber sitze, lautet eine seiner ersten Fragen: „Hatten Sie schon einmal Kontakt mit der Polizei?“ 

Nachts auf Streife – Teil 1: „Zickenkrieg“

Ich denke an die Nachbarn, die bei unserer WG-Party einfach nicht mitfeiern wollen und an nächtliche Kontrollen, als ich als Nüchterne meine feiernden Freunde nach Hause fahren musste. Alles halb so wild, trotzdem antworte ich: „Mein Cousin ist Polizist.“ Warum wird man plötzlich so nervös, wenn man mit der Polizei zu tun hat? 

Schnell werde ich einem jungen, aber dennoch erfahrenen Zweiergespann zugeteilt. Simon – etwas kleiner, breit gebaut und dunkelhaarig – muss als Beifahrer den Funk bedienen. Er ist seit vier Jahren bei der Polizei. Steini – groß, blond und ständig kaugummikauend – hat schon zehn Jahre auf dem Buckel. Er fährt heute den Streifenwagen. 

Überhaupt fällt auf, dass das komplette Team im Schnitt zwischen 20 und 30 Jahre alt ist. Kommissar Niclas witzelt: „Die Kollegen sind hier alle jung und schön, nur ich hebe das Durchschnittsalter etwas an.“ 

Und schon geht es los. Mit der kugelsicheren Weste über meinem schwarzen Sommerkleid sehe ich ein bisschen deplatziert aus. Meine leichten Sandalen werde ich später in der Nacht noch bitter bereuen...

Keine Brezeln, dafür Zickenkrieg

Der erste Einsatz führt uns ins Rathaus-Center. Auf dem Weg dorthin weiß ich nicht so recht, was ich mit den Beamten reden soll – und plappere einfach drauf los: „Im Sommer ist nicht so viel los, oder?" Ich ernte einen Sturm der Entrüstung. „Waaas? Ganz im Gegenteil!" widerspricht mir Simon. 

Steini ruft dazwischen: „Gerade da haben wir alle Hände voll zu tun! Überleg mal: Es ist warm. Es ist länger hell und die Leute sind länger draußen und trinken auch mal einen im Biergarten oder auf der Wiese.“ 

„Die Hitze steigt den Leuten zu Kopf und es gibt viel mehr Auseinandersetzungen und Prügeleien!“, ergänzt Simon.

Bei 35 Grad kochen auch an diesem Tag die Gemüter hoch. Wir werden im Rathaus-Center vom Security-Chef in Empfang genommen. Als sich herausstellt, dass wir zu einer Bäckerei müssen, murmelt Steini: „Vielleicht kriegen wir ja ne Brezel...“Doch für uns gibt es keine Brezeln, dafür aber ordentlich Zickenkrieg. 

Die Geschädigte ist gerade dabei, Feierabend zu machen und fegt den Boden mit einem großen Besen. Sie muss um die 20 sein. Lockige, dunkle Haare umrahmen ihr Gesicht. Sie begrüßt die Beamten nicht richtig und will nichts wirklich Konkretes zur Sache sagen. Erst durch mehrmaliges Nachfragen lässt sich die Situation rekonstruieren.

Gegen Mittag prügelte sich die Geschädigte mit einer anderen jungen Frau. Diese arbeitet auch im Rathaus-Center, in einem Schuhgeschäft. „Heute Mittag ging's hier schon rund. Meine Kollegin hat sogar Kratzspuren am Hals gehabt“, kommentiert ihre Kollegin. Dabei schüttelt sie bedauernd den Kopf. Doch darum geht es jetzt nicht. Der gemeldete Vorfall bezieht sich darauf, was am Abend geschah: Die wohl wütende Mutter der Frau mit den Kratzspuren suchte am Abend die Bäckereifachverkäuferin auf, beschimpfte sie als ‚Hure‘ und schubste sie. Das wollte die Geschädigte nicht auf sich sitzen lassen und rief die Polizei.

„Frauen…“

Nun schreibt Steini die Fakten in seinen kleinen Notizblock auf und versucht, die Zusammenhänge zu verstehen. Doch die Verständigung mit der jungen Frau erweist sich als schwierig: „Fühlten sie sich durch den Angriff körperlich beeinträchtigt?“„Was?“„Fühlten Sie sich durch den Angriff körperlich beeinträchtigt?“, wiederholt er. Sie: „Ich verstehe Sie nicht.“ 

Steini versucht mit einer Engelsgeduld umzuformulieren: „Als die Beteiligte sie geschubst hat, hat es Ihnen etwas ausgemacht? Wehgetan?“„Achso. Mhm... Keine Ahnung. Die hat mich halt geschubst“, antwortet die Geschädigte ärgerlich. 

„Kennen sie die Frau?“ – „Nein ich kenne sie nicht“, erwidert sie abwehrend.„Die is‘ halt die Mutter von der heute Mittag.“ – „Und woher kennen sie diese Frau?“ – „Des is‘ die Ex von meinem Freund...“

Steini schließt seinen Block: „Gut, Sie hören von uns.“ Er murmelt beim Weggehen kopfschüttelnd: „Frauen...“. Als emanzipierte, moderne Frau protestiere ich natürlich augenzwinkernd gegen diese Aussage: „Das kannst du ja so nicht sagen. Wahrscheinlich ist ein Mann Grund für die Schlägerei gewesen...“

Weitere Teile in dieser Reihe:

>>>>>10 Stunden Streife – Teil 2: Der richtige Riecher

>>>>>10 Stunden Streife – Teil 3: Beweismittel am Finger

>>>>>10 Stunden Streife – Teil 4: Jugendliche Randalierer

>>>>>10 Stunden Streife – Teil 5: Das verschwundene Quad

>>>>>10 Stunden Streife – Teil 6: Die Ausnüchterungszelle

>>>>>10 Stunden Streife – Teil 7: Weichgespülte Drogen

kp

Quelle: Ludwigshafen24

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