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Ludwigshafen: Mi-Autsch! Stadtrat beschließt Kastrationspflicht für Katzen

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Von: Peter Kiefer

Katzen

Frisch kastrierte Katzen liegen in der Narkose. © dpa

Ludwigshafen - Mi-Autsch, jetzt macht die Stadt ernst! Der Stadtrat hat am Montag (3. Mai) die neue Katzenschutzverordnung verabschiedet. Das sind die Folgen für Tausende Katzen und Kater:

Update vom 4. Mai, 12:39 Uhr: Wie nicht anders zu erwarten gewesen ist, hat der Ludwigshafener Stadtrat am Montag (3. Mai) das Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungsgebot für Freigängerkatzen aus Privathaushalten verabschiedet. Mit großer Mehrheit hatte der Hauptausschuss zuvor für die Einführung der Katzenschutzverordnung gestimmt und damit den Weg in Ludwigshafen am Rhein freigemacht.

Hintergrund: In Deutschland leben aktuell etwa zwei Millionen sogenannte Streunerkatzen. Hierbei handelt es sich um ursprünglich entlaufene, ausgesetzte oder zurückgelassene Hauskatzen, deren Nachkommen, die nun verwildert sind und in Kolonien leben. In Ludwigshafen kommen sie vermehrt in den Kleingartenanlagen und in den Friedhöfen vor. Im Gegensatz zu Wildkatzen kommen diese verwilderten Hauskatzen, die sich zuvor in menschlicher Obhut befanden, draußen auf sich selbst gestellt nicht zurecht und leiden deshalb oft erheblich unter Hunger, Kälte, Krankheiten, Parasitenbefall und Verletzungen. Durch die Regelung soll die Ausbreitung von Krankheiten durch mangelnde Gesundheitsvorsorge eingedämmt werden. Seit Anfang 2016 haben die Kommunen in Rheinland-Pfalz gesetzlich die Möglichkeit, eine Kastrationspflicht für freilaufende Katzen zu erlassen.

Ludwigshafen: Mi-Autsch! Katzen sollen künftig kastrieren werden

Erstmeldung vom 29. April: Jetzt geht‘s den Katzen (und Katern) in Ludwigshafen an die Wäsche! Denn nach der am Montag (26. April) im Hauptausschuss einstimmig ausgesprochenen Empfehlung wird der Stadtrat am 3. Mai höchstwahrscheinlich eine Katzenschutzverordnung beschließen. Dies geschieht auf Anregung aus Tierschutzkreisen, um die unkontrollierte Erhöhung der Anzahl freilebender Katzen zu verhindern und um Katzen vor erheblichen Schmerzen, Leiden und Schäden zu bewahren, die durch eine erhöhte Katzenpopulation verursacht werden. Solche Gesundheitsprobleme seien etwa massiver Durchfall, Dehydration, extremer Endo- und Ektoparasitenbefall, FIV, Allergien, Herzprobleme, Unterernährung oder auch Katzenschnupfen.

StadtLudwigshafen am Rhein
BundeslandRheinland-Pfalz
Fläche77,55 km²
Einwohnerzahl172.253 (Stand: 31. Dez. 2019)
OberbürgermeisterinJutta Steinruck (SPD)

Was bedeutet die Rechtsverordnung? Wer im Stadtgebiet Ludwigshafen eine fortpflanzungsfähige Katze hält und ihr freien Ausgang gewährt, wird durch die Verordnung dazu verpflichtet, das Tier zu kennzeichnen (durch Mikrochip oder ähnliche Technik), registrieren (in einem Haustierregister) und kastrieren bzw. sterilisieren zu lassen! Der Nachweis der Kastration/Sterilisation kann gefordert werden. Die Behörde wird durch die Katzenschutzverordnung ermächtigt, die erforderlichen Maßnahmen anzuordnen bzw. Katzen, die nicht kastriert oder gekennzeichnet sind, in Obhut zu nehmen und nach einer Frist kastrieren zu lassen. 

Ludwigshafen: Kastration von „Fundtieren“ kostet Stadt jährlich 4.000 Euro

Bislang werden freilebende Katzen in verschiedenen Bereichen vom Tierheim/Tierschutz gefangen bzw. als Fundtiere im Tierheim untergebracht. Meldet sich keine Besitzerin oder kein Besitzer, werden die Tiere kastriert und eine Weitervermittlung angestrebt. Die Kosten für Unterbringung, soweit es sich um Fundtiere handelt, werden von der Stadt übernommen. So werden durchschnittlich 50 „Fundtiere“ im Jahr auf Kosten des ohnehin leeren Stadtsäckels kastriert. Die Kosten hierfür betragen jährlich rund 4.000 Euro.

Hier werden im Stadtgebiet besonders viele Katzen draußen angetroffen:

OrtFundtiere
Kleingartenanlage Südschöngewann/Pinienstraße/Teufelsbrücke,halbwilde Katzen
Kleingartenanlage Riedsaumparkhalbwilde Katzen
Hauptfriedhof /Hemshof/Schlachthofvermehrt unkastrierte, zahme Fundkatzen
Nachtweidehalbwilde Katzen
Kleingärten Notwendevereinzelt halbwilde Katzen

Ludwigshafen: Bei Beschluss durch Stadtrat gilt Katzenschutzverordnung zehn Jahre

Weitere diffuse Vorkommen sind im gesamten Stadtgebiet vorhanden. Dazu kommt: Aus den Jagdrevieren und von Seiten des Naturschutzes häufen sich Beschwerden über wildernde Katzen, die bei geschützten Arten wie Singvögeln und Reptilien erhebliche Verluste verursachen, indem sie diese töten.

Katzen lieben es, bei Sonnenauf- oder untergang draußen eine Runde zu drehen. Foto: Julian Stratenschulte

Auch durch Ludwigshafen streunen viele Katzen. (Symbolfoto) © Julian Stratenschulte/dpa

Die Verordnung soll - die Zustimmung im Stadtrat vorausgesetzt - sofort verkündet werden und dann nach sechs Monaten in Kraft treten, so dass den Eigentümer*innen genug Zeit bleibt, ihre Katzen entsprechend registrieren und kastrieren zu lassen. Die Geltungsdauer dieser Rechtsverordnung beträgt 10 Jahre ab Inkrafttreten, soweit sie nicht zuvor außer Kraft gesetzt wird. Die Verordnung gilt im gesamten Ludwigshafener Stadtgebiet.

Bei Verstößen ist die Stadt zu folgenden Anordnungen befugt:

  1. Die Stadtverwaltung Ludwigshafen ist berechtigt, zur Beseitigung festgestellter und zur Verhütung künftiger Verstöße die erforderlichen Anordnungen zu treffen. Sie ist insbesondere berechtigt, die Kennzeichnung, Registrierung und Kastration einer fortpflanzungsfähigen Katze, die unkontrolliert freien Auslauf hat, auf Kosten der Katzenhalter*innen anzuordnen.
  2. Die Stadtverwaltung Ludwigshafen ist berechtigt, eine nicht gekennzeichnete und/oder fortpflanzungsfähige Katze, die im Stadtgebiet Ludwigshafen aufgegriffen wird, in Obhut zu nehmen. Können Katzenhalter*innen einer sich im unkontrollierten und freien Auslauf befindlichen, fortpflanzungsfähigen Katze nicht innerhalb von 72 Stunden ermittelt werden, ist die Stadtverwaltung Ludwigshafen berechtigt, die Kennzeichnung, Registrierung und Kastrierung der Katze auch ohne Einverständnis der Halter*innen auf deren Kosten durchführen zu lassen. #
  3. Ist zur Ergreifung der Katze das Betreten eines Privat- oder Betriebsgeländes erforderlich, sind die Grundstückseigentümer*innen oder Pächter*innen verpflichtet, dies zu dulden.

Die Verordnung schafft auch für das Tierheim eine Rechtssicherheit bei freilebenden Katzen und Fundkatzen. Denn es ist für die aktive Arbeit des Tierschutzvereines/Tierheimes wichtig, schnellstmöglich zu erfahren, ob eine Katze von einer betreuenden Hand versorgt wird oder frei lebt. Ein schneller Zugriff auf das Tier und die Durchführung der Kastration einer gefangenen Katze ist nur möglich, wenn die Herrenlosigkeit schnellstmöglich festgestellt wird. Die Rechtsverordnung bewahrt das im Interesse der Tiere und der Stadt handelnde Tierheim vor Regressansprüchen und Anzeigen wegen Sachbeschädigung durch Tierhalter. (pek)

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