Die Stadt blickt zurück

Feierstunde: 70 Jahre Kriegsende in Ludwigshafen

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Luisenstraße nach dem Fliegerangriff am 9. und 10. August 1943

Ludwigshafen - Vor ziemlich genau 70 Jahren endet für die Stadt am Rhein der zweite Weltkrieg. In einer Feierstunde in der Volkshochschule blicken die Bürger auf Krieg und Nachkriegszeit zurück.

Der zweite Weltkrieg endet für Ludwigshafen mit der Eroberung durch die Amerikaner, die sich über vier Tage hinzieht. Am Morgen des 24. März 1945 ist die Stadt Ludwigshafen vollständig von amerikanischen Truppen besetzt – die nationalsozialistische Schreckensherrschaft ist beendet.

70 Jahre Kriegsende in Ludwigshafen

Dr. Stefan Mörz, Leiter des Stadtarchivs, spricht am Dienstagabend in der Volkshochschule über die „Befreiung von einem System, dass nichts gescheut hat" und zeigt mithilfe von Fotografien, Dokumenten und einem Film, was Ludwigshafen während des Krieges erleben musste.

Geschehnisse in Zahlen

Im Krieg werden 23.000 meist Jugendliche oder junge Männer eingezogen – über 6.000 werden nicht zurückkehren. Die Überlebenden nehmen traumatische Erfahrungen mit nach Hause.

Als Ersatz für die fehlenden Männer werden 50.000 Zwangsarbeiter in die Stadt transportiert, die unter schlechter Behandlung und unter ständiger Kontrolle leben müssen.

Insgesamt 124 Luftangriffe fegen über Ludwigshafen hinweg. Doch es sind drei Angriffe im August und September 1943, die den höchsten Schaden anrichten – Die Ludwigshafener Innenstadt wird zu 72 Prozent zerstört, die BASF zu etwa 45 Prozent.

Eine Zahl von 1.600 Kriegstoten innerhalb der Stadt ist die grausame Bilanz. Darunter 600 Ausländer, die keinen Zugang zum rettenden Bunker haben.

Auch wenn die Beendigung des Krieges eine große Befreiung für die Menschen darstellt – Bürger und Stadt müssen sich erst einmal erholen. Es herrscht eine große Strukturlosigkeit, Arbeit, Nahrung und Unterkunft fehlen. Plünderungen und Hunger sind an der Tagesordnung, die Stadt liegt in Trümmern.

Zwar gibt es schon 1946 die ersten freien Wahlen in der Stadt, jedoch bleibt der Krieg in Ludwigshafen noch viele Jahre präsent.

Noch 1953, zum 100-jährigen Stadtjubiläum, stehen die Menschen auf Trümmern, um den Festzug zu beobachten.

Opfer des Krieges unvergessen

Auch Bürgermeister Wolfgang van Vliet richtet ein Wort an die Besucher der Feststunde. Er spricht über die Wichtigkeit, die Opfer der Gewaltherrschaft nicht zu vergessen und im Bewusstsein zu halten, wozu Hass und Ideologie führen können.

Heute in Frieden aufwachsen zu können sei etwas Besonderes: „Gedenktage wie dieser erinnern uns daran, dass das eben nicht selbstverständlich ist und es ist gut, dass wir uns das immer wieder bewusst machen.“

Sich aktiv für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit einzusetzen sei einer unserer Verpflichtungen, die sich aus der Geschichte ergäben. Dazu gehöre auch die Aufnahme derjeniger, die heute auf der Flucht vor Krieg und politischer Verfolgung sind.

Van Vliet betont aber auch die Wichtigkeit, im Rückblick auf das Jahr 1945 den Blick darauf zu richten, was danach kommt: Der Wiederaufbau, der Frieden und der Wohlstand in Ludwigshafen.

„Das Aufbauwerk nach 1945 - das nicht nur ein materieller Wiederaufbau war, sondern auch ein moralischer - dieses Aufbauwerk ist gelungen.“

kab

Quelle: Ludwigshafen24

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