Titelkampf in Ludwigshafen

Murmelspieler ‚klickern‘ um die Deutsche Meisterschaft!

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Deutschlands beste Murmelspieler treffen sich in Ludwigshafen zur 22. Deutschen Meisterschaft.

Ludwigshafen-Friesenheim - 24 Mannschaften messen sich am Samstag bei den Deutschen Meisterschaften im Murmelspiel. Was sich lustig anhört ist für die Teilnehmer ein Nervenkrimi: 

Auf der neu gestalteten „Bambus-Murmel-Ranch" des 1. Murmelspielclubs Ludwigshafen trifft sich an diesem Samstag die deutsche Murmel-Elite: 24 Mannschaften aus elf Vereinen wetteifern um den 22. Deutschen Meistertitel im Kuhlemurmeln. 

22. Deutscher Murmel-Meister gesucht

Rund 100 Spieler treten auf den drei Sandplätzen an: Männer und Frauen, Kinder und Erwachsene, auch Menschen mit einer Seh- oder Gehschwäche. Alle tragen Trikots in den Vereinsfarben. 

Was macht die Faszination am „Klickern" aus? 

„Das kann man nur verstehen, wenn man einmal selbst gespielt hat", sagt Petra Baudach aus dem mittelhessischen Waldsolms. „Das ist kein Kinderspiel.“ Den Gesichtern zufolge ist dieses Turnier in der Tat eher ein Nervenkrimi. Auf dem Feld ist es ruhig, die Spieler sind hochkonzentriert. Für Jubel und Applaus sorgen die Teamkollegen auf den Bierbänken am Rand. 

Gespielt wird mit Glas- oder Porzellankugeln mit einem Durchmesser von 13 bis 15 Millimetern, erklärt Theo-Heinz Adrian, Vorsitzender des Ludwigshafener Murmelspielclubs, der die Meisterschaft ausrichtet. Eine Partie dauert im Schnitt eine halbe Stunde und besteht aus bis zu 16 Einzelbegegnungen. Jeder Spieler einer vierköpfigen Mannschaft muss gegen jeden der vier Kontrahenten des Gegnerteams antreten. Insgesamt sechs Murmeln sind im Spiel. Ziel ist es, sie in die Kuhle auf dem drei mal sechs Meter großen Feld zu befördern. 

Zunächst werfen die Spieler die Murmeln, später können sie sie mit dem Zeigefinger in die Kuhle stoßen. „Dotzen" zwei Kugeln aneinander, gelten sie ebenfalls als eingelocht. Der Spieler, der die letzte Kugel versenkt, holt für seine Mannschaft einen Punkt. Das Team, das zuerst neun Punkte hat, gewinnt das Spiel. 

Chris Pampel unterstützt sein Team vom 1. MC Erzgebirge Neukirchen als Auswechselspieler. Der 34-Jährige ist amtierender Weltmeister im Englischen Ringspiel, einer Murmeldisziplin, die bei den Deutschen Meisterschaften nicht auf dem Programm steht. 

Was macht einen guten Murmelspieler aus?

„Die Leidenschaft am Spiel und die richtige Technik“, sagt der Chemnitzer. Und eine gewisse Nervenstärke: „Wenn es darauf ankommt, muss man eine ruhige Hand behalten." 

Auch wenn an den Tischen sächsisch, ostfriesisch, pfälzisch oder hessisch gesprochen wird – man kennt sich. „Die Murmel-Community ist überschaubar", sagt Pampel. Das Gemeinschaftsgefühl loben hier alle. Das Schöne am Murmelspiel sei die Geselligkeit, findet auch Petra Baudach. Trotzdem hat natürlich jeder die glänzende Meisterschale im Blick. Die Titelverteidiger vom 1. Södeler Klickerverein aus dem hessischen Wölfersheim haben sie mitgebracht. 

Olympisch ist die Disziplin nicht – im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) seien Murmelvereine nicht organisiert, erklärt DOSB-Sprecherin Ulrike Spitz. Die Meisterschale ist deshalb der höchste Preis, den eine deutsche Mannschaft erreichen kann. Auch Weltmeisterschaften finden in der Disziplin Kuhlemurmeln derzeit nicht statt, sagt Theo-Heinz Adrian. Auf lange Sicht sei ein internationales Kräftemessen aber durchaus ein Ziel – Vereine gebe es schließlich auch in anderen Ländern.

Am Ende des Tages steht fest: Der neue deutsche Murmel-Meister kommt aus Sandhatten bei Oldenburg. Die erste Mannschaft des SV Murmel 011 schlägt im Finale den Titelverteidiger Södeler Klickerverein aus dem hessischen Wölfersheim. Den dritten Platz belegte die zweite Mannschaft des SV Murmel 011.

Fabian Busch/dpa

Quelle: Ludwigshafen24

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